Eine wunderschöne Geschichte, die meine Lust auf den Frühling und die ersten Sonnenstrahlen, die ich ohnehin schon verspürte noch stärker machte. Der herrlich beschwingte und fröhliche Schreibstil von Astrid Ruppert bereitete mir gute Laune und sorgte für eine große Portion Glücksgefühle. Manche der Zeilen flattern vorbei wie ein Schmetterling, lassen sie sich nur kurz nieder um Luft zu holen um dann weiter in die Welt hinauszufliegen. Sie bewirken jedoch ganz unauffällig einen nachhaltigen Effekt beim Leser, lassen ihn nachdenklich werden und über seine eigenen Träume philisophieren.
Die junge Liz, die nach dem erschreckenden Ereignis, bei dem sie ihren eigentlich Zukünftigen und ihre bis dato beste Freundin in flagranti erwischt, den Entschluss gefasst hat, ihr Hobby zum Beruf zu machen, ist mir auf Anhieb sympathisch. Sie wird von der Autorin als sehr lebendig, farbenfroh und herrlich chaotisch beschrieben. Sie gleicht einer Beschreibung von Mary Poppins, die einen gewissen Zauber & Charme in die Geschichte einhaucht. Der Enthusiasmus, den Liz am Anfang der Geschichte besitzt, steckt einen nahezu an und scheint sich auf den Leser zu übertragen. Doch auch die zweifelnde und nachdenkliche Seite von Liz geht mir ans Herz, packt sie den Realismus des Lebens direkt an den Haaren. Das lässt den Charakter der Figur bodenständig und real erscheinen und verleiht der Geschichte eine sympathische Note.
Annemie Hummel ist eine ältere Dame, wie wir uns alle eine Oma wünschen. Fürsorglich, ummutternd, herzlich. Die kleinen Marotten, die sie sich im Verlaufe ihres Lebens angeignet hat, machen sie nur noch liebenswürdiger. Man leidet mit ihr, versteht warum sie sich in die Routine ihres Alltags stürzt und davon nicht abweichen möchte. Ist es die Angst vor Veränderung und ihre Art, mit der Enttäuschung, die sie verspürt wenn sie über ihr bisheriges Leben nachdenkt, umzugehen. Hatte sie doch ganz andere Vorstellungen vom Leben. Alles sollte anders laufen, schöner, romantischer, gefühlvoller. Die Herausforderung, Liz in ihrer Agentur zu vertreten gilt anfangs als zu groß. Sie fühlt sich ihr nicht gewachsen und unterschätzt sich. Ihre Mutter hat es ihr gelehrt, realistisch zu sein und ihre Zeit nicht damit zu verschwenden, sich Träumen hinzugeben. Doch offenbart sich diese Situation als ein Geschenk des Himmels, das ihr den Zugang zu ihrem wahren Ich verschafft und sie an der Herausforderung wachsen lässt. Viel mehr als sie vermutet...
Nina Winter erinnert mich fast ein bisschen an mich selbst. Sie scheint genau zu wissen wo sie hin und was sie erreichen will. Durch schmerzhafte Erfahrungen in ihrer Vergangenheit hat sie gelernt, sich eine Art Schutzhülle aufzubauen, die sie von äußeren Einflüssen schützen soll und sie deshalb den Anschein macht, sehr stark zu sein. Ihre auf den ersten Anschein so harte Schale verbirgt gefühlvolle und unsichere Seiten, die sich nur schwer zum Vorschein locken lassen. Dem Druck, den sie als Juwelierstochter unterliegt muss sie schließlich irgendwie Stand halten. Während der Geschichte fällt immer mehr das Harte an ihr ab und der weiche Kern kommt zum Vorschein. Eine Entwicklung, die der Leser schmunzelnd und unterhaltend verfolgen kann.
Der Weg, für den sich die Autorin entschieden hat, diese Menschen einander kennenlernen zu lassen, gefällt mir auf Anhieb. Er ist scheinbar unauffälig und wirkt dadurch so besonders. Man bemerkt mit der Zeit, wie immer mehr Menschen Teil der Geschichte werden und sich wie Puzzleteile aneinandersetzen. Die Geschichte wird durch ihre vielen Wendungen und Ereignisse sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. Ist die Entwicklung der einzelnen Situation nicht immer vorhersehbar und doch irgendwie naheliegend. Die Autorin spielt förmlich mit uns: wie wirbelt unsere Gedanken durcheinander und lässt unserer Fantasie freien Lauf. Einfach wunderbar und keineswegs kitschig oder abgedroschen!