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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
63 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Toll geschrieben - schwache Analyse,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wer regiert die Welt?: Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden (Gebundene Ausgabe)
Eines muss man dem Ian Morris lassen: schreiben kann er, und wohl noch nie habe ich ein faktengesättigtes Geschichtsbuch so schnell durchgelesen. Sein Stil ist locker, anekdotenreich, bisweilen sogar flapsig. Wer ein Buch sucht, in dem die letzten 12000 Jahre Menschheitsgeschichte lebendig durcherzählt werden, der wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen (wobei das nicht ganz korrekt ist, denn im Grunde geht es nur um den "Osten" (= China) und den "Westen", der bei Morris alles umfasst, was westlich des heutigen Pakistans liegt.Doch eigentlich ist es nicht sein Anliegen, im erzählerischen Schweinsgalopp durch 12000 Jahre Geschichte in Ost und West zu eilen. Sein Thema lautet: Warum beherrscht der Westen seit nunmehr 300 Jahren die Welt, und nicht der Osten, der immerhin von etwa 500 n.Chr. bis ins 17.Jahrhundert die weiter entwickelte Zivilisation hatte ? Und hier beginnt die Analyse, zu welcher die ganze(n) Geschichte(n) nur das Material liefern. Ian Morris ist nicht eben bescheiden: es geht ihm ums große Ganze, um die Gesetze der Geschichte. Er stellt drei Kandidaten vor, die für weltgeschichtliche Umwälzungen in Frage kommen: Biologie, Soziologie und Geographie. Biologie scheidet aus, denn die Menschen(gruppen) sind überall gleich. Der Rassismus des 19. und 20. Jahrhunderts ist wissenschaftlich widerlegt. Der Westen herrscht nicht, weil der weiße Mann dem "Gelben" überlegen ist. Soziologie scheidet seiner Meinung nach auch aus, da zu flüchtig, zu wenig nachhaltig und tiefgreifend. Bleibt nur die Geographie ("maps, not chaps", = Karten, nicht Kerle, wie er es ausdrückt) Wenn es um die neolithische Revolution (= Erfindung von Ackerbau und Viehzucht) geht, so ist die Geographie hier sicher der hinreichende Grund für den Vorsprung des Westens (der "Westen" hier: der fruchtbare Halbmond im heutigen Nahen Osten), denn dort fanden sich nun einmal die Pflanzen und Tiere, die sich am leichtesten und ergiebigsten domestizieren ließen. Der Vorsprung, den der "Westen" damals vor 13000 Jahren hatte, war aber um 600 n.Chr,. wieder aufgebraucht. Was also war der Grund für die Entwicklung , die Europa ab etwa 1500 (Stichworte: Renaissance und Entdeckung Amerikas), und dann rasant ab 1700 (Moderne Wissenschaft, dann die Industrielle Revolution) machte ? Morris' Antwort ist von bestechender Einfachheit: der Atlantische Ozean ist schmaler als der Pazifik. Deshalb entdeckte ein Europäer Amerika, und nicht ein Chinese. Das löste den Entwicklungsschub aus, der Jahrhunderte später dazu führte, dass England, Frankreich, Holland und Co. die Welt beherrschten. Wirklich ? Warum spielten dann die beiden Länder (nämlich Spanien und Portugal), die bei der Entdeckung und dann Ausbeutung der neuen Länder führend waren, keine Rolle mehr, als Leute wie Bacon oder Newton das revolutionäre wissenschaftliche Weltbild entwarfen, oder James Watt und Co. diese Erkenntnisse dann in Technik umsetzten? Spanien und Portugal verpulverten das geraubte Gold und Silber schlicht, um dann schon bald wieder auf den Stand europäischer Armenhäuser zurückzufallen, aus dem sie erst Ende des 20. Jh. dank EU-Beihilfen halbwegs befreit wurden. Warum schipperten Holländer und Briten um den halben Globus, und gründeten und unterhielten quasi im Hinterhof Chinas (in Indonesien, Australien, Indien etc.) Kolonien ? - Warum verspielten die Araber, die über Jahrhunderte in allen Belangen die Führungsrolle im Westen innehatten, ihren Vorsprung ? - Was hinderte die Chinesen, die im Altertum Erfindung nach Erfindung gemacht hatten, zwischen 1500 und 1800 daran, die Dampfmaschine, die Uhr oder die Infinitesimalrechnung zu erfinden ? Der breite Pazifik ? Die Krux mit geographischen Erklärungen wie die von Ian Morris (oder auch von Jared Diamond in seinem Buch "Guns, germs and Steel") ist, dass sie auf den ersten Blick bestechend wirken, doch wenn man dann mal genauer hinschaut, und sich Fragen wie die oben genannten stellt, dann fallen sie recht schnell in sich zusammen. Geschichte ist eine komplexe, oft genug auch eine schmutzige Angelegenheit, und wer sie erklären will, sollte einen multidimensionalen Ansatz wählen. Kultur etwa ist ein wesentlicher Faktor; sie lässt sich nicht unter "Geographie" oder "Soziologie" subsummieren. Daher mein Fazit: dieses Buch ist auf jeden Fall lesenswert, aber eine tragfähige Antwort auf die Frage, warum der Westen den Rest der Welt beherrschte, sollte man bei Ian Morris nicht erwarten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie kam es dazu, dass der Westen heute die Welt beherrscht? Der Versuch einer Antwort,
Von Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 10 REZENSENT) (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Wer regiert die Welt?: Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden (Gebundene Ausgabe)
Einige behaupten, dass bereits im alten Griechenland die Voraussetzungen für die westliche Vorherrschaft geschaffen wurden. War also alles gewissermaßen von Anfang an determiniert? Oder entstanden diese Machtverhältnisse, wie andere meinen, als Produkt kurzzeitig wirkender Zufälle, die den Westen an einer bestimmten, aber entscheidenden Stelle der Entwicklung bevorteilt haben? Ian Morris verneint gleich zu Beginn seines umfangreichen Werkes diese beiden gängigen Theorien und kündigt dann eine völlig andere Erklärung an.Doch dazu müssen wir ihn in diesem Buch auf seinem Weg durch die menschliche Geschichte begleiten. Im ersten Kapitel beginnt diese Reise mit der Untersuchung der Wanderbewegung des Homo sapiens aus Afrika nach Europa und Asien. Da dies fast gleichzeitig geschah, sind rassische Gründe aus der Urzeit nicht verantwortlich für den Vorteil des Westens. Um 17000 v.u.Z. schmolzen in nur zwei oder drei Jahrhunderten die Gletscher auf der Nordhalbkugel. Als Folge dieser Erderwärmung kam es im sogenannten Fruchtbaren Halbmond vom heutigen Israel über die Türkei in den Iran und fast bis zum Persischen Golf zur frühzeitigen Entstehung und Kultivierung von Ackerbau und Viehzucht, was den Westen in Führung gehen ließ. Das ist der Inhalt des zweiten Kapitels. Das dritte Kapitel spielt eine zentrale Rolle im Buch, denn hier erklärt der Autor seine Methode, die gesellschaftliche Entwicklung zu messen. Dazu bastelt er sich einen Index aus vier Merkmalen: der Energieausbeute, der Organisationsfähigkeit (in Form des Verstädterungsgrades), der Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten und der Fähigkeit, Kriege zu führen. Nachdem geklärt ist, was zu messen ist, wird im Folgenden beschrieben, wie diese Messungen konkret durchgeführt werden. Darauf und auf kritische Punkte dabei näher einzugehen, würde leider den Rahmen dieser Rezension sprengen. Allerdings liegen einige Probleme auf der Hand, denn wir besitzen einfach nicht zu jeder Zeit und für jeden Ort der Vergangenheit die entsprechenden Daten. Klar ist dagegen sofort, dass die Kurve an ihrem Ende explosionsartig ansteigen muss. Von nun an arbeitet der Autor mit seinen Messkurven und präsentiert sie im vierten Kapitel für die Zeit von 14000 bis 5000 vor Christus. Dann wendet er sich der Zeit von 5000 bis 1000 vor unserer Zeit zu, in der der Osten ein wenig aufholte. Jedes Kapitel berichtet im angenehmen Erzählstil über die wesentlichen Ereignisse der Weltgeschichte im betrachteten Zeitraum, die für die damals faktisch nicht vorhandene Konkurrenz von Osten und Westen von Bedeutung waren. Obwohl der Text sehr gut geschrieben ist, kann er wegen der ungeheuren Faktenfülle gelegentlich etwas anstrengend werden. Von 1000 bis 100 vor Christus verlaufen die beiden Messkurven parallel. In dieser Zeit entstanden die heutigen großen Weltreligionen, und die Gesellschaften entwickelten sich von der Low-End-Organisation zur High-End-Organisation, was nichts anderes bedeutet als die Erfindung des Beamtenstaates. Das erklärt Morris im fünften Kapitel. Hier und schon im vorangegangen Kapitel macht der Autor deutlich, warum die Theorie des langfristigen Determinismus als Erklärungsmodell für die westliche Überlegenheit scheitern muss. Er nennt den Grund "Paradox der gesellschaftlichen Entwicklung". Eine gesellschaftliche Entwicklung, meint Morris, bringt immer auch genau die Kräfte hervor, die sie schließlich untergraben. Im sechsten Kapitel beschreibt er die Zeit von 100 vor bis 500 nach Christus, in der sowohl im Osten wie im Westen die Großreiche zerfielen. Von dieser Dauerkrise erholte sich der Osten anschließend viel schneller und ging, wenn man dem Index des Autors Glauben schenkt, erstmals in der gesellschaftlichen Entwicklung am Westen vorbei. Doch obwohl man damals in China mit Kohle etwas anfangen konnte und die Eisenherstellung aufblühte, kam es nicht zu einer industriellen Entwicklung wie mehrere hundert Jahre später in Europa. Und selbst wenn es die Chinesen, wie einige behaupten, in dieser Zeit bis nach Amerika geschafft hatten, so eroberten sie es nicht. Das wird sich später als ein schwerer Nachteil erweisen. Inzwischen jedoch hatte es überlegene chinesische Technologie bis nach Europa geschafft, und die Europäer nutzen das, was Morris den Vorteil der Rückständigkeit nennt. Sie holten in der gesellschaftlichen Entwicklung wieder auf (9. Kapitel) und begannen mit der Erfindung der Dampfmaschine das Zeitalter der westlichen Dominanz, das bis heute anhält. Dem Entwicklungssprung durch die industrielle Revolution in Europa (10. Kapitel) hatten die Asiaten zunächst nichts entgegenzusetzen. Morris macht in letzter Instanz vor allem geografische Gründe für die Tatsache verantwortlich, dass diese industrielle Revolution im 18. Jahrhundert vom Norden Europas ausging und nicht 600 Jahre früher in China begann. Darüber und auch über einige seiner Interpretationen historischer Vorgänge kann man durchaus geteilter Meinung sein. Wenn man nämlich seine Darlegungen in den einzelnen Kapiteln aufmerksam liest, dann argumentiert er dort manchmal auch anders, zum Beispiel indem er sozio-kulturelle Aspekte ins Spiel bringt oder gelegentlich auch die innere Haltung von Völkern berücksichtigt. Trennt man sich einmal von der konstruierten Ost-West-Betrachtungsweise und stellt dann die Frage, warum in Europa heute die nördlichen Länder den Ton angeben, obwohl sie erst in der jüngeren Geschichte Europas eine Rolle zu spielen begannen, dann versagen die geografischen Argumente von Morris, die er im 11. Kapitel noch einmal für seine Ost-West-Frage zusammenfasst, sofort, denn Europas geografische Vorteile liegen ganz eindeutig im Süden. Das letzte Kapitel verdirbt den guten Eindruck des Buches dann etwas, denn hier lässt sich der Autor auf viele recht fragwürdige Spekulationen ein. Ganz nebenbei kommt dabei auch sein Hang zu ausladenden Betrachtungen sehr deutlich zum Vorschein, der das Buch künstlich aufgebläht hat. Hätte sich der Autor etwas konzentrierter seiner zentralen Frage gewidmet und sie als wirklichen roten Faden benutzt, dann wäre das Buch deutlich weniger umfangreich geworden. Obwohl der Text nach einem riesigen Anlauf einen relativ kurzen und fragwürdigen Sprung zustande bringt, hat es doch den unschätzbaren Vorteil, dass es die wesentlichen Ereignisse der Menschheitsgeschichte auf ungefähr 600 Seiten zusammenfasst, ohne irgendwann langweilig zu werden. Im Anhang erklärt Morris noch einmal seinen Index der gesellschaftlichen Entwicklung und bringt Zahlen und Berechnungsmethoden, die in den jeweiligen Kapiteln ausgespart blieben. Fazit. Ein sehr interessantes Buch, das die Menschheitsgeschichte unter dem Blickwinkel der Entwicklung in Asien und Europa (sowie später Nordamerika) betrachtet. Der Autor untersucht, warum Gesellschaften aufsteigen und fallen. Obwohl man über seine Antwort auf die eingangs gestellte Frage geteilter Meinung sein kann, bietet das Buch einen einzigartigen und sehr gut lesbaren Überblick über die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in Ost und West. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Fünf düstere Gestalten der Weltgeschichte,
Rezension bezieht sich auf: Wer regiert die Welt?: Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden (Gebundene Ausgabe)
Fünf düstere Gestalten der WeltgeschichteHabe die 600 Seiten zügig geschafft, dabei einige Seiten mit Details der chinesischen Geschichte übersprungen. Das Buch ist insgesamt gut lesbar, da mit Grafiken und Karten illustriert und durchaus unterhaltsam, weil häufig Bezüge zu bekannten Büchern und Filmen hergestellt werden. Gestört haben mich manche überflüssigen Details, z. B. wo Morris seine Ehefrau kennengelernt hat, was jedoch zeigt, dass es sich nicht um eine rein wissenschaftliche Arbeit handelt, sondern dass er auf den Trend aufspringt, den Niedergang des Westens bzw. der US-Hegemonie in historische Zusammenhänge einzuordnen. Der Original-Titel "Why the West Rules - For Now" zeigt dies deutlicher als die deutsche Variante "Wer regiert die Welt?". Im historischen Längsschnitt wird mit einem "Index der gesellschaftlichen Entwicklung" über 5000 Jahre die Entwicklung im Westen (Vorderasien, Europa, später auch USA) und im Osten (China) mit vier Merkmalen (Energieausbeute, Gesellschaftliche Organisation mit Indikator der größten Siedlung/Stadt, Kriegsführungskapazität und Informationstechnik - in einem umfangreichen Anhang werden diese Indikatoren diskutiert) dargestellt. Dabei gehen West und Ost oft durch ähnliche Phasen, stoßen an gleiche Ober-Grenzen und werden durch Klimawandel, Hungersnöte, Seuchen, Wanderbewegungen/Nomadeneinfällen, Staatszerfälle in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Solche Krisen bewirken einen Veränderungsdruck, der auch positiv gestaltet werden kann; vor allem ergeben sich dadurch Entwicklungschancen für Randregionen, die nun von ihrer vormaligen Rückständigkeit profitieren. Daher hat die "Bedeutung des Ortes" bzw. der geographischen Gegebenheiten im Erklärungsversuch von Morris einen hohen Stellenwert. Auch bei Beantwortung der sog. "Needham-Frage" (S. 459, warum die Industrielle Revolution in England und nicht in China stattgefunden hat, obwohl der "Osten" von 541 bis 1772 nach den Daten von Morris einen Vorsprung in der gesellschaftlichen Entwicklung hatte) betont Morris die Bedeutung des Ortes. Im Schlusskapitel 12 wird gezeigt, dass bei fortbestehenden Wachstumsraten im Jahr 2103 die Werte des "Ostens" über denen des "Westens" liegen werden, China also die "Führung" übernehmen wird. Angesichts der Globalisierung drohen die "fünf düsteren Gestalten Klimawandel, Hungersnöte, Staatszerfälle, Wanderbewegungen, Seuchen-" in neuer Form. (S.573), daher sind "die nächsten 40 Jahre die bedeutsamsten der Weltgeschichte"(S. 583). Um diese "Weltendämmerung" zu verhindern, sind Verhinderung eines Atomkrieges, Klimaschutz, neue Energieformen und vor allem überstaatliche Organisationen nötig. Diese zusammenhängende Darstellung der Entwicklungslinien bietet durchaus interessante Einsichten und Aha-Erlebnisse, insgesamt hätte ich mir vieles etwas wissenschaftlicher vorgestellt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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