Diese DVD ist ein weiteres Dokument dafür, dass der Film nach wie vor nicht als Kunst, sondern bestenfalls als ein Produkt angesehen wird, an dem jeder, von der Produktionsfirma bis zum Verleih meint, daran herumwerkeln zu dürfen. "Geschnittene Fassung" steht freundlicherweise auf dem Umschlag und das heisst konkret, dass man die berüchtigte Vergewaltigung - der beängstigend-bedrückende Mittelpunkt des Films - gleich am Stück rausgeschnitten hat. Das hat den Effekt, dass der Film nun weder inhaltlich noch formal funktioniert. Man hat sich mit diesem Eingriff zwar eine Altersfreigabe ab 16 ermogelt, nur ist fragwürdig, ob eine derart kurzsichtig-ökonomische Rechnung auch aufgeht. Diese Gewaltstudie ist nämlich auch in dieser Form für Jugendliche ungeeignet und alle andern können sich ein derart verstümmeltes Kunstwerk ebenfalls sparen. Besonders Filmwissenschaftler ärgern sich grün und blau, hat man doch die Gelegenheit vertan, das vehementeste und vielleicht technisch brillanteste Werk Sam Peckinpahs erneut zugänglich zu machen. Dass in Amerika eine vollständige englische Fassung erhältlich ist, tröstet dabei nur wenig, nicht zuletzt deshalb, weil Peckinpah eigens für Europa eine andere - und wie ich glaube differenziertere - Schnittfassung erstellt hatte. Diese europäische Schnittfassung war vor ein paar Jahren auf einem deutschen Privatsender zu sehen und dies (trotz Unterbrecherwerbung) ohne Kürzung.
So fragt man sich angesichts dieser DVD schliesslich augenreibend, was die Verleihfirma sich hier eigentlich überlegt hat. Niemand ist verpflichtet einen Film zu veröffentlichen; es steht jedem frei von Pasolinis «Salo», von Bergmanns «Stunde des Wolfs» oder Franjus «Sang des bêtes» seine Finger zu lassen, weil er die originale Fassung nicht beibehalten kann oder möchte. Wer sich aber zu einer Veröffentlichung entschliesst, der sollte soviel „philologischen" Ethos aufbringen, dies auch korrekt zu tun; alles andere ist spekulative, ja halbseidene Geldmacherei. Man hat hier allen Seiten gleichzeitig einen Bärendienst erwiesen. Dafür noch Geld auszugeben, das kann man sich getrost sparen.