1797 erschien erstmals "Die Metaphysik der Sitten" von Immanuel Kant (1724 - 1804). Sie bildete den Abschluss einer langen Arbeitsreihe, die 1781 mit der "Kritik der reinen Vernunft" begonnen worden war. In den sechzehn Jahren dazwischen schrieb Kant u.a. die "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" (1785) und die beiden anderen großen Kritiken, nämlich die "Kritik der praktischen Vernunft" (1788) und die "Kritik der Urteilskraft" (1790). Mit diesen Werken sollte einem allgemein gültigen Ethik-Codex eine rationale Grundlage geschaffen werden, in der die Erkenntnis- und Handelnsmöglichkeiten des Menschen für einen solchen Codex ausgiebig erörtert worden waren. Mit dem aus der Antike tradierten Namen 'Metaphysik' versuchte Kant, seinem Ethikentwurf eine wissenschaftlich klingende Aura zu verleihen. Und unter dem Namen 'Sitten' verstand Kant im Besonderen den Komplex eines durch Vernunft erschlossenen moralischen Verhaltens.
In einer nach heutigem Sprachverständnis schweren Sprache legte Kant seine vielen Gedanken über die "Pflichten des Menschen gegen sich selbst und gegen andere" ausführlich dar. Für Philosophiestudierende ist dies Buch also im doppelten Sinne eine Pflicht-Lektüre; aber im Sinne Kants ist jedermann gefordert, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, um die großen Fragen, wie etwa: "Wie oder woran wir erkennen, was recht sei?", zu beantworten, ohne sich dabei auf Juristen oder Theologen oder den Papst bequemlich zu verlassen.
Die vorliegende Reclam-Ausgabe ist mit einer trefflichen Einleitung, hilfreichen Anmerkungen und einem gehaltvollen Nachworte von Hans Ebeling versehen, ehemals Professor für Philosophie an der Universität Paderborn.