Wer kennt das als Eltern nicht: das Kind möchte schon mehr, als man ihm erlauben oder zutrauen kann. Wie geht man dann damit um? Soll man es trotzdem erlauben? Soll man vertrösten auf später? Soll man es klipp und klar verbieten?
Marcus Pfister zeigt in seinem neuen Nils-Buch konstruktive Umgangswege mit diesen Fragestellungen. Ob der kleine Nils nun Kaffee trinken, Zeitung lesen, sich rasieren, radeln, einkaufen oder kochen mag: der Vater geht verständnisvoll mit seinen Wünschen um, ohne ihm alles zu erlauben und ihn damit vollends zu überfordern. Ganz nett ist dann schließlich die Wendung zum Ende der Geschichte (mit Mittagsschlaf und Eisenbahn spielen); denn da ist der kleine Nils mal der Große und die Rollen sind geklärt. Ein ausgesprochen liebenswertes Kinderbuch, das in einer ansprechenden Weise die aktuelle Diskussion um das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern bzw. umgekehrt aufgreift und jedem seinen Platz lässt, ohne hierbei unsinnige Machtbeziehungen heraufzubeschwören. Marcus Pfister plädiert hier für einen guten, respektvollen, entwicklungsbezogenen Umgang miteinander. Dass er hier die Vater-Sohn-Beziehung in den Vordergrund stellt, stellt eine hilfreiche Stütze für das in den letzten Jahrzehnten so veränderte Rollenverhältnis dar.
Die Bilder selbst in dem in einem kindgerechten Format präsentierten Buch fokussieren die beiden Hauptfiguren und prägen eine wohltuende Beziehung zueinander: Hippo und sein Vater sind mit schwarzen Linien klar abgegrenzt gezeichnet und doch werden sie in inniger Beziehung und in klaren Größenunterschieden dargestellt. Gestik und Mimik sind klar akzentuiert. Lediglich bei der Szene, in welcher Hippo zur Kaffeetasse greifen will, könnte durch die perspektivengemäße Überzeichnung der Hände bzw. Pfoten etwas erschreckend wirken.
Der Text selber ist immer auf weißem Grund und in angemessener Schriftgröße gedruckt, so dass man das Buch leicht auch in der Dämmerung noch lesen kann.
Ein ungewöhnlich verbindendes Buch, welches in jedes Kinderzimmer gehört - und hoffentlich auch von vielen Vätern und Müttern gelesen wird. Vielleicht wird es auch in Kindergärten eine hilfreiche Anwendung finden, wenn es um die tägliche Auseinandersetzung mit Entwicklungsfortschritten und dem angemessenen Eingehen auf die Kinder geht.