Guy Brouard, steinreich, gönnerhaft, wird auf der Kanalinsel Guernsy ermordet. War eine seiner vielen Frauenbeziehung das Motiv? Oder seine Art von Hilfegeben und -wegnehmen? Verdächtigt wird zunächst China Rivers, Deborahs Freundin aus ihrer Zeit in Amerika, die gemeinsam mit ihrem Bruder Cherokee einen Auftrag für Brouard erledigt hat. Deborah kann ihren Mann Simon St. James überreden, mit ihr auf die Insel zu kommen und Nachforschungen anzustellen.
Wie (fast) immer hat die Autorin den Fall gut aufgebaut, ein Opfer im Beziehungsnetz von Freund und Feind, nach und nach werden Stücke zusammengetragen, die das Charakterbild, die Vergangenheit und letztlich auch das Motiv zeigen. Das Ganze geschieht in einer grünen Landschaft unter grauem Himmel, in hochherrschaftlichen und einfachen Häusern, aber immer mit der Teezeit um 5 Uhr.
Nur: Hält die Autorin ihre Leser für so dumm, dass sie ihnen alles drei-, viermal erzählen muss, oder hat sie sich eine bestimmte Seitenzahl als Limit gesetzt? Nachdem fünfmal geschildert wurde, wie Guys Verhätnis zu Schützling Paul entstand, habe ich aufgehört zu zählen.
Am schlimmsten ist aber Deborahs Verhalten. Freundschaftschwüre mit China, die Beteuerung der alten Verbundenheit, hundert Entschuldigungen für das lange Schweigen in der Zwischenzeit sind zu dick aufgetragen. Dass jede Meinungsverschiedenheit mit Simon, sogar objektive Tatsachen, die er gegen China entdeckt, Liebe und Ehe in Frage stellen, ist pubertär, ebenso das angeblich erotische Geplänkel zwischen Deborah und Cherokee. Im Schlussteil erfährt das kindische Verhalten Genugtuung.
Im Vergleich zu andern George-Büchern fehlt Lynley nicht; er wird durch St. James ausreichend ersetzt. Aber es fehlt der Gegenpart zum abgehobenen Getue einiger Mitspieler: Barbara Havers.