Es wird schnell klar, WER in diesem sehr gut geschriebenem Krimi der Norwegerin karin Fossum der böse Wolf ist: Errki, der Schizophrene, der Anstalt entlaufene - als er noch dazu am Tatort eines Mordes gesehen wird, steht er für die meisten Menschen der Kleinstadt schon als Täter fest.
ABER im Laufe der Seiten wird klar, dass jeder der Hauptdarsteller einen eigenen bösen Wolf hat, der tief in ihm selbst drinnen steckt, und DAS ist eigentlich noch interessanter und spannender , als die eigentliche Geschichte der drei, eigentlich vier Prontagonisten.
Ein Geisteskranker kämpft mit seinen Erinnerungen, die ihm immer wieder in die Irre führen und mit den anderen Personen, die sich in seinem Kopf eingenistet haben, und ihn ständig beeinflussen und quälen.
Ein Bankräuber mit Alkoholproblem, der an diesem Tag einfach den falschen Mann als Geisel genommen hat, durch ihn in eine absurd Situation geführt wird, aus der er selber durch eigene Kraft nicht zu entkommen vermag und den Stellenwert einer Waffe als Machtinstrument total falsch einschätzt. Trotzdem gewinnt er einen Freund - im weitesten Sinne.
Ein Bub aus einem Waisenhaus mit Fressucht, sozialen Problemen und verlorengegangenen Selbstbewusstsein.
Zum Schluss noch ein sensibler, gar nicht cooler, schüchtener Kommissar...
Das sind die Zutaten, die Karin Fossum meisterlich in eine spannende, psychologisch und äusserst interessante "Kriminal-Sozial-Studie" verpackt hat.
Aber doch nur vier Sterne, weil die Lösung des eigentlichen Falles so offensichtlich war...