Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Wenn es soweit ist
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Wenn es soweit ist [Gebundene Ausgabe]

Josef Winkler
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe --  
Taschenbuch EUR 8,00  

Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 190 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518410113
  • ISBN-13: 978-3518410110
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.549.586 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Josef Winkler
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Josef Winkler auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der Knochensammler aus Kärnten

Josef Winklers Erzählung «Wenn es soweit ist»

Von Franz Haas

So viel Tod war noch nie in der Heimatliteratur, so wenig Heimeligkeit noch nie in einer Dorferzählung. Nach zwanzig Jahren ist Josef Winkler seinen Themen immer noch treu: die Homosexualität, das Bauernland, die katholische Kirche – jedoch nicht mehr in dieser Rangordnung. Geändert haben sich vor allem zwei formale Aspekte. Die Sprache ist ruhiger geworden; die lebensstrotzenden Todesmetaphern des einst so wilden Kärntners sind nicht mehr von Wutschaum gekrönt wie damals. Und in seinem neunten Buch gibt es erstmals keinen Ich-Erzähler. Vom ländlichen Leben und Sterben erzählt nun meist ein greiser Vater mit einem Hitler-Bärtchen, der früher «Der Ackermann aus Kärnten» hiess. Geblieben ist Winkler allemal ein detailfreudiger Todes- und Dorfchronist, der virtuoseste Leichenbestatter der Gegenwartsliteratur.

Dorfreigen

Schon in Winklers ersten drei Büchern schrieb ein Ich sich seine Todesangst vom Leib, in einem sprachlichen Gerangel mit den Gespenstern aus einer schiefen Kindheit, mit dem eigenen Körper und den dörflichen Obrigkeiten, dem Vater und dem Pfarrer. Dann verfasste er die Geschichte einer aus der Ukraine nach Kärnten verschleppten Bäuerin und über seinen Aufenthalt an deren Hof. Im Roman «Der Leibeigene» kehrte er mit mehr Furor denn je zurück zum eigenen Ich, zu Leib und Seele. In seinem sechsten und schillerndsten Buch «Friedhof der bitteren Orangen» verliess dieses Ich oft die engste Heimat und schlug sich in Italien mit denselben Geistern, zumeist in Kirchen, Grüften und Katakomben. Danach schrieb er über sich und Jean Genet, dann noch einen «Roman» über sich in Indien, über die Rituale der Totenverbrennungen am Ganges. Es waren keine Romane im Sinn des Sachwörterbuchs der Literatur, genausowenig wie sein neues Buch eine «Erzählung» ist. Es ist dies ein Dorfreigen von drei Dutzend Menschenleben und den dazugehörigen Sterbensgeschichten.

Es erzählt häufig «der neunzigjährige Greis mit dem graumelierten Oberlippenbärtchen»: von jenem ärmlichen Mann, der Knochenreste in einem Tonkrug so lange köchelte, bis sie zu einem dunkle Sud wurden, den die Bauern den Pferden um die Augen schmierten, als stinkenden Schutz vor Insekten. Er erzählt dies seinem Sohn, dem «Knochensammler Maximilian», der seinerseits die Knochen der toten Menschen aus dem Dorf in jenem Tonkrug «aufsammelt», sich ihre Todes- und Lebensarten anhört, sie Schicht um Schicht metaphorisch bestattet. – Erprobte Winkler-Leser erkennen diese beiden Hauptfiguren schon nach wenigen Seiten wieder, den grausamen «Vater Ackermann», Herr über Kinderseelen und Kalbsgeburten aus früheren Winkler-Büchern, und das gemarterte Ich jenes Sohnes, der immer wieder auszog und heimkam auf den Hof. In der dritten Person und unter dem Namen Maximilian hat er nun eine totengräberhafte Ruhe gefunden.

Dieser Maximilian-Winkler ist auch in dem neuen Buch die zentrale Figur, aber er hat nur noch die Rolle des Knochensammlers. Was früher bei Winkler immer eine selbstversessene Ich-Figur war, ein homosexueller Bauernsohn und Schriftsteller, ist jetzt ein pietätvoller Zuhörer geworden, eine Kunstfigur ohne Gegenwart. Nur aus seiner Vergangenheit klingen noch menschliche Wirrnisse herüber: die Liebe zur Mutter, der Kampf mit dem Pfarrer und sehr diskret die Eifersucht unter Knaben «mit hochrotem Kopf». Er scheint nicht mehr ganz von dieser Welt, der Eros martert ihn nicht mehr wie früher, und mit dem Tod hat er sich arrangiert. – In den Tonkrug mit dem Knochensud legt Maximilian zuunterst die Gebeine eines Mannes, der eine Jesus-Statue über einen Wasserfall geworfen hatte. Der hölzerne Jesus verlor bei dem Sturz die Arme, der Frevler verlor sie ebenfalls, zur Strafe im Hitler-Krieg. Geschichten dieser Art «berichtet der erzählfreudige Alte», der Sohn hört zu und sammelt die Toten auf. Nach und nach folgen in den Tonkrug die Knochen der Urgrossmutter, des Urgrossvaters, einer fünfzehnjährigen Selbstmörderin, dann «der in einem Schützengraben in Jugoslawien wahnsinnig gewordene Uronkel». Maximilian zählt die Totenschädel seiner Lieben, hört sich ihre tristen Geschichten an (36 an der Zahl) und bettet sie symbolisch zum ewigen Frieden auf die stinkende Knochenbrühe.

Ärgernis und Faszination

Die unglücksverliebte Egozentrik in Winklers frühen Büchern war vielen Kritikern ein Ärgernis, sie machte aber auch einen guten Teil der Faszination aus. In der Erzählung «Wenn es soweit ist» erfährt der Leser nichts über die gegenwärtige Seelenpein der Hauptfigur, dafür um so mehr über den Alltag im Dorf. Das Erzählen hat für den Autor nun einen anderen Zweck, nicht mehr den der schockierenden, ihn von seinen Wunden heilenden Selbstdarstellung. Seine neue Erzählmethode ist auch eine kunstvolle Form der oral history, sie zielt vor allem auf die Beschreibbarkeit der Welt jenseits des eigenen Bauchnabels:

«DIE BUCKLIGE Hildegard legte ihre von der Gicht gekrümmte rechte, warme Hand auf die kalten, mit einem Rosenkranz umflochtenen und zum Gebet gefalteten Hände ihres Mannes, rüttelte und schüttelte an seinem Leichnam, bis der Sarg auf dem schwarzumkleideten Katafalk zu wackeln begann, und rief wehklagend: Willi! Willi! Der Willibald, der jahrzehntelang in einem Dorf am anderen Ufer der Drau im Heraklithwerk gearbeitet hatte, war an Lungenkrebs gestorben. Mit hocherhobenen Händen und heruntergelassener Hose trat er aus der Toilette und rief: Hilde! Hilde! Hilf mir!, fiel um und war auf der Stelle tot.»

Es war diese bucklige Hildegard, die dem dreijährigen Maximilian einst seine tote Grossmutter gezeigt und ihn gefragt hatte, «ob er denn, wenn es soweit ist, wohl hinter ihrem Sarg hergehen werde». Und der Erzähler verweist die Leser augenzwinkernd auf ein früheres Winkler-Buch («ihr erinnert euch»), in dem dieselbe Szene beschrieben war. Die Gebeine der Hildegard liegen nun im Tonkrug an dreizehnter Stelle, gleich über den Knochen des Willibald.

Die antikatholischen Texte von Josef Winkler sind (nach wie vor und wider seinen Willen) katholische Literatur, faszinierend, schrecklich, pomphaft und suggestiv wie der Katholizismus selbst. Die religiösen Symbole und Metaphern hat er sich in seinen Gefechten gegen die Seelenherrschaft der Kirche so gut angeeignet, dass sie Teil seines eigenen Ausdrucks wurden. So ist die ganze Erzählung gespickt mit poetischen Konstruktionen und Lehnwörtern aus der Kirchensprache. Den Euphemismus des Titels und ähnliche rhetorische Figuren wie die von den «sterblichen Überresten» oder von der «letzten Ruhestätte» verwendet Winkler ohne explizite Ironie und mit einer Natürlichkeit, als wären es seine Kreationen. Die häufig eingeschobenen Zitate aus Gesang- und Gebetbüchern unterscheiden sich im Vokabular nicht so sehr von seinem eigenen Text, wohl aber in der Formulierungskunst.

Kindertotenpoesie

So manches erzählerische und poetische Inventar ist geblieben: die baumelnden Kalbstricke, die jugendlichen Selbstmörder im Stadel des Pfarrhofs, die sich weinend umarmen. Den Hang und das Talent zur Kindertotenpoesie hat Winkler immer noch. Aber geändert hat er die Namen des Vaters, des Sohnes und des Herrn Pfarrers. Und warum sich die beiden erhängten Jungen weinend umarmen, sagt er nicht mehr so genau wie früher. Friedfertiger ist er vor allem mit dem Vater geworden, dem er in langen Passagen das Erzählen überlässt – eine Versöhnlichkeit, in der aber noch genug Argwohn lebt, wie der letzte Teil des Buches zeigt. Da sitzt der Vater «zu Allerheiligen nach der Gräberbesprengung» mit zwei anderen Greisen am Küchentisch (der stupende Text war im Juni 97 in den «manuskripten» zu lesen), und sie reden über den Krieg und die Arbeitsscheuen, die Neger und die Türken. Wieder einmal geniessen sie «den Geschmack der Schützengrabenerde» und andere Herrlichkeiten der Gewalt, während die alte Frau und eine nervenkranke Tochter die Festtagsschnitzel bereiten. Wie Josef Winkler diese Bilder verstrickt, die häuslichen Handgriffe der beiden Frauen in der Küche und die gewaltsabbernde Lüsternheit der Greise, das ist eine Kunst, die viele Gebetbücher überdauern wird.

Über den Autor

Josef Winkler, geb. am 3.3.1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten. Nach der Volksschule besuchte er drei Jahre lang die Handelsschule in Villach. Nachdem er zunächst im Büro einer Oberkärntner Molkerei beschäftigt ist, besuchte er die Abendhandelsakademie in Klagenfurt und arbeitete tagsüber im Betrieb eines Verlags, der Karl-May-Bücher produziert, seit 1971 dann in der Verwaltung der neuen Hochschule für Bildungswissenschaften in Klagenfurt. In seiner Freizeit besuchte er germanistische und philosophische Vorlesungen. Seit 1982 ist Josef Winkler freier Schriftsteller. Er lebt derzeit in Klagenfurt. 2008 erhielt Josef Winkler den Georg-Büchner-Preis.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten

 (Was ist das?)
Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
 
(2)
(1)

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Sterne
0
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Der junge Kärntner Autor - einer der begabtesten in Österreich - rollt in seiner Erzählung das Leben am Land in Kärnten von hinten auf. "Wenn es soweit ist" ist ein Euphemismus für "Wenn ich einmal sterbe", und vom Tod - und nur vom Tod - handelt dieses Buch.
Wie die Minimal Music von Philip Glass oder Steve Reich gibt es auch bei Winkler immer wieder dieselben Schleifen, die sich sehr oft wiederholen und dadurch selsbt bei Wortgleichheit immer mehr an Eindringlichkeit gewinnen. Beim zehnten Mal möchte man die Passagen über die aus Knochenmark gewonnene Paste namens Panderpigl am liebsten schon fast auswendig mit aufsagen und kann sich ihrer perfekten Gesetztheit nicht entziehen. Sie sind neben Passagen aus Kirchenliedern und Gebeten Elemente, die den dahinfließenden Strom an Erzählungen von einem Todesfall nach dem anderen unterbrechen und ihm Struktur verleihen.
Tiefschwarz ist die Weltsicht dieses Buches und man fürchtet sich vor den Kräften, die die Ernte des Sensenmannes in diesem Buch so reich werden lassen, vor den Zwängen, den Ängsten, den dunklen Seiten der Menschen. Aber man fürchtet sich auch vor den Vertretern jener Organisation, die hier allgegenwärtig in Erscheinung tritt, der katholischen Kirche. Deren Priester tun nämlich in Winklers Buch herzlich wenig dagegen, dass die Selbstmordrate im tiefsten Kärnten offensichtlich ein Mehrfaches von der in der gefürchteten Großstadt ist.
Sprachlich ist das Buch ein absoluter Genuss. Wortwahl, Konstruktion und die verhaltene Wut des Erzählers zeichnen dieses Buch besonders aus. Was nach der Lektüre von Winklers beeindruckendem modernen Kärntner Totentanz allerdings vordringlich zurückbleibt, sind Bitterkeit und Trauer.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
In hora mortis 1. September 2005
Von F. Martin
Format:Gebundene Ausgabe
Im Mittelpunkt des literarischen Schaffens von Josef Winkler steht der Tod und seine Kulte. Daneben fühlt sich der im Jahre 1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten geborene Autor in radikalster Weise seiner Biographie verpflichtet. Das ist besonders augenfällig in seiner Erzählung „Wenn es soweit ist". Der Tod ist das vorherrschende Thema in diesem Buch. Josef Winkler folgt damit Thomas Bernhard, der einmal sagte: „Tod, das ist mein Thema". Bei Celan heißt es: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland".

Für Josef Winkler ist der Tod natürlich auch ein Meister aus Österreich. Und wie einst Bernhard leidet auch Winkler ganz allgemein unter Österreich und im Besonderen unter dem Katholizismus. Die Religion ist für Winkler dabei eine Verbündete des Todes, weil sie das Leben einschränkt. Der „Autor des Kälberstricks" kann sich aber der beunruhigenden Faszination der von ihm gehaßten Religion nur schwer entziehen. Für Josef Winkler mag die „Literatur als Therapie" (nach einem Buchtitel von Adolf Muschg) dienen. Der dem Todeskult verhaftete Autor ist gleichwohl schockiert: "Warum kann ich nicht erzählen wie jeder andere, beschreiben, wie jeder andere, beschreiben wie jeder andere beschreibt."

In der Erzählung „Wenn es soweit ist" kehrt Josef Winkler zu seinen Wurzeln zurück. Wie in seiner Kärnten-Saga der späten 1970er und 80er Jahre („Das wilde Kärnten, 1979 - 1982, „Die Verschleppung", 1984, „Der Leibeigene", 1987) macht sich Winkler auch mit „Wenn es soweit ist" zum Chronisten seines Heimatdorfes Kamering. Das verwundert schon. Wollte sich Josef Winkler doch von dieser katholischen Dorfkultur über den Weg der Literatur befreien, sich mit Hilfe der Literatur die Seele vom Leib schreiben?

Seine Leser durften vermuten, dass ihm dies mit seinen Romanen „Friedhof der bitteren Orangen" (1993) und „Domra" (1996), beide Bücher führten endlich weg von Kärnten nach Rom bzw. Indien, auch gelungen sei. Doch diese Erzählung beweist es: eigentliches Thema seines Schreibens ist und bleibt sein Heimatdorf Kamering. In hora mortis: Josef Winkler wird dort sein.

Im Zentrum der Erzählung „Wenn es soweit ist" finden sich also die für Josef Winkler so zentralen Themen: Tod, Kirche und Sexualität. Und wie üblich schreibt der Autor in der ihm gewohnte litaneiartige, rhythmisierte Sprache. Das setzt Leseerfahrung zwecks eines besseren Verständnisses des Textes voraus. Wie auch bei Bernhard wirken die ständigen Wiederholungen bei Winkler nicht redundant, sondern entfalten einen ganz eigenen Sog.

Erzählt wird in „Wenn es soweit ist" von dem Knochelköhler Maximilian, der die Gebeine von Verstorbenen in einer Knochenmühle zu einem pechartigen Geschichtensud verrührt. Mit Knochensud strichen die Bauern einst die Nüstern und Augen der Kühe und Pferde ein, um sie vor den Insekten zu schützen. Maximilian verwertet hierfür die Rest der Toten aus einem Dörfchen in Kärnten. Damit verarbeitet er auch deren Geschichten. Es sind groteske Tode, die er zu dokumentieren hat: vom Autobus zerquetscht, vom Kreuz erschlagen, im Fluß ertrunken, im Kriegsgetümmel zerfetzt, am Kälberstrick erhängt, am Knochenschwund qualvoll verreckt. Der Tod kommt schnell in Kärnten. Und er kennt kein Erbarmen. Mitunter möchte man Maximilian zurufen: Hör auf! Der schwarze Knochensud droht ob der Vielzahl der Knochengerüste überzukochen. Doch der Knochelköhler zeigt sich davon unbeeindruckt. Er lässt das stinkende Gebräu weiter brodeln.

Für sein Buch „Wenn es soweit ist" wurde Josef Winkler im Juni 2005 im Madrider Circulo de Bellas Artes mit dem „Premio Lateral" für ausländische Autoren ausgezeichnet. Der Preis der spanischen Zeitschrift „Lateral", in der auch zahlreiche Literaturnobelpreisträger schrieben, geht an literarische Werke, die zuvor nicht die angemessene Auszeichnung erfahren haben. Die Jury hob besonders die direkte und teilweise sehr harte Sprache der Erzählung hervor. Robert Juan-Cantavella, stellvertretender Chefredakteur der „Lateral" und Mitglied der Jury, erklärte: „Die Erzählung, die jetzt ins Spanische übersetzt worden ist, gilt für mich als ein weiterer Beweis dafür, dass Josef Winkler unter den vielen Nachahmern der einzig wahre Erbe von Thomas Bernhard ist". Der Preisträger, nach eigenem Bekunden zwar ein glühender Bewunderer der Werke von Jean Genet und Hans Henny Jahn, dürfte sich über diesen Vergleich gefreut haben. Zwischen Bernhard und Winkler gibt es tatsächlich zahlreiche Parallelen. So stehen beide in der Tradition des Heimatromans. Der Essayist Friedbert Aspetsberger bemerkt zu Josef Winkler: „Das sich-zu-Tode-Schreiben erhält das Leben". Das traf auch auf Thomas Bernhard zu. Er hat es selbst notiert: „Was wir aufschreiben ist der Tod".

War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Bigotte Gemeinschaft 8. August 2008
Format:Taschenbuch
Zweifellos, Winkler schreibt hier große Literatur. Zweifellos ist auch der Zugang schwierig; das liegt nicht am Thema, dem Tod, sondern am eindringlichen Rhythmus der Erzählung. Laut lesen hilft aber und erleichtert ungemein den Zugang, erschließt die Präzision der grammatikalischen Konstruktion!
Es wird eine Welt beschrieben, die nicht nur zeitlich und räumlich den meisten mir bekannten Menschen unbekannt sein dürfte. Es wird eine Gemeinschaft vorgestellt, wie sie sich Ferdinand Tönnies, der große Soziologe, wohl nur entkleidet von jeglicher individueller Autonomie hat vorstellen können. Warum ist diese Gemeinschaft so bigott? Warum drängt sich beim Lesen immer mehr der Eindruck auf, dass die Welt vielleicht so fern doch nicht ist, dass dieser hier waltende Gott angeklagt werden muss.
Und in der Tat, ich habe die Lektüre als Anklage und Klampf verstanden: unbarmherzig, leidenschaftsvoll und absolut ironielos.
Der berühmte amerikanische stand-up-comedian George Carlin hat die Anklage lustig-verblüffend formuliert: "Die Religion hat den Menschen überzeugt, dass im Himmel ein unsichtbarer Mann wohnt, der alles sieht, was man tut - immer, jeden Tag und jede Minute. Dieser Mann hat eine Liste erstellt von zehn Dingen, die man nicht tun soll. Tut man sie aber doch, dann hat er einen besonderen Ort mit Feuer und Rauch und Falmmen und Folter und Angst. Dorthin schickt er einen, damit er für immer dort leidet und brennt und erstickt und schreit und weint, bis an das Ende aller Zeiten .... Aber ER liebt dich!"
Josef Winkler fehlt diese Distanz, das macht seine beschriebene Welt noch entsetzlicher. Aber haben die Taliban, die Anhänger des intelligent designs und andere religiösen Fundamentalisten das Menetekel dem Liberalismus, der modernen Gesellschaft, nicht schon neu gezeichnet? Ein Weg zurück in die Zukunft scheint zur Zeit an einer Kreuzung der neuzeitlichen Entwicklung global ausgefochten zu werden.
Das Leiden an der fundamentalistischen Religiosität wird von Winkler ganz ohne politische Ambitionen plastisch und in seiner Monotonie und Verrohung erschreckend geschildert. Sein persönliches Schicksal, das er offenbar literarisch aufarbeitet, ist allgemeiner als seine Erzählung zuerst vermuten lässt. Entlässt man Maximilian, den Protagonisten der Erzählung aus Kamering, dem Heimatdorf Winklers, dann ist ein Dorf in North Carlina oder Afghanistan mit ganzen anderen Augen zu sehen.
Fazit: Dieses Buch hilft durch einen Blick zurück die Welt heute und morgen besser zu sehen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:





Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar