Um Renovierungen an ihrem Kloster Holy Retreat zu finanzieren, müssen die Nonnen ein Stück Land verkaufen, auf dem ein Friedhof liegt. Tess Callaway, Rechtsanwältin und alleinerziehende Mutter, organisiert den Handel. Doch bei der Aufhebung der Gräber taucht plötzlich ein Sarg zuviel auf.
Das Buch beginnt mit dem Prolog auf dem Friedhof: Herbst, Kälte, Feuchtigkeit, die alten Klostermauern, Nonnen in ihren dunklen Trachten, Tess als Beobachterin der Umbettung, und der Bestatter zählt die Särge. Ein fesselnder Anfang, und schon alles vorhanden, was einen englischen, bzw. irischen Krimi à la "Geheimnis hinter Klostermauern" verspricht.
Aber dann braucht die Autorin über 300 Seiten, um genau wieder an diesen Punkt zu kommen. In der Zwischenzeit wird der Leser Zeuge von Tess' Problemen, nach dem Unfalltod ihres Lebensgefährten ein Baby zu bekommen und aufzuziehen. Man erfährt, wie sie an ihren Job kommt und fliegt mit ihr zwischen England und Irland hin und her; dabei lernt man ihre Verwandtschaft kennen und all die lieben Menschen, die Tes unterstützen, aber in der Klostergeschichte nicht vorkommen. Gleichzeitig wird, in chronologisch versetzten Einschüben, die Geschichte von Jane-Edwina Stebton-Hillyard erzählt, einer Nachfahrin der Klostergründerin; auch sie unterwegs zwischen England und Irland. Es ist lästig, beim Lesen immer wieder zum Anfang des Kapitels zu blättern, um sich die zeitliche Einordnung erneut ins Gedächnis zu rufen. Einen Gefallen hat die Autorin dem Buch mit diesem Aufbau nicht getan.
Ich stelle mir den Inhalt des Buches aus der Feder eines Könners, einer Könnerin vor. Es hätte ein wunderbarer, sehr traditioneller Klosterkrimi werden können. So ist es nur die Geschichte einer Rechtsanwältin, gestresst und in Trauer, die nebenbei in ein Verbrechen gerät.