- Ledereinband
- Verlag: Gesellschaft für erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung (1997)
- ISBN-10: 3932564049
- ISBN-13: 978-3932564048
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (47 Kundenrezensionen)
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Produktinformation
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Das Buch ist ein Roman und zugleich ein philosophisches Manifest, sehr gut lesbar und sehr spannend. Die Vorwürfe an die Autorin, sie hätte zu eindimensionale Charaktere geschaffen, trifft nicht zu. Die Personen sind differenziertester Gedanken und Gefühle fähig, sie lernen (einige wenigstens) und sie verändern sich. Die Sprache ist modern und zugleich bilderreich. Nun aber zum Inhalt: Worum geht es eigentlich?
Hauptperson ist Dagny Taggart, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der größten Eisenbahngesellschaft der Vereinigten Staaten in einer nicht näher bezeichneten Zeit, die in der Zukunft zu liegen scheint, aber in vielen Zügen an unsere sozialstaatliche Gegenwart erinnert. Sie erlebt, wie Leistung diskreditiert und Bedürftigkeit zu einem Wert an sich erhoben wird. Sie erfährt, wie eine Umverteilung von Wohlstand zum Zusammenbruch gesellschaftlicher Normen führt. Sie muß sehen, wie ihre besten Freunde aus der Industrie einer nach dem anderen durch Gesetze und Verordnungen zur Aufgabe gezwungen werden. Alles um sie herum bricht zusammen, und niemand scheint den Verfall aufhalten zu können oder auch nur zu wollen, während korrupte Politiker und opportunistische Unternehmer sich sinnlos bereichern und das Land gleichzeitig immer mehr in Armut versinkt. Die achselzuckende Redensart »Wer ist John Galt?« wird von denen im Munde geführt, denen alles egal zu sein scheint, und Dagny Taggart nimmt den Kampf gegen diese Gleichgültigkeit auf, bis sie gezwungen wird anzuerkennen, daß ihr Leben ihr selbst gehört und niemand das Recht hat von ihr zu fordern, sie müsse für andere leben.
Während die Geschichte erzählt wird, finden wir ganz nebenbei Antworten auf Fragen, die uns bewegen oder bewegen sollten, wie etwa: Was sind die wirklichen moralischen Werte, nach denen man leben sollte? Welche Bedeutung haben Verstand und Gefühl? Und auch untergeordnete Probleme werden gestellt und finden überraschende Lösungen, beispielsweise: Ist Geld (Gelderwerb, Geldbesitz) etwas Schlechtes? Was haben ein Künstler und ein Industrieller gemeinsam? Woran erkennt man menschliche Größe?
Dieses Buch wird nicht jeder lieben, eher nur wenige. Hassen werden es diejenigen, die in ihrem sogenannten Beruf keinerlei Werte schaffen, sondern nur die Werte verbrauchen, die andere geschaffen haben. Von denen wird der Vorwurf kommen, den man seit Erscheinen des Romans immer wieder gehört hat und sogar in so renommierten Werken wie der »Encyclopaedia Britannica« nachlesen kann: Er sei ein Manifest des ungehemmten Egoismus und ein Plädoyer für ungezügelt freie Marktwirtschaft. Die Leuten, die das behaupten, können sich diese Ausgabe tatsächlich sparen. Es ist wahrlich kein Buch für Sozialromatiker.
Uneingeschränkt empfehlen kann man es hingegen denjenigen, die wirkliche Werte hervorbringen und dafür bisher nur die soziale Ächtung als Ausbeuter oder Streber oder Nestbeschmutzer empfangen haben: innovativen, erfolgreichen Unternehmern; großen, einsamen Künstlern; wahrheitsliebenden, radikalen Denkern. Und natürlich all denjenigen, die für diese Personen Sympathie empfinden.
Will jemand behaupten, so eine Haltung sei anachronistisch, nicht zeitgemäß? So eine Behauptung zeigt nur, daß die apokalyptische Entwicklung, die Ayn Rand ausgemalt hat, bereits begonnen hat. Nicht zeitgemäß? Im Gegenteil: »Atlas Shrugged« (so der Originaltitel) ist zwar ein Buch aus den 50er Jahren, seine Zeit wird aber erst noch kommen.
Für Ayn Rand ist der Mensch ein heroisches Wesen. Seine eigene Glückseligkeit ist der moralische Sinn seines Lebens, die wirtschaftliche Entfaltung seine nobelste Aktivität und die Vernunft seine absolute Richtschnur. Der Objektivismus, der die Basis ihrer Romane bildet, gibt dem Individuum eine vernunftsmässige Orientierung für das Leben auf der Erde, zeigt wie er sein Bestes geben kann. Objektivismus ist die radikale Alternative zu den Ideen, die die heutige Kultur und die Universitäten dominieren: Mystizismus, Altruismus und Kollektivismus - sowie deren Ergebnisse wie Nihilismus, Ökologismus und Multikulturalismus.
Im Roman „Wer ist John Galt" kann der Leser am Beispiel der amerikanischen Eisenbahn- und Stahlbaupioniere hautnah miterleben, wie Wohlstand durch wirtschaftliche Tüchtigkeit geschaffen und mittels ideologischer Irreführung gutgläubiger Menschen systematisch geplündert und wieder zerstört wird. Das im Roman vorkommende „Chancenausgleichsgesetz" ist nur einer der vielen, akribisch aufgezeigten Mechanismen der langsamen planwirtschaftlichen Selbstzerstörung, die Ayn Rand schon während der Russischen Revolution am eigenen Leibe miterlebt hat.
Der Roman hält uns immer wieder den Spiegel vor und zeigt, wie weit unsere Meinung bereits ideologisch beeinflusst ist. So begegnet Ayn Rand etwa der immer noch verbreiteten Behauptung, dass Geld die Wurzel allen Übels sei: „Haben Sie sich jemals gefragt, was der Ursprung des Geldes ist? Geld ist ein Tauschmittel, das es nur gibt, wenn Güter produziert werden und wenn Menschen da sind, die diese Güter produzieren können. Geld ist der materielle Ausdruck des Prinzips, dass Menschen miteinander auskommen, wenn sie Leistung gegen Gegenleistung bezahlen, wenn ihre Beziehungen durch ehrlichen Tausch geregelt sind. Die Schnorrer, die den Ertrag Ihrer Arbeit erjammern, oder die Plünderer, die sich mit Gewalt holen, was sie haben wollen, brauchen kein Zahlungsmittel. Geldgeschäfte gibt es nur zwischen Menschen, die etwas produzieren. Ist Geld deshalb von Übel? (...) Erwarten Sie nicht, das die Menschen gut bleiben, wenn Sie schlecht machen, was die Menschen zum Überleben brauchen. Erwarten Sie nicht, dass sie moralisch bleiben und ihr Leben dafür hingeben, der Frass der Unmoral zu werden. Erwarten sie nicht, dass sie produzieren, wenn Produktion bestraft und Plündern belohnt wird.Fragen Sie nicht: „Wer zerstört die Welt?" Sie zerstören sie."
Erschreckend ist diese Aktualität bis in die heutige Zeit. Dies ist nur möglich, weil die Menschen so wenig aus ihrer Geschichte gelernt haben. Kein Wunder also, dass der Objektivismus in Europa so gut wie unbekannt ist.