Der Untertitel "Zielgruppengerechte Ansprache durch Gender Marketing Communication" trifft das Buch viel besser, aber das plakative "Werbung für Adam und Eva" musste wohl sein, um hip aus dem Buchregal zu prangen. Wer poppige Unterhaltung zum ebenso unerschöpflichen wie unergründlichen Thema "Mann & Frau" erwartet, wird enttäuscht (weil schnell überfordert) werden. Wen hingegen unerschütterlich der "kleine Unterschied" in Marketing und Kommunikation fasziniert, bspw. aus eigenen Erlebnissen als Kunde/in, der wird Erkenntnisse in Hülle und Fülle finden.
Jaffé beweist eindrucksvoll, warum sie die führende Gender Marketing- Expertin im deutschsprachigen Raum ist. Die komplexe Thematik wird in einem sehr breiten Themenspektrum betrachtet und mit Liebe zum Detail in inhaltlicher Tiefe analysiert.
Die Vielzahl an Quellen aus Amerika, Europa und Asien, von historisch bis topaktuell, hat mich beeindruckt und der einzigartige interdisziplinäre Ansatz fasziniert. Neueste Erkenntnisse der Neuroendokrinologie (Wissenschaftsdisziplin, die sich mit der Verknüpfung des Hormonsystems mit dem Nervensystem) fließen ebenso ein wie geschlechtsspezifische Soziobiologie, Ethnograhie und Psychologie. Ich habe wahrlich nicht alle Enzyme, Hirnteile und ihre Funktionen verstanden. Aber ich habe bei vielen männlichen Klischees laut "Genau!" gedacht und bei manchen Beschreibungen weiblicher Kommunikation mich leise "Echt?" gefragt.
Jaffé hat immer wieder auf den Punkt formuliert und gleichzeitig eine sehr persönliche Seite in "Werbung für Adam und Eva" eingebracht. Wann immer eine Frage offenblieb, folgte wenig später eine überzeugende Antwort.
Meine Top10 Sätze aus dem Buch:
10.) Nur 14% aller Internet-Nutzer sind aktiv kommunizierende, gestaltende Social Networker. (S. 360)
9.) Alles verliert seine Identität, sobald es seine charakteristische Farbe einbüßt. (S. 310)
8.) Wenn Frauen mit Männern sprechen, führt das bei den Frauen zu Stress. (S. 169)
7.) Schenken Sie Ihren Kundinnen Bestätigung für sie, nicht für sich selbst. (S. 51)
6.) Baron-Cohen "...412 verschiedene (sich gegenseitig ausschließende, semantisch getrennte) menschliche Emotionen" identifiziert. (S. 96)
5.) ... nur sehr wenige Produkte und Marken gleichermaßen von Frauen und Männern gekauft werden... (S. 57)
4.) Tannen schreibt: "Das Spiel der Frauen heißt "Magst du mich?", das der Männer "Hast du Respekt vor mir?"" (S. 166)
3.) Tatsächlich reden Frauen und Männer über den gesamten Tag ungefähr gleich viel - nur eben völlig unterschiedlich auf Anlässe und Gelegenheiten verteilt. Frauen sprechen vorwiegend im privaten Umfeld, und damit dort, wo Männer das Reden wenig reizvoll finden.
2.) Gender Marketing bedeutet, sich bewusst entscheiden zu dürfen, ob man Frauen oder Männer oder beide Geschlechter anspricht. (1. Aufl. 2011, S. 31)
Aber der absolute Knaller war für mich auf S. 39 der in Klammern geschriebene Appell an die Leserinnen...