Wenn viele politische Volksverdummer und Journalisten und auch nicht wenige sog. Wirtschaftsexperten ständig und überall fordern: "Die Steuern und Abgaben sind zu hoch." und "Wir müssen die Steuern senken.", wer würde ihnen dann nicht sofort zustimmen?
Naturgemäß sind die Steuern und Abgaben immer zu hoch, denn die Frage, von WEM holt sich der Staat die Steuern und Abgaben und für WAS gibt er sie aus, ist eine vollkommen andere, aber die entscheidendere Frage.
Unabhängig von der Höhe der Steuern und Zwangsabgaben des Staates sollte in einem demokratischen Rechtsstaat des 21. Jahrhunderts daher ein Prinzip gelten: Die Grundregeln müssen für alle Bürger gleich sein. Niemand darf wegen seiner beruflichen Stellung, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Statusgruppe bzw. einem Stand oder der Höhe seines Einkommens diskriminiert (bzw. bevorteiligt) werden, wenn es um die leistungsgerechte Verteilung der Lasten und die Finanzierung des Staates geht.
Entgegen der weitverbreiten "politischen Lyrik", nach der die starken Schultern mehr tragen als die schwachen, sind es aber in Deutschland gerade die Angestellten und Arbeiter der Mittelschicht, die die Hauptlast tragen und trotz "Reichensteuer" nicht die Vermögenden und wirklich Reichen, wie der Autor in seinem Buch darlegt.
Denn in der real existierenden Bundesrepublik Deutschland konzentriert sich wie in keinem anderen Land die Finanzlast ausgerechnet auf diejenigen, die gleichzeitig den gößten Teil des nationalen Reichtums produzieren, also den Wohlstand unseres Landes.
Sozialabbau, Ausgabenexplosion, Steuerstaat, der ausgeuferte Sozialstaat - die gängigen und pauschalen Schlagworte in den Medien erweisen sich daher als weitgehend ungeeignet, die wahren Probleme des Standortes Deutschland und die eigentlichen Fehlfunktionen im deutschen Sozialstaat zu beschreiben.
Dementsprechend bekommen auch (fast) alle ihr Fett weg: Nicht nur Oskar Lafontaine, Frank Bsirske und Ulla Schmidt, sondern auch Hans-Werner Sinn, Guido Westerwelle und (Arbeitgeberpräsident) Dieter Hundt.
Eine Spezies lässt der Autor bei seiner Analyse dann doch außen vor, nämlich diejenigen, die der Ökonom und Wirtschaftspolitiker Ludwig Erhard in seinem Buch "Wohlstand für Alle" vor über 50 Jahren als "dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte", bezeichnet. Warum kommen die Multimillionäre und Milliardäre, die Superreichen ungeschoren davon? Warum findet man dazu kein einziges Wort in dem Buch, während Ludwig Erhard dies als "roten Faden" bezeichnet hat?
Das Buch ist auch für Leute, die nicht gerne mit Zahlen umgehen, äußerst verständlich geschrieben. Es ist jedoch schade, dass die optische Gestaltung und das Layout die Qualität des Inhalts und der Argumentation etwas mindern, denn hin und wieder würde eine Tabelle oder ein Diagramm den Text nicht nur auflockern, sondern auch veranschaulichen. Offensichtlich wird heute auch bei den Verlagen darauf kein Wert mehr gelegt.