Ein Sohn aus reichem Hause mit Zwangsneurosen, eine medikamentensüchtige Polizistin, Menschenhandel, Prostitution, gesellschaftliche Probleme, kriminelle Machenschaften bei der Polizei. Zoe Beck lässt in ihrem Thriller so gut wie keinen menschlichen Abgrund aus, übertreibt dabei aber nicht, so dass die Geschichte immer in sich stimmig und glaubwürdig bleibt.
Das Buch hat zwei Handlungsstränge: einen in der Vergangenheit spielenden in Berlin, der immer wieder in den in der Gegenwart handelnden in Schottland eingestreut wird. Viele "Seitenstränge" werden zum Teil erst am Ende verknüpft und ergeben ein rundes und gelungenes Ende.
Elizabeth George oder Val McDermid - hier als zwei Beispiele für erfolgreiche Krimi-Autorinnen genannt - müssen sich warm anziehen. Während in deren Krimis meinem Geschmack nach oft unnötig langatmige Passagen enthalten sind, kommt Zoe Beck in ihrem atemberaubenden "Wenn es dämmert" schnell auf den Punkt. Sie verliert sich nicht in langatmigen Beschreibungen, bläht ihre Geschichte nicht künstlich auf, sondern sorgt für durchgehende Spannung. Von der ersten Seite an mitten im Geschehen mag man das Buch erst weglegen, wenn die letzte Seite gelesen ist.
Lediglich die sehr kleine Schrift hat mein Lesevergnügen doch gemindert, selbst mit Lesebrille hatte ich Schwierigkeiten beim Lesen. Da darf der Verlag gerne beim nächsten Buch eine Schriftgröße zulegen.
Zoe Beck ist für mich eine der Neuentdeckungen im Krimi/Thrillergenre dieses Jahres. Ich warte jetzt schon mit Spannung auf ihr nächstes Buch!