Auf dieses Taschenbuch stieß ich vor Jahren rein zufällig, als Iris Berben gefragt wurde, was sie denn privat gerade lesen würde. Daraufhin kaufte ich mir das Buch sogleich u. begann es ebenfalls zu lesen.
Kaum hatte ich mit dem Lesen der Geschichte angefangen, konnte ich auch schon nicht mehr aufhören damit, so sehr nahm mich die Geschichte in ihren Bann.
Anita Lenz erzählt auf berührende Weise davon, wie eine verheiratete Frau, eine Übersetzerin von Architekturbüchern, die nicht mehr ganz jung ist,u. deren Sohn gerade im Begriff ist sie zum ersten Mal in ihrem Leben zur Großmutter zu machen, sie also allen Grund hätte glücklich zu sein, da im Beruf, im Freundeskreis u. in ihrer Ehe alles wie immer hervorragend zu laufen scheint, von ihrem Ehemann, einem Universitätsprofessor, mit ständigem Lehrauftrag in Tübingen, Hauptwohnsitz des Ehepaars ist Berlin, man sieht sich also nur am Wochenende, da sie in der Stadt leben will u. nicht in der Provinz, durch einen dummen Zufall erfährt, daß dieser schon seit längerem eine Geliebte an seinem Zweitwohnort hat, die nun ein Kind von ihm erwartet. Für die Ehefrau stürzt zunächst der Himmel ein, sie ist schockiert, wütend, paralysiert, alles zusammen u. weiß nicht mehr ein noch aus, was soll sie tun, wie sich verhalten, wenn gleichzeitig der Sohn einen zur Großmutter macht, während der eigene Ehemann ein Kind mit einer anderen zeugt ?!?!
Dieser Frage geht das Buch auf sehr, sehr menschliche, gefühlvolle Weise nach u. kommt am Schluß zu dem Fazit, "Wer liebt hat Recht".
Wie es allerdings bis zu dieser Überlegung oder, wenn Sie so wollen Erkenntnis, kommt, das müssen Sie einfach gelesen haben, denn es ist wirklich ein fabelhaftes Buch, das auch bereits großartig mit Iris Berben u. Robert Atzorn in den Hauptrollen erfolgreich für das ZDF u. Arte verfilmt worden ist im Jahre 2002.
Ich weiß, wenn man diese Geschichte schon nur im Anriss hört, denkt man, "Mistkerl", "Rausschmeißen", usw., usw., aber so einfach ist es ja nicht, erst recht nicht, wenn es sich um eine lange Ehe handelt, bei der die Partner sich, so paradox das klingen mag, immer noch lieben u. diese ganze Fehlentwicklung sich nur aus Defiziten ergeben hat, aus einander nicht Verstehen wollen oder nicht Verstehen können, es ist nie alles schwarz oder weiß, es gibt auch noch sehr, sehr viel dazwischen u. davon handelt das Buch, das jeder der in einer Partnerschaft lebt lesen sollte, zeigt es doch das dünne Eis auf dem wir uns täglich bewegen. Eben noch sicher im Hafen der Ehe oder einer scheinbar intakten Beziehung, im nächsten Moment vor den Trümmern seines Lebens zu stehen, quasi regelrecht den Boden unter den Füßen zu verlieren, das passiert tagtäglich überall auf der Welt so vielen Menschen, und trotzdem ist es häufig ein Tabuthema, wer will schon über seine schwärzesten Stunden öffentlich sprechen ?!?!
Umso mutiger von Anita Lenz diese Geschichte in ihrem Buch zu erzählen, stellvertretend für die vielen Frauen u. Männer denen es bestimmt schon ganz ähnlich ergangen ist.
Ich könnte mir vorstellen, daß dieses Buch vielen aus der Seele spricht, die auch schon einmal eine ähnlich schlimme Beziehungskrise erlebt haben.
Besonders berührend fand ich, daß die Geschichte von Anita Lenz dokumentarisch ist, sie sie also selbst erlebt hat, dadurch geht einem das Ganze noch näher u. man ahnt bereits, was sie für schreckliche Zeiten durchgemacht haben muß.
Ein sehr beeindruckendes Buch !!!