Maxim Billers 1990 erschienene Kurzgeschichtensammlung "Wenn ich einmal reich und tot bin" ist noch immer eines der besten Erzählwerke jüngerer deutscher Autoren. Der Titel lässt erahnen, worauf es damals hinaus lief: In der Ellipse deutet der Autor an, wovon er mit seinem Schaffen träumt: Reich und... berühmt, tot und .... berühmt. Und gerade recht für einen zornigen jungen Mann. Mit diesen Stories hätte es der Autor bei mir geschafft. Er ist berühmt!
Insgesamt enthält der Band 13 Kurzgeschichten. Sie sind unterschiedlich, doch wirklich herausragend sind "Rosen, Astern und Chinin", eine persönliche Skizze zu einer Mutterfigur, "Horwitz erteilt Lbin eine Lektion", die knallharte Beziehung eines Rentners zu seinem Haustier, "Cilly", der ganz normale Fiebertraum einer verwöhnten Teenagerin und über allem "Harlem Holocaust", das absolute Meisterwerk, eine längere Erzählung über Literatur, Liebe und jene kleinen Verrate an anderen und sich selbst, die einem so zu schaffen machen.
Maxim Biller hat sich seitdem von Erzählungen abgewandt. Der Skandal um "Ezra" scheint ihn lange fast paralysiert zu haben. Dabei wünschte man sich, dass seine Unbedenklichkeit zurück kehrt und er endlich wieder mit einigen Erzählungen vom Leder zieht, wie nur er deutsches Leben erfassen kann. Der Simon and Garfunkel Song: "Where have you gone, Joe DiMaggio...?" kommt einen in den Sinn. Wo ist er, und zeigt uns wieder, wo wir stehen, so intelligent aber auch so schwierig wie es ist?