Wer die Ruhe stört" ist der Debütroman der britischen Autorin Poppy Adams, die normalerweise als Regisseurin und Produzentin von Dokumentarfilmen arbeitet. Die Geschichte beginnt mit traditionellem britischem Charme, ist zunächst ruhig und beschaulich. Die Ich-Erzählerin Virginia berichtet von der Rückkehr ihrer Schwester ebenso wie von Episoden aus ihrer Kindheit. Geschickt zeichnet Adams dabei das Bild einer etwas verschrobenen, aber durchaus liebenswerten Familie: der Schmetterlingsforscher Clive, der zwar exzentrisch, aber sympathisch ist, Mutter Maud, eine resolute Frau, die nur das Beste für ihre Kinder will, und die Mädchen Virginia und Vivien, die stets aufeinander Acht geben und einander heiß und innig lieben.
Doch schon auf den ersten hundert Seiten des 364-seitigen Hardcoverbuches bekommt die scheinbar heile Fassade erste feine Risse, die sich immer tiefer in das sorgfältig aufgebaute Fundament der Familiengeschichte graben. Diese Risse sind zunächst sehr subtil, beiläufige Bemerkungen, die der Leser zunächst nicht recht zuordnen kann, bekommen im weiteren Verlauf immer tiefere Bedeutung. Und bald wird klar, dass die Vergangenheit keineswegs so harmonisch war, wie es die Ich-Erzählerin den Leser zu Anfang glauben machen will. Immer mehr Ungereimtheiten tauchen auf, immer mehr Schicksalsschläge und Tragödien werden deutlich. Und damit nimmt auch die Spannung zu. Was ist wirklich geschehen? Wie sind Virginias und Viviens Eltern ums Leben gekommen? Und erzählt die Ich-Erzählerin immer die Wahrheit?
Stilistisch orientiert sich Adams an klassischer britischer Literatur des 19. Jahrhunderts, obwohl die Geschichte in jüngerer Zeit spielt. Diese Mischung aus aktuellem Handlungsort und beschaulicher Landsitzatmosphäre macht einen gewissen Reiz aus und erleichtert dem Leser die Sprünge in die Vergangenheit.
Beschaulich und spannend zugleich präsentiert sich Poppy Adams' Debütroman Wer die Ruhe stört". Den Leser erwartet solide, typisch britische Lektüre, die stilistisch wie inhaltlich dicht und atmosphärisch geraten ist: eine gelungene Mischung aus Kriminalgeschichte und Familienporträt.