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Wer bin ich - und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise [Broschiert]

Richard David Precht
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (327 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Wenn Sie dieses Buch lesen, haben Sie den ersten Schritt auf dem Weg zum Glück schon getan. [...] Dieses Buch ist unverzichtbar." (Elke Heidenreich)

"Eine Orientierungshilfe in der geradezu unüberschaubaren Fülle unseres Wissen vom Menschen." (Solinger Morgenpost)

"Ein fantastisches, ein brillantes Buch!" (Markus Lanz, ZDF)

"Lustvoll, spielerisch und vor allem verständlich." (Obermain-Tagblatt)

"Wissensgenuss." (Universum)

Klappentext

"Lernen und Genießen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Lernen ohne Genießen verhärmt, Genießen ohne Lernen verblödet. Sollte es diesem Buch gelingen, beim Leser die Lust am Denken zu wecken, wäre sein Ziel erreicht!"
Richard Precht

"Wenn Sie dieses Buch lesen, haben Sie den ersten Schritt auf dem Weg zum Glück schon getan. [...] Dieses Buch ist unverzichtbar."
Elke Heidenreich

"Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein philosophisches Werk zum Bestseller wird. Falsch! Denn genau das ist jetzt geschehen: Der Geisteswissenschaftler Richard David Precht hat mit seinem Buch "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" das Pilger-Epos "Ich bin dann mal weg" des Entertainers Hape Kerkeling nach hundert Wochen von der Spitze der "Spiegel"-Liste verdrängt. Pole-Position für einen Philosophen. Das hat bisher kein philosophisches Sachbuch geschafft; schon keines, das lieber schwere Fragen stellt, als leichtsinnige Antworten zu geben."
Hamburger Abendblatt

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Autor, wurde 1964 in Solingen geboren. Er promovierte 1994 an der Universität Köln und war fünf Jahre Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem kognitionspsychologischen Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Schulpädagogik. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Publizistikpreis für Biomedizin ausgezeichnet. Mit seinem Philosophiebuch »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?«, das seit fünf Jahren auf der Sachbuch-Bestsellerliste steht, begeisterte er Leser wie Kritiker. Auch seine Bücher »Liebe. Ein unordentliches Gefühl«, »Die Kunst, kein Egoist zu sein« und »Warum gibt es alles und nicht nichts?« waren große Bestsellererfolge. Als Honorarprofessor lehrt er Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin. Seit September 2012 moderiert er die ZDF-Philosophiesendung »Precht«.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die griechische Insel Naxos ist die gr��e Insel der Kykladen im ��chen Meer. In der Mitte der Insel steigt die Bergkette des Zas bis auf tausend Meter an, und auf den w�rzig duftenden Feldern grasen Ziegen und Schafe, wachsen Wein und Gem�se. Noch in den 1980er Jahren besa�Naxos einen legend�n Strand bei Agia Ana, kilometerlange Sandd�nen, in denen nur wenige Touristen sich Bambush�tten geflochten hatten und ihre Zeit damit verbrachten, tr� im Schatten herumzud�sen. Im Sommer 1985 lagen unter einem Felsvorsprung zwei junge, gerade 20-j�ige M�er. Der eine hie�J�rgen und kam aus D�sseldorf; der andere war ich. Wir hatten uns erst vor wenigen Tagen am Strand kennen gelernt und diskutierten �ber ein Buch, das ich aus der Bibliothek meines Vaters mit in den Urlaub genommen hatte: ein inzwischen arg ramponiertes Taschenbuch, von der Sonne ausgebleicht, mit einem griechischen Tempel auf dem Umschlag und zwei M�ern in griechischem Gewand. Platon: Sokrates im Gespr�.
Die Atmosph�, in der wir unsere bescheidenen Gedanken leidenschaftlich austauschten, brannte sich mir so tief ein wie die Sonne auf der Haut. Abends, bei K�, Wein und Melonen, sonderten wir uns ein wenig von den anderen ab und diskutierten weiter unsere Vorstellungen. Vor allem die Verteidigungsrede, die Sokrates laut Platon gehalten haben soll, als man ihn wegen des Verderbens der Jugend zum Tode verurteilte, besch�igte uns sehr.
Mir nahm sie - f�r einige Zeit - die Angst vor dem Tod, ein Thema, das mich zutiefst beunruhigte; J�rgen war weniger �berzeugt.
J�rgens Gesicht ist mir entfallen. Ich habe ihn nie wieder getroffen, auf der Stra� w�rde ich ihn heute sicher nicht erkennen. Und der Strand von Agia Ana, an den ich nicht zur�ckgekehrt bin, ist laut zuverl�iger Quelle heute ein Touristen-Paradies mit Hotels, Z�en, Sonnenschirmen und geb�hrenpflichtigen Liegest�hlen. Ganze Passagen aus der Apologie des Sokrates in meinem Kopf dagegen sind mir geblieben und begleiten mich gewiss bis ins Altenpflegeheim; mal sehen, ob sie dann immer noch die Kraft haben, mich zu beruhigen.
Das leidenschaftliche Interesse f�r Philosophie habe ich nicht mehr verloren. Es lebt fort seit den Tagen von Agia Ana. Aus Naxos zur�ckgekehrt, leistete ich zun�st einen unerquicklichen Zivildienst ab. Es war gerade eine sehr moralische Zeit, Nato-Doppelbeschluss und Friedensbewegung erhitzten die Gem�ter, dazu Abenteuerlichkeiten wie US-amerikanische Planspiele �ber einen begrenzten Atomkrieg in Europa, die man sich ohne Kopfsch�tteln heute kaum noch vorstellen mag. Mein Zivildienst als Gemeindehelfer freilich regte nicht zu k�hnen Gedanken an; seit ich die evangelische Kirche von innen gesehen habe, mag ich den Katholizismus. Was blieb, war die Suche nach dem richtigen Leben und nach �berzeugenden Antworten auf die gro�n Fragen des Lebens. Ich beschloss, Philosophie zu studieren.
Das Studium in K�ln begann allerdings mit einer Entt�chung. Bislang hatte ich mir Philosophen als spannende Pers�nlichkeiten vorgestellt, die so aufregend und konsequent lebten, wie sie dachten. Faszinierende Menschen wie Theodor W. Adorno, Ernst Bloch oder Jean-Paul Sartre. Doch die Vision von einer Einheit aus k�hnen Gedanken und einem k�hnen Leben verfl�chtigte sich beim Anblick meiner zuk�nftigen Lehrer sofort: langweilige �ere Herren in braunen oder blauen Busfahreranz�gen. Ich dachte an den Dichter Robert Musil, der sich dar�ber gewundert hatte, dass die modernen und fortschrittlichen Ingenieure der Kaiserzeit, die neue Welten zu Lande, zu Wasser und in der Luft eroberten, gleichzeitig so altmodische Zwirbelb�e, Westen und Taschenuhren trugen. Ebenso, schien es mir, wendeten die K�lner Philosophen ihre innere geistige Freiheit nicht auf ihr Leben an. Immerhin brachte mir einer von ihnen schlie�ich doch das Denken bei. Er lehrte mich, nach dem �Warum� zu fragen und sich nicht mit schnellen Antworten zu begn�gen. Und er paukte mir ein, dass meine Gedankeng�e und Argumentationen l�ckenlos sein sollten, so dass jeder einzelne Schritt m�glichst streng auf dem anderen aufbaut.
Ich verbrachte wunderbare Studienjahre. In meiner Erinnerung vermischen sie sich zu einer einzigen Abfolge aus spannender Lekt�re, spontanem Kochen, Tischgespr�en beim Nudelessen, schlechtem Rotwein, wilden Diskussionen im Seminar und endlosen Kafteerunden in der Mensa mit Bew�ungsproben unserer philosophischen Lekt�re: �ber Erkenntnis und Irrtum, das richtige Leben, �ber Fu�all und nat�rlich dar�ber, warum Mann und Frau - wie Loriot meinte - nicht zusammenpassen. Das Sch�ne an der Philosophie ist, dass sie kein Fach ist, das man je zu Ende studiert. Genau genommen, ist sie noch nicht einmal ein Fach. Naheliegend w� es deshalb gewesen, an der Universit�zu bleiben. Aber das Leben, das meine Professoren f�hrten, erschien mir, wie gesagt, erschreckend reizlos. Zudem bedr�ckte mich, wie wirkungslos die Hochschulphilosophie war. Die Aufs�e und B�cher wurden lediglich von Kollegen gelesen, und das zumeist nur, um sich davon abzugrenzen. Auch die Symposien und Kongresse, die ich als Doktorand besuchte, desillusionierten mich restlos �ber den Verst�igungswillen ihrer Teilnehmer.
Allein die Fragen und die B�cher begleiteten mich weiter durch mein Leben. Vor einem Jahr fiel mir auf, dass es nur sehr wenige befriedigende Einf�hrungen in die Philosophie gibt. Nat�rlich existieren viele mehr oder weniger witzige B�cher, die von Logeleien und Kniffen des Denkens handeln, aber die meine ich nicht. Auch nicht die klugen n�tzlichen B�cher, die das Leben und Wirken ausgew�ter Philosophen beschreiben oder in ihre Werke einf�hren. Ich vermisse das systematische Interesse an den gro�n �bergreifenden Fragen. Was sich als systematische Einf�hrung ausgibt, pr�ntiert zumeist eine Abfolge von Denkstr�mungen und -ismen, die mir oft zu sehr historisch interessiert sind oder die zu sperrig sind und zu trocken geschrieben.
Der Grund f�r diese unkulinarische Lekt�re liegt nahe: Universit�n f�rdern nicht unbedingt den eigenen Stil. Noch immer wird in der akademischen Lehre meist mehr Wert auf exakte Wiedergabe gelegt als auf die intellektuelle Kreativit�der Studenten. Besonders st�rend an der Vorstellung von der Philosophie als einem �Fach� sind dabei ihre ganz unnat�rlichen Abgrenzungen. W�end meine Professoren das menschliche Bewusstsein anhand der Theorien von Kant und Hegel erkl�en, machten ihre Kollegen von der medizinischen Fakult� nur achthundert Meter entfernt, die aufschlussreichsten Versuche mit hirngesch�gten Patienten. Achthundert Meter Raum in einer Universit�sind sehr viel. Denn die Professoren lebten auf zwei v�llig verschiedenen Planeten und kannten nicht einmal die Namen ihrer Kollegen.
Wie passen die philosophischen, die psychologischen und die neurobiologischen Erkenntnisse �ber das Bewusstsein zusammen? Stehen sie sich im Weg, oder erg�en sie sich? Gibt es ein �Ich�? Was sind Gef�hle?

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die griechische Insel Naxos ist die größte Insel der Kykladen im Ägäischen Meer. In der Mitte der Insel steigt die Bergkette des Zas bis auf tausend Meter an, und auf den würzig duftenden Feldern grasen Ziegen und Schafe, wachsen Wein und Gemüse. Noch in den 1980er Jahren besaß Naxos einen legendären Strand bei Agia Ana, kilometerlange Sanddünen, in denen nur wenige Touristen sich Bambushütten geflochten hatten und ihre Zeit damit verbrachten, träge im Schatten herumzudösen. Im Sommer 1985 lagen unter einem Felsvorsprung zwei junge, gerade 20-jährige Männer. Der eine hieß Jürgen und kam aus Düsseldorf; der andere war ich. Wir hatten uns erst vor wenigen Tagen am Strand kennen gelernt und diskutierten über ein Buch, das ich aus der Bibliothek meines Vaters mit in den Urlaub genommen hatte: ein inzwischen arg ramponiertes Taschenbuch, von der Sonne ausgebleicht, mit einem griechischen Tempel auf dem Umschlag und zwei Männern in griechischem Gewand. Platon: Sokrates im Gespräch.Die Atmosphäre, in der wir unsere bescheidenen Gedanken leidenschaftlich austauschten, brannte sich mir so tief ein wie die Sonne auf der Haut. Abends, bei Käse, Wein und Melonen, sonderten wir uns ein wenig von den anderen ab und diskutierten weiter unsere Vorstellungen. Vor allem die Verteidigungsrede, die Sokrates laut Platon gehalten haben soll, als man ihn wegen des Verderbens der Jugend zum Tode verurteilte, beschäftigte uns sehr.Mir nahm sie - für einige Zeit - die Angst vor dem Tod, ein Thema, das mich zutiefst beunruhigte; Jürgen war weniger überzeugt.Jürgens Gesicht ist mir entfallen. Ich habe ihn nie wieder getroffen, auf der Straße würde ich ihn heute sicher nicht erkennen. Und der Strand von Agia Ana, an den ich nicht zurückgekehrt bin, ist laut zuverlässiger Quelle heute ein Touristen-Paradies mit Hotels, Zäunen, Sonnenschirmen und gebührenpflichtigen Liegestühlen. Ganze Passagen aus der Apologie des Sokrates in meinem Kopf dagegen sind mir geblieben und begleiten mich gewiss bis ins Altenpflegeheim; mal sehen, ob sie dann immer noch die Kraft haben, mich zu beruhigen.Das leidenschaftliche Interesse für Philosophie habe ich nicht mehr verloren. Es lebt fort seit den Tagen von Agia Ana. Aus Naxos zurückgekehrt, leistete ich zunächst einen unerquicklichen Zivildienst ab. Es war gerade eine sehr moralische Zeit, Nato-Doppelbeschluss und Friedensbewegung erhitzten die Gemüter, dazu Abenteuerlichkeiten wie US-amerikanische Planspiele über einen begrenzten Atomkrieg in Europa, die man sich ohne Kopfschütteln heute kaum noch vorstellen mag. Mein Zivildienst als Gemeindehelfer freilich regte nicht zu kühnen Gedanken an; seit ich die evangelische Kirche von innen gesehen habe, mag ich den Katholizismus. Was blieb, war die Suche nach dem richtigen Leben und nach überzeugenden Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Ich beschloss, Philosophie zu studieren.Das Studium in Köln begann allerdings mit einer Enttäuschung. Bislang hatte ich mir Philosophen als spannende Persönlichkeiten vorgestellt, die so aufregend und konsequent lebten, wie sie dachten. Faszinierende Menschen wie Theodor W. Adorno, Ernst Bloch oder Jean-Paul Sartre. Doch die Vision von einer Einheit aus kühnen Gedanken und einem kühnen Leben verflüchtigte sich beim Anblick meiner zukünftigen Lehrer sofort: langweilige ältere Herren in braunen oder blauen Busfahreranzügen. Ich dachte an den Dichter Robert Musil, der sich darüber gewundert hatte, dass die modernen und fortschrittlichen Ingenieure der Kaiserzeit, die neue Welten zu Lande, zu Wasser und in der Luft eroberten, gleichzeitig so altmodische Zwirbelbärte, Westen und Taschenuhren trugen. Ebenso, schien es mir, wendeten die Kölner Philosophen ihre innere geistige Freiheit nicht auf ihr Leben an. Immerhin brachte mir einer von ihnen schließlich doch das Denken bei. Er lehrte mich, nach dem »Warum« zu fragen und sich nicht mit schnellen Antworten zu begnügen. Und er paukte mir ein, dass meine Gedankengänge und Argumentationen lückenlos sein sollten, so dass jeder einzelne Schritt möglichst streng auf dem anderen aufbaut.Ich verbrachte wunderbare Studienjahre. In meiner Erinnerung vermischen sie sich zu einer einzigen Abfolge aus spannender Lektüre, spontanem Kochen, Tischgesprächen beim Nudelessen, schlechtem Rotwein, wilden Diskussionen im Seminar und endlosen Kafteerunden in der Mensa mit Bewährungsproben unserer philosophischen Lektüre: über Erkenntnis und Irrtum, das richtige Leben, über Fußball und natürlich darüber, warum Mann und Frau - wie Loriot meinte - nicht zusammenpassen. Das Schöne an der Philosophie ist, dass sie kein Fach ist, das man je zu Ende studiert. Genau genommen, ist sie noch nicht einmal ein Fach. Naheliegend wäre es deshalb gewesen, an der Universität zu bleiben. Aber das Leben, das meine Professoren führten, erschien mir, wie gesagt, erschreckend reizlos. Zudem bedrückte mich, wie wirkungslos die Hochschulphilosophie war. Die Aufsätze und Bücher wurden lediglich von Kollegen gelesen, und das zumeist nur, um sich davon abzugrenzen. Auch die Symposien und Kongresse, die ich als Doktorand besuchte, desillusionierten mich restlos über den Verständigungswillen ihrer Teilnehmer.Allein die Fragen und die Bücher begleiteten mich weiter durch mein Leben. Vor einem Jahr fiel mir auf, dass es nur sehr wenige befriedigende Einführungen in die Philosophie gibt. Natürlich existieren viele mehr oder weniger witzige Bücher, die von Logeleien und Kniffen des Denkens handeln, aber die meine ich nicht. Auch nicht die klugen nützlichen Bücher, die das Leben und Wirken ausgewählter Philosophen beschreiben oder in ihre Werke einführen. Ich vermisse das systematische Interesse an den großen übergreifenden Fragen. Was sich als systematische Einführung ausgibt, präsentiert zumeist eine Abfolge von Denkströmungen und -ismen, die mir oft zu sehr historisch interessiert sind oder die zu sperrig sind und zu trocken geschrieben.Der Grund für diese unkulinarische Lektüre liegt nahe: Universitäten fördern nicht unbedingt den eigenen Stil. Noch immer wird in der akademischen Lehre meist mehr Wert auf exakte Wiedergabe gelegt als auf die intellektuelle Kreativität der Studenten. Besonders störend an der Vorstellung von der Philosophie als einem »Fach« sind dabei ihre ganz unnatürlichen Abgrenzungen. Während meine Professoren das menschliche Bewusstsein anhand der Theorien von Kant und Hegel erklärten, machten ihre Kollegen von der medizinischen Fakultät, nur achthundert Meter entfernt, die aufschlussreichsten Versuche mit hirngeschädigten Patienten. Achthundert Meter Raum in einer Universität sind sehr viel. Denn die Professoren lebten auf zwei völlig verschiedenen Planeten und kannten nicht einmal die Namen ihrer Kollegen.Wie passen die philosophischen, die psychologischen und die neurobiologischen Erkenntnisse über das Bewusstsein zusammen? Stehen sie sich im Weg, oder ergänzen sie sich? Gibt es ein »Ich«? Was sind Gefühle?
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