...Frau Cornwell nicht hartnäckig auf den Wahrheitsgehalt ihres Buches bestehen würde.Nun ja, ich kann sie verstehen.Schließlich hat Cornwell viel Geld in die Recherche gesteckt und eine umfangreiche Sammlung an Informationen über den vermeintlichen Serienmörder angelegt.
Außerdem ist die Autorin eine Marketingexpertin und wenn man behauptet, den berüchtigsten Mörder der Geschichte entlarvt zu haben, ist das doch ein wirkungskräftiger Werbegag.
Nicht umsonst zählt Patricia Cornwell zu den bestverdienenden Autoren der Welt, obwohl ihre zahlreichen Kriminalromane nicht eben durch Anspruch punkten können.
Wie auch immer ist dieser angebliche Tatsachenbericht unterhaltsam.Die Autorin beweist einen soliden Schreibstil und lässt ihren Lesern schon einmal einen Schauer den Rücken herunterlaufen.Diese Atmosphäre wird durch beigefügtes Bildmaterial noch unterstützt.
Insgesamt ist das Buch als gut recherchierter historischer Kriminalroman zu betrachten, praktisch eine makabre Hommage an Jack the Ripper.
In der Entwicklung von Motiven für die Morde erweist sich Cornwell als äußerst kreativ.Beiweiten so kreativ,dass man,würden diese Behauptungen stimmen,worauf die Autorin ja hartnäckig besteht,diese niemals nachweisen könnte.
Ihre Hauptthese besteht darin,dass Sickert unter einem verstümmelten Genital Zeit seines Lebens litt und dadurch einen, mit seinem gestörten Empfinden von Sexualität, krankhaften Hass auf Prostituierte entwickelte.Nette Idee,die sich in die tausenden anderen Möglichkeiten einreiht,welche niemals bewiesen werden können.
Schande über Cornwell,dafür,dass sie mit ihrer Idee,Walter Sickert sei der Ripper gewesen,dem guten Ruf des in England berühmten Impressionisten Sickert schadet.
Allerdings wäre Patricia Cornwell nicht Patricia Cornwell,wenn sie kein überzeugendes Argument auf Lager hätte: Mitochondriale DNA-Proben.Damit will die Hobbykriminalistin bewiesen haben,dass Sickert der Verfasser eines Ripperbriefes ist.
Mal abgesehen davon,dass es für einen Künstler wie Sickert sicherlich eine abwechlungsreiche Übung gewesen wäre,einen der zum größtenteil gefälschten Briefe zu schreiben, gibt es noch eine Problem.
Cornwell,der Guten,ist wohl entfallen,dass diese Proben etwa so wie Lottospielen funktionieren:Die Chanchen einer Überstimmung liegen bei 400:500000 oder so ähnlich zumindest.
Wäre das >>Porträt eines Killers<< gleich zu Anfang als reine Fiktion vermarktet worden,hätte Cornwell einen passablen Kriminalroman abgeliefert.
So kann man jedoch nur den Kopf über diese Autorin schütteln und schmunzeln.Eines muss man Patricia Cornwell aber lassen:Das Buch hat einen ziemlichen Wirbel ausgelöst und ist erfolgreich gewesen.Vermutlich ist das auch alles,was Frau Cornwell wollte.