Die Freude war groß, als Atrocity angekündigt haben, dass sie tatsächlich einen Nachfolger zum grandiosen Werk 80 Album machen würden. Zehn Jahre sind seither vergangen, und wie es scheint, haben sich viele Fans genauso gefreut, dass die Truppe um Fronthüne Alex Krull wieder ihre ganz eigenen Versionen unsterblicher 80er Jahre Hits aufgenommen hat. Werk 80 II ist dieser Tage von 0 auf Platz 19 in die deutschen Albumcharts eingestiegen! Ein völlig verdienter Erfolg für die Band, die wieder mal durch ihre Experimentierfreude zeigt, dass sie immer für eine Überraschung gut ist. Die neue Werk 80 II ist ein großartiges Album und eine respektvolle Verneigung an die Zeit der goldenen 80er Jahre, auch wenn man stilistisch natürlich um einiges härter zu Werke geht, als das noch bei den Pop und Wave Originalen der Fall war. Das trifft zum einen auch wunderbar meinen persönlichen Musikgeschmack, aber auch die zeitgemäße Umsetzung der Songs. Wie heißt es doch so schön, die Zeiten werden härter! Deshalb kann ich auch gar nicht nachvollziehen wie manche Leute hier den Gesang und Gesangsstil von Mastermind Krull kritisieren, der mit seiner rauen Stimme facettenreich und gekonnt die Songs unter einen Hut bringt und passend zum neuen Metalgewand vorträgt. Ganz ehrlich, glaubt denn wirklich jemand ernsthaft, dass die Gesänge von Morten Harket oder etwa einem Jimmy Sommerville metaltauglich wären? Mir gefällt Krull's tiefes, düsteres Organ sehr gut, und zur Unterstützung hat man mit Liv Kristine (Leaves' Eyes) erneut eine begnadete Gastsängerin mit dabei. Dank Atrocity kann man als Rock und Metal Fan jetzt wirklich zu den 80er Popsongs abrocken! So war das schon bei der ersten Werk 80. Die Werk 80 II gefällt mir sogar noch ein wenig besser, und die symphonische Ausrichtung mit der Klassik ist echt gelungen. Das Orchester und der Chor fügen sich sehr gut in das Gesamtkonzept ein. Hier einmal ein kurzer Überblick zu den einzelnen Songs:
People Are People: Klasse, stampfender Opener. Hier kommt gleich der Einsatz von Orchester und Chor sehr gut zur Geltung! So hat man den Song von Depeche Mode bestimmt noch nie gehört.
Smalltown Boy: Die einprägsame Pianomelodie will mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Starker, tanzbarer Song. Hier zeigt sich Alex Stärke mit seinen abwechslungsreichen Gesängen: In der Strophe singt er noch sehr melodisch und im Chorus lässt er es richtig krachen. Klasse!
Relax: Eine echte Überraschung! Wahrscheinlich eines der Lieder, dass man sich aufgrund der opulenten Umsetzung öfters anhören muß, um es ganz zu erfassen! Der Brocken wird nach mehrmaligen Hören immer besser! Spätestens hier wird klar, dass sich Atrocity hingesetzt und ordentlich etwas ausgeklügelt haben. Wahnsinn! Auch der Härtegrad stimmt, fettes Brett!
Don't You Forget About Me: Das rockt! Geiler Groove und eine prima Umsetzung des Simple Mind Klassikers! Lässige Gesangsarbeit von Herrn Krull und ein ordentliches Pfund auf der Gitarre!
The Sun Always Shines On TV: Ein wunderschönes Duett mit Liv Kristine. Die Nummer ist sicherlich eines der Highlights auf der neuen Werk 80 II, wenn man das überhaupt so sagen kann ;)
Hey Little Girl: Das Original hat mir nie gefallen. Aber die Version von Atrocity ist echt klasse geworden. Man höre sich nur den packenden Chorus an!
Fade To Grey: Wow, das hätte ich nicht gedacht. Was man aus dieser eher monotonen New Wave Nummer gezaubert hat, ist echt erstaunlich. Da brezeln die Gitarren, da grooven die Drums und eine zarte französische Stimme lässt die Männerherzen höher schlagen. Das Stück wird bestimmt die Tanzflächen beben lassen.
Such A Shame: Das Orchester stimmt den Song an, im Original von Talk Talk, und Such A Shame" entwickelt sich zu einem sehr dynamischen epischen Schmankerl.
Keine Heimat: Wie auf Werk 80 gibt's auch bei Teil 2 einen Beitrag aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle. Warum man nicht einen bekannteren Hit von Ideal genommen hat, ist mir zwar nicht ganz klar, wahrscheinlich liegt es aber an der textlichen Aussage, die man sehr gut auf die heutige Zeit ummünzen kann. Musikalisch kommt jedenfalls das volle Gitarrenbrett inklusive hartem, deutschen Gesang.
Here Comes The Rain Again: Atmosphärisch, symphonisch-rockende Umsetzung des Eurythmics Evergreens. Die Gitarrenarbeit hamorniert perfekt mit den orchestralen Klängen im Breitwandformat! Wunderbare Umsetzung; schön düster. Ein echter Geheimtipp.
Forever Young: Der perfekte Abschluss einer Hammerscheibe! War bei Werk 80 Maid of Orleans" ein atmosphärisches Sahnehäubchen am Ende der Platte, so packen Atrocity diesmal eine Gänsehaut Hymne aus! Einfach genial!
Fazit: Klasse Songauswahl, super Umsetzungen der 80er Jahre Hits, eine Top Produktion und ein umwerfendes Coverartwork. Das macht unter dem Strich die volle Punktzahl aus!