Ganz so überschwänglich wie die meister Vor-Rezensenten möchte ich dieses Buch nun doch nicht bewerten. Zunächst fällt auf, dass der Ansatz sehr berufszentriert ist. Fragen nach Verwirklichung persönlicher Ziele, Lebensgestaltung und Berufung lassen sich aber keineswegs auf die berufliche Seite allein reduzieren. Hilfreich kann der ausführliche
Persönlichkeitstest sein, wenngleich auch hier anzumerken ist, dass viele der Fragen sehr ambivalent sind. Ein Beispiel: "Mich auf Neues einzulassen fällt mir sehr schwer." Oder: "Ich suche aktiv die Nähe zu anderen." Beide Fragen, wie auch viele andere des Tests, lassen sich von den meisten Menschen wohl kaum pauschal bewerten. Auf manches Neue lässt man sich in der Regel sehr gern ein, auf anderes überhaupt nicht. Ebenso verhält es sich mit der aktiven Suche nach Nähe anderer Menschen.
Problematischer ist der Werte-Test. Manche der erfragten Werte ähneln sich sehr bzw bedingen einander (z.B. Fairness, Verlässlichkeit, Menschlichkeit, Freundschaft), viele andere fehlen (z.B. Familiensinn, Glaube, Kreativität, Ordnungssinn). Ähnlich ist es bei der Kompetenz-checkliste, die wiederum sehr stark aufs Berufliche fokussiert ist.
Sicherlich regt das Buch zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit sich selbst an, fruchtbar kann dies jedoch wohl nur dann werden, wenn man über den Rahmen des Buches hinausdenkt.
Ein ausgesprochener Patzer scheint mit im Schlussteil "Effizienz" das Kapitel über "Misserfolg" zu sein. Im behandelten Beispiel hält ein junger Angestellter in seinem Betrieb eine Präsentation vor dem Vorstand, erhält allerdings kein Feedback. Seltsamerweise wird die einfachste Lösung - den Vorstand mal von sich aus zu fragen, wie das präsentierte Konzept den war - von Frau Krelhaus überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Stattdessen kommen Behauptungen wie: "Der Vorstand ... (ist)nicht überzeugt, das steht leider fest." (S. 190). Nein, gar nichts steht fest, aber die Lösung der Autorin geht offensichtlich in die Richtung "selbst schuld", d.h. die Ursache muss beim Angestellten selbst liegen, und "um das Konzept abzurunden und damit von der Präsentation überzeugt sein zu können, hätte er ... vielleicht noch eine Nacht durcharbeiten müssen." (193).
Prost Mahlzeit. Das nächste Buch sollte vielleicht heißen "Strategien gegen Born-out und Worcaholismus".