Dr. Ingebort Szöllösi, Chefredakteurin von story, interviewt Dr. Hans-Joachim Maaz, geb. 1943 und ehemaliger Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik in Halle, Analytiker und Arzt.
Frau Szöllösi war auf einem Psychotherapiekongress, auf dem der umstrittene Arzt Maaz seine Meinung in einem Vortrag einem breiteren Publikum vorstellte. Sie erlebte bei den Fachleuten das Phänomen, welches sich hier auch bei den Rezensionen der anderen Bücher von maaz zeigt: stark geteilte Meinungen. der eine ist begeistert, der andere schockiert.
ich persönlich gehöre zu den ersteren und werde es hier begründen.
das buch ist in interviewform geschrieben, sprich frage - antwort. es geht um den lilith - komplex, der zunächst nochmal erklärt wird (im hebräischen erste frau adams, die aus dem paradies vertrieben wurde weil sie sich nicht unterwerfen wollte) und um das, was maaz als komplex in unserer heutigen zeit ausmacht: das fehlen gesunder, kräftiger, lustvoller, aber auch weicher und die mutterschaft anerkennender weiblichkeit.
er unterscheidet in mutter - vaterrolle und mütterlichkeit - väterlichkeit und macht deutlich, dass väter durchaus gute mütterlichkeit haben können, nie jedoch die mutter sein können (sprich schwangerschaft, geburt, stillzeit übernehmen können). hier weist er auf die absolute notwendigkeit einer guten mutter hin, um frühstörungen (schwangerschaft bis drittes lebensjahr), die in unseren breitengraden sehr oft anzutreffen sind, zu vermeiden.
szöllösi stellt fragen zu interessanten, unangenehmen, tabuisierten, gesamtgesellschaftlichen und privaten themen, maaz antwortet in gewohnter klarheit, tritt damit sicherlich der / dem einen oder anderen auf die füße (z.b. wenn er schreibt, dass eine frau mit guter mütterlichkeit schwer vorstellbar alleinerziehend ist, wenn dann nur durch einen unglücksfall). das gesamte buch ist wie seine anderen bücher absolut logisch und gut nachvollziehbar. er beschreibt treffend die auswirkungen der frühstörungen auf den einzelnen und gesamtgesellschaftlich, erklärt, welche bedingungen zur aufrechterhaltung beitragen und warum sie da sind (vermeidung von schmerz bei den betroffenen). gekonnt verbindet er das alte analytische wissen mit den neueren forschungsergebnissen, distanziert sich dort von altem, wo es der forschung oder logik nicht standhält (z.b. ödipuskomplex). auch zeigt er - wie der buchtitel es verheißt - mögliche auswege aus dem zur zeit wirksamen kreislauf (z.b. anerkennen der wichtigkeit einer guten mutterschaft, elternschulen, um die eigenen verletzungen zu erkennen, zu verstehen und aus ihnen zu lernen).
alles in allem wieder ein sehr reichhaltiges buch, welches horizonte eröffnen kann, wenn man sich darauf einlässt.