Die für diesen Band zusammengetragenen Gedichte und Prosatexte verdeutlichen wie facettenreich und schön ein Künstler wie Hesse die Liebe empfinden und schildern kann.
Die frühen um die Jahrhundertwende entstandenen Erzählungen - in denen Hesse wohl auch Autobiographisches verarbeitet hat - und Ausschnitte aus Romanen (u.a. Der Steppenwolf, Peter Camenzind und Siddharta) handeln von Liebessehnsucht, der ersten, schüchternen Liebe eines Knaben und von unerfüllter, leidenschaftlicher, qualvoller Liebe, die in Selbstzerstörung endet. Auch in den Briefzitaten wird deutlich, wie sehr Hesse das Leben, die Welt und die Liebe selbst liebt und wie sehr die Liebe für ihn auch mit der Kunst bzw. dem Schöpferischen an sich verbunden ist.
Sinnvoll werde das Leben für jeden Menschen erst durch die Fähigkeit zu lieben. „Glück ist Liebe, nichts anderes". Die Fähigkeit zu lieben, ergriffen zu sein und „in der Welt der Gefühle das Unerhörte zu erleben", das mache letztlich auch den Künstler aus.
Unerwiderte Liebe solle nicht dazu führen, sich selbst zu verlieren. Hesse rät:
„den Überschuß an Leidenschaft und Hingabe, den man für seine Liebe hat, diesem Objekt entziehen und sie anderen Zielen zuwenden: der Arbeit, der Mitarbeit im Sozialen, der Kunst. Dies ist der Weg auf dem ihre Liebe fruchtbar und sinnvoll werden kann. Das Feuer, an dem Sie jetzt nur das eigene Herz verbrennen lassen, ist nicht nur Ihr Eigentum, es gehört der Welt, der Menschheit, und wird aus Qual zu Freude werden, wenn Sie es fruchtbar werden lassen."
So könne es gelingen, die Liebe als schöpferische Kraft zur persönlichen Weiterentwicklung und Reifung zu nützen um sich selbst zu finden.