Was an diesem Buch nervt, ist die Tatsache, daß die Autorin keinen Unterschied zwischen Frauenfreundschaften und echten Frauenbeziehungen macht. Sie erwähnt dies zwar im Vorwort, jedoch halte ich eine solche Vorgehensweise dennoch für unsauber - zumal, wenn man diesen Titel des Buches wählt(!) Vielleicht wollte die Verfasserin in ihrem peniblen Dokumentationswahn damit auch das Volumen des Bandes in die Höhe treiben... So aber interessiert den an der "einen Sache" interessierten Leser nur circa die Hälfte des Werkes. Dazu kommt, daß trotz des betont sachlich-referierenden Stils (der aber gerade deswegen bemüht wirkt), eine Menge spekulativer Behauptungen und "Tatsachen" die Seiten füllen - z. B. wie sich Alice B. Toklas, die Lebensgefährtin von Gertrude Stein, angeblich Gästen gegenüber zu verhalten pflegte u.ä.m. (woher will die Autorin das wissen? war sie dabei??). Ein bißchen unseriös, das Ganze, also - schade. Mich stört auch, daß ausschließlich Frauen aus der Künstler- bzw. Bohemièn-Welt genannt werden - gerade so, als ob es keine anderen gäbe (und hier aber dafür jede noch so unbekannte Malerin und Neben-Neben-Neben-Frau). Und das dann auch noch - mein Vorgänger erwähnte es schon - ohne jedes Foto oder Porträt - ganz schön blutleer! Nur weil ich den interessanten Lebenslauf und die Lebensleistung von Anna Freud (der Tochter Siegmund Freuds) zufällig noch nicht kannte, barg das Buch doch noch einen Gewinn für mich (über Marlene Dietrichs Verhalten gegenüber Liebhaberinnen hingegen war ich eher enttäuscht - geschenkt). Fazit: Hut ab vor dieser - für damalige Zeiten sicherlich mutigen und "endlich einmal notwendigen" - Fleißarbeit - ein Lesegenuß ist das Buch jedoch keinesfalls.