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Kundenrezensionen

18
4,3 von 5 Sternen
Wer ist Martha?: Roman
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27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. November 2012
Auch ich habe den Roman geschenkt bekommen und in einem Rutsch verschlungen. Es wurden schon in den anderen positiven Rezensionen Sprache, Humor, Originalität gelobt. Wie viele Vogelbücher muss die Autorin gewälzt haben?
Was mich anrührt, ist die Idee, einen alten kranken Mann, in das Hotel seiner Jugend nach Wien zurückkehren zu lassen und ihm Gelegenheit zu geben, sich vom Leben heiter und warm zu verabschieden - es gibt verpasste Gelegenheiten, aber diese letzten Tage weiß er zu leben - in einem Luxushotel, aber doch voller Bescheidenheit.
Die Frage steht im Raum, wie man seine letzten Tage lebt, wenn man eine Diagnose bekommt, die einem nicht mehr viel Zeit verspricht - lässt man sich von der Chemotherapie die letzten Kräfte entziehen oder entzieht man sich ihrer, indem man die verbleibenden Tage so gut wie möglich lebt?
Es ist ein reifer und lebenskluger Roman, zu dem ich der Autorin gratulieren möchte. Ich freue mich auf andere Romane von Marjana Gaponenko und freue mich, dass sie mit 16 angefangen hat, auf Deutsch zu schreiben. Sie ist eine Virtuosin!
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Januar 2013
Nach der Lektüre hatte ich das Gefühl, zwei Romane gelesen zu haben, den ersten fand ich überragend, den zweiten sehr gut. Ein Romanheld, der über die "angeborene Rechenschwäche von Rabenvögel" promoviert hat - herrlich!
Der über 90jährige Ornithologe Lewadski weiß, dass er bald sterben wird. Der erste, epischere Teil erzählt sehr temporreich, wie Lewadwski zum Vogelkenner, Wissenchaftler und eingefleischten Junggesellen wurde; die Profession (Förster) seines früh verstorbenen Vaters in der Ukraine trug dazu bei, aber auch die Naturverbundenheit seiner Mutter. Diese ist eine Figur wie aus einem Marquez-Roman, und wie die Autorin erzählt, wie die Mutter aufgrund von bloßen Ahnungen und Naturbeobachtungen den in Polen studierenden Lewadwski vor dem Holocaust bewahrt, indem sie ihn autoritär zur Rückkehr in die Ukraine und dann zum Wegzug in den Kaukasus zwingt, hat das etwas von magischem Realismus. Hinreißend ist auch die Darstellung der zwei Großtanten, von denen Lewadski in seiner Jugend in Wien in die klassische Musik eingeführt wird.
Der zweite Teil, er beginnt (2010) mit dem 10. Kapitel, ist wesentlich dialoglastiger, weniger episch, im Präsenz erzählt und liest sich wie ein Drei-Personen-Kammerspiel: Im Wissen um seinen baldigen Abschied von dieser Welt mietet Lewadski sich hochstaplerisch im teuersten Wiener Hotel ein, im Imperial, wo er schon in seiner Jugend residierte, als seine Großtanten ihn regelmäßig in den Wiener Musikverein mitmanhmen. Hier hat er die Wahl zwischen "Mozartknödeln", diversen Schokoladentorten zund Flying Dutchman-Cocktails und führt mit dem weisen Butler Habib und mit Herrn Witzturn, einem anderen hochbetagten Hotelgast, ebenso tiefsinnige wie urkomische Gespräche.
Für Musikfreunde ist der Roman schon allein durch die Anekdoten über Alexander Skrjabin, Glasunow ("eine Schnapsdrossel"), Sergej Prokofjew etc. lesenswert. Und die Autorin erzählt auch, so deute ich diese Passage jedenfalls, das Geheimnis von Berlioz "Symphonie fantastique": deren Schönheit erschließt sich nur Hörern, die garade selbst - wie der "Ich-Erzähler" dieser Programm-Musik - unglücklich verliebt sind: Die alten Herrschaften jenseits dieser Gemütszustände hingegen hören lange Zeit nur "schmutzige Instrumentation" und momumentales Getöse bzw. schlafen sogar ein.
Aber vielleicht ist das auch schon zu viel Deutung, denn der Roman bleibt immer geheimnisvoll. Jedenfalls bilden Tod und Musik die Klammer zwischen den beiden Romanteilen.
Marjana Gaponenkos Roman hat etwas wunderbar Leichtes, Selbstverständliches, ohne je ins Seichte abzugleiten. Auch das Skurrile wirkt hier nie bemüht.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zum Kauf des Buches bewegt hat mich die vielversprechende Kurzbeschreibung im vorderen, inneren Buchdeckel. Diese ist sehr treffend, was ich nach der Lektüre nur bekräftigen kann.

Ehe ich mich versah, befand ich mich mittendrin in der Geschichte um den eigensinnigen alten Herrn Lewadski, der sein Leben den Vögeln, der Wissenschaft und der Musik verschrieben hat. Der aus der Ukraine stammende Vogelkundler erfährt im Alter von 96 Jahren, dass er aufgrund einer Krebserkrankung nicht mehr lange zu leben hat. Er packt seine Ersparnisse und reist, seiner Kindheit nachspürend, mit dem Vorsatz, dem Tod nobel entgegenzutreten, nach Wien in das luxuriöse Hotel Imperial. Dort teilt er seine Gedanken mit den letzten Weggefährten wie Habib, dem wohlwollenden Butler des Grandhotels und dem ebenfalls betagten Herrn Witzturn, den er im Hotelaufzug kennenlernt. Gemeinsam besucht er mit diesem ein Konzert und landet schließlich über das Leben und Sterben philosophierend an der Hotelbar.

In das Tagesgeschehen von Lewadski, der fortan immer mit seinem Nachnamen benannt wird, mischen sich aufschlussreiche rückblickende Erinnerungen. Ereignisse verknüpfen sich mit unzähligen Vogelarten.
Man empfindet Sympathie mit dem kauzigen Ornithologie-Professor. Seinem lebendigen Aufbegehren gegen den nahenden Tod haftet etwas Spitzbübisches an. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie sorgt das für den Witz. Der Roman ist höchst amüsant und zugleich tiefschürfend. Er bekümmert und vermittelt Daseinsfreude gleichermaßen. Eine ungewöhnliche Mischung, die den Leser hier erwartet.

Augenfällig ist die sprachliche Ausgestaltung der Autorin, die sich ausladender Lyrik bedient und zuweilen eigentümliche Satzgebilde hervorbringt.

Man hat beim Lesen nicht das Gefühl, einer klassischen Romanhandlung zu folgen, sondern der Erzählung einer Lebensgeschichte zu lauschen.

"Ein Vivat den Vögeln!" und "Es lebe der schräge Vogel Lewadski!" - zumindest so lange, bis er uns seine Geschichte erzählt hat.

Und wer ist nun Martha? Lesen Sie selbst!
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40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. August 2012
Ich lese eigentlich keine Romane oder Erzählungen, weil ich das Gefühl habe, das werden "auf Biegen und Brechen" Seiten gefüllt. Bei diesem Buch ist das ganz anders!! Die Betrachtungen und Beobachtungen sind so unglaublich präzise, achtsam, liebevoll, irgendwie schwungvoll... sie haben Witz und sind dabei weise und reif.... dass es einem ganz warm um's Herz wird. Für mich sehr inspirierend und schön zu lesen, der Umgang mit der Sprache ist eigentümlich und kunstvoll. Einzelne Zitate, beinahe auf jeder Seite, nimmt man mit. Das ist endlich mal ein ganz anderes Buch. Was für ein Geschenk, dass diese Autorin die Sensiblität und das Geschick hat, einen solchen Text zu schreiben. Kannte schon Gedichte von ihr und das erste Buch, wobei das hier noch eine Steigerung ist. Wirklich ein ganz wunderbares Buch...
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. November 2012
Ich habe das Buch geschenkt bekommen und mich sowohl über den Titel als auch das Titelbild gewundert. Bereits nach den ersten Seiten war ich gefesselt. Einerseits von der Handlung, vor allem aber der Ausdrucksweise. Die Umschreibungen von alltäglichen Begebenheiten sind wirklich bemerkenswert. Kurz und gut ... ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es sozusagen in einem Stück durchgelesen. Wer einen Roman sucht der nicht nur gut zu lesen ist sondern dazu noch eine tiefgründe Aussage macht sollte hier zugreifen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Dezember 2012
Das Buch ist seltsam anrührend, das Thema, das Marjana Gaponenko anfasst, ist schwierig und groß. Es geht um die Frage, wie Menschen ihr Leben würdig beenden können, es geht aber auch um ganz viel Lebensfreude und um die Schöpfung an sich. Dass es gelingt, dies in 235 Seiten zu gießen, ist große Kunst. Als witzig, komisch oder zum kaputtlachen habe ich das Buch nicht empfunden. Der Stil ist interessant, schöne Sprache, viele schöne Sätze, das Stilmittel der Personifikation wird aber etwas überstrapaziert. Das Personal ist sehr reduziert, der eigentliche Handlungsstrang ist übersichtlich.
Das Buch sollte man mit Muße lesen, in aller Ruhe mit ganz viel Tee oder auch gerne mit mindestens einem Alexander's Sister. Eindeutig kein Buch für Leser, die Action oder breite Epik erwarten, allerdings ein Buch für Leser, die ein bischen zur Ruhe kommen können und bereit sind, nachzudenken über die großen Fragen des Lebens.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Oktober 2012
... aber das soll der Leser selbst herausfinden. Denn Martha, und wer das ist, erfahren wir bereits am Anfang des Buches, ist am Ende durchaus wichtig. Deshalb sollte der Leser sich merken von wem gesprochen wurde. Aber zwischen dieser Martha und dem Ende erzählt Frau Gaponenko sehr sehr viel über ihren Protagonisten, Herrn Lewadski. Und wie sie es erzählt ist köstlich, lehrreich, voller Humor und stets fließend. Mit zahlreichen Wendungen, Andeutungen und Ausschmückungen die ich in einer solchen Form bisher nicht gelesen habe.

- Die Tür des Hotels knarrt, parfümierte Frauen gehen aus und ein, ihre Schritte werden vom Teppich geschluckt, auf dem Marmor im weitläufigen Foyer rächen sich ihre Stöckelschuhe für die kurze Benachteiligung. -

Aber sie lies mich auch innehalten in solchen Momenten:

- Habib: "Ja, wir vergessen oft, dass jeder Mensch, dem wir begegnen, ein besonderer Mensch werden könnte. Für uns."
Lewadski: "Und durch uns, oder ist das zuviel verlangt?"
"Ja, das vielleicht auch," nickt Habib. "Als ich meinen gelähmten Vater pflegte, bin ich ihm, so wollte es das Schicksal, erst wirklich begegnet, obwohl er mich großgezogen, nackt gesehen und mir den Hintern versohlt hat, jahrelang. Die wahre Begegnung hat stattgefunden, als er hilflos vor mir lag und ich lernte, meine Tränen zurückzuhalten, während ich ihn fütterte und ihm die Wäsche wechselte. Oft war es mir, als habe er von diesem Kampf in mir gewusst und auch seine Tränen zurückgehalten, andere Tränen, Tränen des Stolzes und der Freude, die völlig fehl am Platz gewesen wären"
"Warum?"
"Weil er sich hätte schämen oder vor Wut mit den Zähnen knirschen sollen. Schließlich war ich sein Sohn, ich verrichtete Frauenarbeit. Aber stolz war er trotzdem, da bin ich mir sicher."
"Vielleicht ist Ihr Vater durch seinen Stolz und seine Freude ein wahrer Vater geworden, ein besserer Mensch." -

Wir Menschen werden oft angehalten innezuhalten in unserem Leben, auf die anderen zu achten, die um uns sind. Die uns brauchen, die wir brauchen. Symptomatisch scheint zu sein, dass wir diese eben geschilderten Momente erst dann wahrnehmen, wenn unser oder das Leben der anderen sich dem Ende neigt und wir versuchen die letzten Minuten festzuhalten.

Ein großer Augenblick für Lewadski ist seine Erkenntnis er rede mehr mit den Dingen um sich herum (seinem Stock, seinem Gebiss oder seinem Bücherregal) als den Menschen die ihm begegnen. Vielleicht will Frau Gaponenko sagen wir sollen uns mehr Zeit für uns und für die anderen nehmen. Und in der Art, wie sie mir Lewadski näher gebracht und sein Leben schilderte hat sie mir die Augen geöffnet. Es ist eine große Wärme in ihren Worten enthalten.

Auf jeden Fall kann ich den Roman vorbehaltlos weiterempfehlen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Juni 2014
Cover: Ich muss gestehen, dass ich das Cover für nicht so gelungen halte. Das Motiv passt zwar zum Roman, aber für mich war der Titel ausschlaggebend, warum ich das Buch unbedingt lesen wollte.

Inhalt: Luka Lewadski erfährt, dass er sterben wird. Mit 96 Jahren macht er sich auf eine Reise nach Wien. Von seiner Wohnung verabschiedet er sich mit dem Wissen, niemals zurückzukehren. Er spricht mit seinen Büchern, auf die er sehr stolz ist, und redet auch später mit Gegenständen. Was er über die Menschen weiß, erfüllt ihn mit Ekel. Trotzdem wird es in dem teuren Hotel, in dem er sein angespartes Geld ausgeben will, zu einer Begegnung mit einem Fremden kommen, die er sehr genießen wird.

Das Thema ist also der Tod, aber mehr noch handelt der Roman vom Leben. Und von der Schönheit des Lebens. Der Protagonist ist trotz seines Alters und der Tatsache, dass er nicht mehr lange hat, immer noch zu Scherzen aufgelegt, was ihn sehr lebendig und auch sympathisch macht. Manchmal aber scheint er bereits nicht mehr da zu sein, halb im Diesseits, halb im Jenseits. Er hört fremde Gespräche mit an, ist mittendrin dabei und trotzdem außerhalb von allem.

Zwischendurch erinnert er sich an vergangene Tage. Besonders eindrucksvoll fand ich die Stelle, als er mit seiner Mutter in den Kaukasus zog. Lewadski studierte Ornithologie. So wie er selbst, stand auch die Mutter der Natur sehr nahe und kannte sich mit Vogelarten aus. Als verschiedene Vögel aus ihrem Dorf verschwanden, sah sie es als böses Zeichen. Die Sintflut komme! Also zwang sie den Sohn mit zu kommen. Und sie behielt Recht. Die Sintflut kam in Form von deutschen Soldaten und fiel in Polen ein.

Manchmal erschien mir der Roman etwas seltsam. Aber schnell wird klar: Man darf nicht immer nach dem Sinn suchen. Auch wenn die Erzählungen manchmal fern jeder Logik erscheinen, besitzen sie trotzdem eine Wirkung. Es erscheint wie ein Gedicht in Prosa. Man liest hier mehr mit den Gefühlen als mit dem Kopf.
Auch die Träume, bei denen der Leser erst danach erfährt, dass es welche waren, weil er kurz eingenickt war, wirken seltsam. Aber nicht so, als würde der Leser eine Erklärung erwarten. Die Träume stehen für sich. Und besonders zum Ende hin verschwimmen Realität und Traum immer mehr miteinander.

Schreibstil: Die Autorin verwendet teilweise alltägliche Bilder und Begriffe und wandelt diese in etwas ungewöhnliches um, sodass neues entsteht, was einem aber bekannt erscheint. Selten sogar auf den ersten Blick einfache Vergleiche, die dadurch aber viel näher am Leben dran sind.
Viele lebendige Worte. Alles scheint zu atmen. Die Bücher lauschen, die Vögel klatschen in die Flügel und ein Hund signiert ein Plakat.

Fazit: 5/5 Herausragend. Eine Geschichte vom Leben und Sterben zugleich. Und den Namen Marjana Gaponenko sollte man sich merken. Obwohl sie noch gar nicht so alt ist, gelingt es ihr die „letzte“ Reise authentisch und glaubhaft darzustellen. Ihr Roman „Annuschka Blume“ steht bereits auf meiner Merkliste.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Januar 2015
Der 96-jährige Ornithologe Luka Lewadski, ein komischer Kauz, ist an Krebs erkrankt und kehrt in die Stadt seiner Kindheit - nach Wien – zurück. Hier beschließt er, in einem Luxushotel auf seinen Tod zu warten. Aber vorher isst er noch Torten und besucht mit seinem gleichaltrigen Spezi, den er im Hotel kennengelernt hat, ein Konzert.

Ich habe im Radio die Szene der beiden alten Männer bei ihrem ersten Treffen im Hotelaufzug als Leseprobe gehört und mir deshalb das Buch besorgt. Und wurde enttäuscht, denn der restliche Roman ist nur noch bedingt witzig. Da geht es um ausführliche Rezepte für Cocktails, um Frisuren alter Damen, und zwischendurch sowie zum Schluss wirds mystisch (oder halluzinatorisch?).

Das für mich Bemerkenswerteste an diesem Buch ist die Autorin Marjana Gaponenko, eine Ukrainerin, die seit ihrem 16. Lebensjahr in deutscher Sprache schreibt und als 30jährige für diesen Roman einige Preise bekommen hat.
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am 13. Juni 2014
Der 96-jährige Ornithologe Luka Lewadski erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Statt sich einer belastenden Chemotherapie auszusetzten, beschließt er, seine letzten Tage in einem Luxushotel zu verbringen.

So traurig sich die Grundlage dieses Buches anhört, so luftig leicht ist dieser Text geraten. Nicht das Sterben, sondern das Leben ist Thema dieses Romans. Der Leser erfährt vieles, was Luka in 96 Lebensjahren widerfahren ist.

Trotzdem ist es nicht die Geschichte, die dieses Buch trägt, es ist ihre Art zu Schreiben, mit der mich die Autorin gefangen genommen hat. Schon lange nicht mehr habe ich derart viele, gelungene Sprachbilder in einem Roman versammelt gesehen. Präsentiert mit einem lustvollen Humor, der mich amüsiert, bereichert und köstlich unterhalten hat. Im Grunde ist eine Rezension überflüssig. Man sollte die Autorin selbst zu Wort kommen und ihre Qualität beweisen lassen. Was ich hier mit ein paar Zitaten tun möchte:

S. 81
Er freute sich über seinen Hut und den Trinkstock, der sich wie ein hagerer Windhund an Lewadskis dünnes Bein lehnte.

S. 95
Ein weißer Pappbecher wurde in regelmäßigen Abständen vom unsichtbaren Fuß des Windes getreten. Ruhe, unfassbare Ruhe wie nach einem Donnerschlag breitete sich in Lewadskis schmächtigem Körper aus. Bitter und beängstigend. Schwindelerregend. Eine transparente Zwiebelschale in der dünn gewordenen Suppe von Lewadskis Leben.

S. 100
Der Aufzug ließ nicht lange auf sich warten und öffnete seine goldene Brust.

S. 110
Mürrisch gießt sich Lewadski Tee ein, dabei fällt es der Teekanne ein, sich ihren Deckel vom Kopf zu reißen und auf den Teppichboden zu schleudern.

S. 158
… seine Stimme wird immer zärtlicher, als schmelze eine scharfkantige Bonbonscheibe unter seiner Zunge.

S. 165
Lewadskis Augenbraue kriecht als magere Raupe auf sein Schädelplateau, wo nichts wächst, was sie allerdings noch nicht weiß.
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