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Wer ist Wir?: Deutschland und seine Muslime
 
 

Wer ist Wir?: Deutschland und seine Muslime [Kindle Edition]

Navid Kermani
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

«Ein brillanter Erzähler.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung

«Aufklärung ist in Europa seit jeher ein Ideal, nicht eine Realität. Von wenigen Stimmen wird sie derzeit so konsequent vertreten wie von Navid Kermani.»

Berliner Zeitung

«Pointiert und mitunter ungeniert autobiographisch, dürfte sein Buch Multikulti-Romantiker ebenso irritieren wie ihre Verächter.»

Frankfurter Rundschau

«Von überragender Bedeutung.»

Deutschlandfunk

«Vermutlich das Beste, was bisher zur multikulturellen Gesellschaft geschrieben wurde.»

Kieler Nachrichten

Ohne darüber nachgedacht zu haben, ist Deutschland zu einem Einwandererland geworden. Mit den Menschen kam auch eine neue Religion: der Islam. In seinem neuen Buch erzählt der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani von seinem Leben als Kind iranischer Eltern in Deutschland und berichtet von seinen Erfahrungen als Mitglied der Deutschen Islam-Konferenz. Wer dieses kluge und meisterhaft erzählte Buch gelesen hat, weiß: Es geht nicht darum, die multikulturelle Gesellschaft zu verabschieden. Es geht darum, sie endlich zu gestalten.


«Wer ist Wir? ist ein kleines und gut lesbares Lehrstück über viele Facetten des Islam – und den Umgang der deutschen Gesellschaft mit demselben. Und es ist ein ungemein erfrischendes Plädoyer für demokratische Verhältnisse.»

Das Parlament

Über den Autor

Navid Kermani, geb. 1967, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist und war Long Term Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Für sein akademisches und literarisches Werk ist er mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Stipendium der Villa Massimo in Rom. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Deutschen Islamkonferenz.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Ich bin Muslim, ja, aber ich bin auch vieles andere. Der Satz 'Ich bin Muslim' wird also in dem Augenblick falsch, ja geradezu ideologisch, wo ich mich ausschließlich als Muslim definiere - oder definiert werde. Deshalb stört es mich auch, dass die gesamte Integrationsdebatte sich häufig auf ein Für und Wider des Islams reduziert - als ob die Einwanderer nichts anders seien als Muslime. Damit werden alle anderen Eigenschaften und Faktoren ausgeblendet, die ebenfalls wichtig sind: woher sie stammen, wo sie aufgewachsen sind, wie sie erzogen werden, was sie gelernt haben."

Der Kölner Islamwissenschaftler und Schriftsteller Navid Kermani zählt nicht nur wegen dieser Analyse, die er in seinem vorliegenden Essay von allen Seiten beleuchtet und ausführt, zu den herausragenden Stimmen innerhalb der Diskussion um den Islam in Deutschland, eine Stimme, der leider noch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, denn die einfachen und schnellen Analysen und Einschätzungen haben Konjunktur. Die von Wolfgang Schäuble durchgesetzte "Islamkonferenz", der Kermani auch angehört und aus deren Arbeit er auch in diesem Buch mit positiven Worten berichtet, hat hier ein deutliches Zeichen gesetzt in einer Entwicklung, die unbedingt weiter gehen muss, und für die Navid Kermani mit diesem Buch einen Beitrag leisten möchte.

Dabei schreibt Kermani nicht nur über die Situation in Deutschland und über weite Teile des Buches auch immer wieder über seine eigene Biographie und die auch religiöse Geschichte seiner Familie, sondern er liefert dem Leser wichtige Einblicke in den Islam überhaupt. Ernüchternd ist, wenn er etwa schreibt, wie desolat der Zustand des Islam ist:
"Wie katastrophal etwa der Zustand der Theologie ist ! Nehmen wir die Azhar-Universität in Kairo, die größte religiöse Institution des sunnitischen Islams. Nein, sie ist keine Kommandozentrale im Krieg gegen den Westen. Im Gegenteil: Der oberste Scheich der Azhar-Universität sagt jeden Tag und jede Freitagspredigt Nein zum Terror und tut alles, was seine Regierung und die westlichen Medien von ihm verlangen. Er versteht sich als Bollwerk gegen die Fundamentalisten. Aber - und das steht beispielhaft für die Lage des Islams - das intellektuelle Niveau, auf dem innerhalb der zentralen religiösen Autorität der sunnitischen Muslime über Religion nachgedacht wird, dürfte von den meisten evangelischen Gemeindepfarrern übertroffen werden. Die intellektuelle Auszehrung des orthodoxen Islam - dessen einstige Beweglichkeit einen nur staunen machen kann -, dieser Niedergang einer hochstehenden religiösen Kultur ist es, was den Fundamentalismus erst ermöglicht hat. Der Fundamentalismus ist nicht in der Orthodoxie entstanden, sondern er ist die Antwort auf die Krise der Orthodoxie. Weil die Orthodoxie keine Antworten mehr gab, hat sich in den städtischen Mittelschichten der politische Islam herausgebildet."

Navid Kermani verweist wie schon vor einigen Jahren Dan Diner in "Versiegelte Zeit" auf den "Arab Human Development Report" der UNO, der auf vielen Feldern den Niedergang der meisten arabischen Gesellschaften beschreibt. Und er beschreibt die unsägliche Talk-Show-Kultur, wo auf niedrigstem Niveau immer wieder schablonenhaft falsch über den Islam und über Integration geredet wird und gesteht auch seine teilweise Ratlosigkeit ein, wenn er etwa formuliert:
"Wer es gut meint mit den Muslimen, führt die erfolgreichen Beispiele ihrer Integration auf - aber Terroristen werden nicht dadurch zur Besinnung gebracht, dass sie eine verschwindende Minderheit bilden."

Auch die oft erhobene Forderung nach einer Reform des Islam, einer islamischen Aufklärung, einem islamischen Luther greift nicht weit. Denn es ist eine Illusion zu glauben, eine endlich mit den Menschenrechten kompatible Version des Islam werde dem Terrorismus den Boden entziehen. Auch er habe, so Kermani, zusammen mit Gilles Kepel etwa, lange geglaubt, der Islamismus habe seinen Zenit überschritten.
"Nicht vorausgesehen hatten wir, dass es den radikalsten Kräften gelingen könnte, die Ideologie des Glaubenskrieges durch ihre Globalisierung neu zu beflügeln."

Eine nachdenkliche, ruhige, differenzierte Stimme versucht sich hier öffentliches Gehör zu verschaffen, eine Stimme, der man wünscht, dass sie viele Menschen überzeugt davon, dass es nötig ist, von den einfachen Lösungen weg zu kommen. Nötig sei es vor allem, so Kermani, endlich zu akzeptieren, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist. Nötig sei ein Konzept zu verinnerlichen eines Deutschland, dem der Islam zumindest potentiell angehört.

Kermanis Buch hält dem gegenwärtigen Deutschland so etwas wie den Spiegel vor, in dem es sich so jedenfalls noch nie gesehen hat: toleranter und zugleich ängstlicher, dynamischer und auch widersprüchlich.
Seine Stimme ist wertvoll in einer Situation, in der die Akteure in den Talk-Shows sich nur noch abgegriffene und falsche Stellungnahmen um die Ohren hauen.

Wir haben eine Gesellschaft mit vielen Kulturen. Das ist eine Tatsache. Man muss das nicht ideologisch als "multikulti" überhöhen, sondern es geht darum eine Gesellschaft zu gestalten, in der diese Kulturen zusammenleben können, allerdings - und da lässt Kermani nicht den Hauch eines Zweifels - auf dem Boden und mit den Werten der freiheitlich-demokratischen Verfassung.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von K.E.
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch ist eine Absage an die Engstirnigkeit der hierzulande verbreiteten sogenannten Islamdiskussion". (Deutschland und seine Muslime" ist als Untertitel zu eng; es geht Kermani um den Islam in Europa, auch wenn Deutschland immer wieder als Bezugspunkt im Mittelpunkt steht.) Kermani liefert keine neue These in dieser Diskussion, er diskutiert überhaupt nicht mit, sondern er geht über das Raster ihrer Fragestellungen hinaus, indem er an das gemeinsame Ziel erinnert, nämlich ein Europa zu schaffen, das die Werte der Aufklärung realisiert. Zum Beispiel das endlose Hin und Her über die Frage, ob der" Islam friedlich oder gewalttätig sei, nennt er ein sinnloses Surenpingpong" und warnt, eine laizistische Gesellschaft gibt sich selber auf, wenn sie anfängt, Religionen zu bewerten und in Relation zu sich selbst zu setzen, als sei Laizismus ebenfalls eine Religion und nicht die vernünftige und eigenständige Gewähr dafür, dass verschiedene Religionen eine gemeinsame Gesellschaft verwirklichen können. Und darum geht es für ihn: Er will Wege der Verwirklichung, Möglichkeiten gemeinsamen Handelns zeigen. Etwa die Frage, wie viele Männer welcher Religionszugehörigkeit oder Ethnie ihre Frauen verhauen, hält er für völlig überflüssig, nachdem man sich unabhängig von der Herkunft der Täter problemlos darauf einigen könne, dass Hauen immer wehtut und immer verboten gehört. Zuletzt erinnert er daran, dass Freiheit für jeden bedeutet, das Gute, das er will, auch tun zu können, dass es also nicht Verwestlichung heißt, sondern Selbstbestimmung - und realisierte Freiheit sich nur als selbstbestimmte Einigung auf ein gemeinsames Handeln zeigen kann, nicht als "Integration" in die Denkmuster einer Leitkultur. Das ganze Buch ist eine Warnung davor, "die liberale Ordnung zu verteidigen, indem man sie aufgibt", und setzt zuletzt das Stadtbild von Isfahan als Utopie dagegen, einer Stadt, bewohnt von den Angehörigen verschiedenster Völker, in der zig Moscheen, Synagogen und Kirchen heute noch daran erinnern, dass sie bis ins 19. Jahrhundert hinein - auch in Europa - von allen Reisenden für ihre Offenheit, Freundlichkeit und Toleranz gerühmt worden war.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Detlef Rüsch #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Auseinandersetzung über die Identität als Muslim hinaus: das ist ein zentrales Anliegen dieses Buches, das Navid Kermani als Schriftsteller und Islamwissenschaftler in einer gut verständlichen Erzählweise geschrieben hat. Als Sohn iranischer Eltern präsentiert er mal eine andere Seite des neueren interkulturellen Dialogs. Er zeigt, dass "Deutschland und seine Muslime", wie es im Untertitel heißt, keine klaren Abgrenzungen mehr kennt. Glauben und Herkunft und Heimat gehen hier quer durch die Bevölkerungsschichten. Und so muss man Abschied nehmen von dem "Gastarbeiter- bzw. Ausländerbild", welches die multikulturelle Diskussion der 70er und 80er Jahre geprägt hat.
Wie vielschichtig die neue Orient(!)ierung in Deutschland hinsichtlich des Umgangs mit islamgläubigen Menschen zu sein hat, zeigt Navid Kermani mal mehr politisch, mal mehr soziologisch und dann wieder verstärkt religiös auf. Hierbei ziegt er biographische Gesichtspunkte ebenso ins Blickfeld wie auch neuere Entwicklungen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Er scheut sich nicht, glasklare Positionen zu beziehen und sagt beispielsweise: "Tätern einen kulturellen Bonus zuzubilligen, wie es in manchen Gerichtssälen geschieht, ist nur die Kehrseite des Rassismus. Es darf keine Sonderrechte für Muslime geben, weder positiver noch negativer Art." (S. 146). Zuvor macht er klar, dass man den Hang nach einer sozusagen deutschen, einheitlichen Identität z.B. auf die politischen Taten im Nazideutschland zurückführen könne und dass "Demokratie oder Menschenrechte Möglichkeiten des Islam sind" (S. 125). Hier wird auch die besondere Stärke des Buches deutlich; denn Navid Kermani kann diverse Aspekte des Islam als Wissenschaftler einbeziehen und mit einer hervorragenden Trennschärfe Traditionen, religiöse Maßgaben und Fremdinterpretationen verdeutlichen. Dass Kermani manchmal überzieht, wenn er in einem Satz islamische Terroristen, Jesu Schwertzitat (im übrigen stehet es in Matthäus 10,34 und nicht 10,24!), Apartheid, Berlusconi und Tschetschenien miteinander vergleicht, mag man wohl als herausfordernde Einladung zur Diskussion verstehen können. Seine distanzierte Haltung gegenüber der evangelischen Kirche wird jedoch immer wieder zwischen den Zeilen offenkundig. Woher der Autor allerdings die Vorstellung hat, dass evangelische Kinder im Konfirmandenunterricht nicht mit dem Gesetzbuch Moses oder der Offenbarung des Johannes konfrontiert werden (vgl. S. 103), bleibt mir schleierhaft.
Ob nun die "No go-Areas", die Erfahrungen als Vater, der seiner Tochter und der Lehrerin Hilfe zukommen lässt gegenüber einem türkischen Mitschüler, die Frage des Tragens von Kopftüchern und religiösen Symbolen in öffentlichen Räumen, die Bildung, der Umgang mit Murat Kurnaz, Sprachkurse für Vorschulkinder, die Islamkonferenz,...: es sind diese klaren Positionen, welche immer wieder neu herausfordern, die Leserschaft aufwecken und zeigen, wie differenziert man die Integrationsdebatte in Deutschland zu sehen und auch zu führen hat.
Der Abdruck der Dankesrede zur Verleihung des Jahrespreises der Helga und Edzard Reuter-Stiftung vom Januar 2004 am Ende des Buches komprimiert noch einmal die Ausführungen von Navid Kermani.
Frei nach dem berühmten Zitat von Max Frisch könnte man das Buch so zusammenfassen: Man rief nach Arbeitskräften und es kamen Menschen,...mit kulturellen, nationalen und religiösen Wurzeln und Blüten! Es wäre schön, wenn dieses Buch mit dazu beiträgt, dass das religiös-kulturell-nationale Miteinander mehr Wurzeln schlägt und reich an Früchten trägt! Der Diskussionsgrund ist hierfür bestens bereitet!
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Ohne Tiefgang
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Vor 20 Monaten von Roman Nies veröffentlicht
unbedingt lesen!
Der Autor beschäftigt sich nicht nur kenntnisreich und sachlich korrekt mit den Muslimen in Deutschland und der Frage nach Identität im Allgemeinen; er schafft es auch,... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. Februar 2010 von Curiosity
Wer ist Wir? Hier ist die Antwort!
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