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»Lange hat kein Roman das Komische und das Bedrückende so gekonnt miteinander verwirbelt.«
(Der Tagesspiegel )
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Schrei,
Von Dietrich Marquardt (Frankfurt/M, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch schockiert.
Meisterhaft werden mit wenigen Sätzen Menschen, ihr Verhalten und die Gründe für ihr Verhalten ins Bild geholt. Erschreckend wird deutlich, wie selbst in den sechziger und siebziger Jahren der zweite Weltkrieg und die für ihn verantwortliche NS-Diktatur das Leben von Menschen in Deutschland und in den Nachbarländern (hier Dänemark) bestimmte, genauer gesagt zerstörte. Das Buch ist weitgehend aus der Perspektive eines jungen Mannes geschildert, der in einem Teil Dänemarks aufwächst, der von Deutschland aus per Fähre schnell (so auch von den deutschen Besatzungstruppen) erreicht werden kann. Ausgrenzung, Schikane haben seinen Alltag von klein auf bestimmt. Nur die Liebe zu seiner Mutter und der Gedanke an das wunderbare Essen seiner Großmutter hält ihn innerlich aufrecht. Knud Romer erzählt von Liebe und Lieblosigkeit, vor allem aber von Hass, von berechtigtem, verständlichen Hass, der sich aber keinen Weg bahnen kann. Und von gänzlich unberechtigtem, nur aus der eigenen Dummheit, dem eigenen Versagen und primitiven Verhältnissen erwachsenden Hass. Das Buch erzählt davon, dass Versöhnung manchmal nicht möglich ist. Die Mutter hätte sich dem Alkohol nicht ergeben müssen, wenn sie sich wirklich auf den Weg in den Taunus gemacht hätte, um den Mörder ihres ersten Mannes (Verlobten) zur Rechenschaft zu ziehen. Die Handgranate, die zu besitzen sich der Junge wünscht, ist das Symbol für die Stärke der unterdrückten Wut, für die Wut der Unterdrückten. Die schönste Stelle des Buches ist die, an der erfolgreiche Rache für Lieblosigkeit gezeigt wird - posthum per Testament allerdings. Das Buch ist ein in Wort und Text, in einen Roman gefasster Schrei. Nichts in diesem Buch ist erfunden - leider. Was Romer über Horst Heilmann, den Widerstandskämpfer, und die Umstände seiner Hinrichtung schreibt, ist zuverlässig recheriert. Surreal wird der Roman dort, wo die Wahrnehmung des Kindes teilweise in eine von Angst verzerrte Wahrnehmung gleitet. Auch das ist meisterhaft dargestellt. Man denkt unweigerlich an Peter Weiss, der mit seiner Ästhetik des Widerstands gerade Horst Heilmann zu einer der Hauptpersonen machte. Wer die Wahrheit glaubt ertragen zu können, muss dieses Buch lesen und den darin eingefrorenen Schrei "hören". Das Buch schockiert, aber der Schock ist kein Selbstzweck. Und es beweist die Kraft guter Literatur, die im Angesicht mancher Situationen vielleicht die einzige Rettung ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Literarischer Zündstoff,
Von Yve "Nordstern" (Düsseldorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod: Roman (Gebundene Ausgabe)
Lange habe ich nicht mehr ein Buch von einer derartigen Wucht gelesen, das Buch ist Zündstoffmaterial. Knud Romer hat eine Hommage an seine Mutter geschrieben, die die Schrecken des zweiten Weltkrieges miterleben musste und die sie verfolgten bis an ihr Lebensende. Schockierend wird erzählt, wie die Widerstandskämpfer im dritten Reich kaltblütig hingerichtet wurden, die SS-Richter und Verbrecher des Krieges aber nach Ende des Weltkrieges ungestraft weiterhin hohe Funktionen ausüben können.
Die Mutter geht nach Kriegsende nach Dänemark und sie und ihr Sohn werden von der dänischen Gesellschaft geächtet, als Hitlerliebchen und deutsches Schwein beschimpft, Knud wird von den dänischen Mitschülern verprügelt, man gibt ihnen keine Chance und lässt sie nicht in Ruhe ihr Leben führen. Romer rechnet ab. Das Buch schreit nur so vor Ungerechtigkeiten, es ist kaum auszuhalten. Doch der Autor findet bei all den Grausamkeiten einen derart zärtlichen und poetischen Ton, man muss weiterlesen, auch wenn es einem mehrfach die Kehle zuschnürt und einem am Ende die Tränen über die Wangen laufen, so ergreifend, so berührend ist dieses Schicksal. Niemals sentimental, nur so brutal wahr. Man kann nur hoffen, dass der Skandal und die Debatte, die der Roman in Dänemark ausgelöst hat noch lange anhält und die Dänen ihre deutschfeindliche Tendenzen überdenken, denn was kann die Nachkriegsgeneration für die Greueltaten der SS im zweiten Weltkrieg? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lebensbilanz nach einem Jahrhundert der Kriege,
Rezension bezieht sich auf: Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod: Roman (Gebundene Ausgabe)
Knud Romer Wer blinzelt hat Angst vor dem Tod
Insel Verlag ISBN 3458173609 Knud, das Schwein, wird er in der Schule gerufen! Magische Zeiten der Zerstörung an Leib und Seele beschwört Romer herauf, als er seiner Familiengeschichte nachgeht. Aus kleinen Bausteinchen hat er das Puzzle seiner Familien zusammengefügt. Die Eltern hatten sich in den Kriegswirren in Dänemark gefunden und ihr Glück miteinander versucht. Der Vater ist ein pedantischer, zwanghafter und von Sicherheitsbedürfnis und Ordnung geprägter Charakter. Die Mutter, eine Deutsche, wurde schon als Kind von frühen Verlusten getroffen. Bei seinen Nachforschungen trifft Romer auf die Großeltern väterlicherseits, die arme Schlucker gewesen sind. Die großartigen und aufgeblähten Pläne des Großvaters endeten stets im Nichts. Eine Pleite folgte der anderen. Zuletzt sitzt er nur noch auf einer Bank, und schaut den Zügen hinterher,--ins Leere! Das behütete Zuhause der Mutter zerbricht, als der Vater viel zu früh stirbt. Seine Großmutter gab aus Not dem Werben eines Mannes nach, Papa Schneider wird er genannt. Ihm sind die Schmisse ins Gesicht geschrieben und Granatsplitter wachsen aus seiner Haut. Seine Mutter wird als kleines Mädchen zu bigotten und religiös-fanatischen Verwandten in Pflege gegeben bis das neu vermählte Paar ein erstes eigenes Kind bekommen hat. Nach dem Verlust ihres Verlobten im Krieg findet die Mutter Arbeit in Dänemark, wo sie ihrem späteren Mann begegnet. Sie leben in einem kleinen Ort. Schon bald zeigt sich die Feindschaft, mit der man Deutschen begegnet und Knud wird gemieden, verlacht und verhöhnt, als er die Schule besucht. Deutsche Manieren, Gewohnheiten und seine Kleidung stempeln ihn zum Außenseiter. Deutsche galten in Dänemark als Verräter und Feinde. Ironie des Schicksals: der Verlobte der Mutter wurde als Kriegsverbrecher und Widerstandskämpfer 1942 hingerichtet! In dem Kleinstadtkosmos, in dem das Paar mit seinem Sohn lebt, bleiben sie Fremde und werden von jeder Gemeinschaft ausgeschlossen. Das Leben läuft in einem ewig eintönigen Einerlei immer nach dem gleichen Schema ab. In den desolaten Familienzeugnissen bildet alleine die Mutter ein Bild der Güte. Zugleich bleibt die Liebe der Eltern überraschend für einen Sohn, der sich in den Netzen einer Familiensaga verfangen hat, in der es von Verlierern und sich gegenseitig zerstörenden Gestalten nur so wimmelt. In lakonischen, kurzen Sätzen, die der Kargheit der dänischen Landschaft entsprechen, wird ein Kapitel deutsch-dänischer Geschichte aufgeschlagen, das durch Feindseligkeit und Ablehnung gekennzeichnet war. Knud Romer hat den Mut gefunden, über seine Erlebnisse zu berichten. Seine Familiengeschichte spiegelt ein Jahrhundert wieder, in dem außer den charakterlichen Eigenheiten der Menschen die Kriegsfolgen zweier Weltkriege das Leben in unvorhersehbare Bahnen abdriften ließ. Mit ernsten, amüsanten und ironischen Worten charakterisiert Knud Romer die einzelnen Figuren seiner Familie. Nichts wirkt larmoyant oder tränenreich. Die trockene und knappe Erzählweise trägt sogar gelegentlich humorige und komische Züge. Mit viel Sinn für skurrile Charaktere ist eine Geschichte entstanden, die einzigartig in ihrer Tragik, dem Humor und der drögen Ehrlichkeit ist, mit der Romer sein Leben und das seiner Familie kritisch unter die Lupe genommen hat. In Dänemark hat das Buch einen Skandal ausgelöst, weil endlich einmal beim Namen genannt wurde, was lange unter der Decke des Schweigens verborgen blieb: eine unausgesprochene Feindschaft, in der sich die beiden Völker verfangen hatten. Der Autor ist ein hervorragender Werbefachmann in seiner Heimat. Nach einem Absturz in den Alkohol hat er mit seinem Debütroman einen Akt der Befreiung feiern können. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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