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In einem der ungewöhnlichsten Bücher dieses Jahrhunderts zeigt sich Italo Calvino von seiner gewohnten Seite, nämlich als Schelm durch und durch: Er spielt mit Erzählhaltungen und Genres (vom Agententhriller bis hin zum pornographischen, phantastischen oder metaphysischen Roman), entwickelt nebenbei eine Philosophie des Lesens und fabuliert darüberhinaus, daß sich die Balken biegen. Mögen die Literaturwissenschaftler auch etwas von "postmodernem Roman" raunen und "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" diesbezüglich als Fundgrube preisen, dem Lesevergnügen tut das keinen Abbruch, sobald man sich eingelassen hat auf dieses grandiose Verwirrspiel mit Schein und Wirklichkeit. Calvino macht uns Leser ebenso offensichtlich wie hinterlistig zu seinen Co-Autoren, die in ihrer Phantasie an jenen zehn Textflicken weiterweben, die ja vielleicht tatsächlich aus einem einzigen, unermeßlichen Erzählteppich stammen, in dem alle vorstellbaren Geschichten versponnen sind.
Die einzige Geschichte, die schließlich ein Ende zu finden scheint, ist jene von Leser und Leserin -- aus den Zwischenkapiteln entwickelt sich der eigentliche Roman. Die beiden heiraten und verbringen die Hochzeitsnacht mit leidenschaftlicher -- na, was wohl! -- Lektüre. --Christian Stahl
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Locker und tiefsinnig,
Rezension bezieht sich auf: Wenn ein Reisender in einer Winternacht. SZ-Bibliothek Band 50 (Gebundene Ausgabe)
Ich äußere mich hier bei Amazon nur gelegentlich, aber diesmal muss es sein. Die bisher negativen Bewertungen dürfen nicht ohne Widerspruch bleiben. Für mich ist dies eins der besten Bücher aus der SZ-Bibliothek, wenn nicht das beste.Ich kannte Calvino vorher nur dem Namen nach, aber inzwischen lese ich alles von ihm, was ich kriegen kann. Warum? Calvino ist - nicht nur für mich - ein Zauberer der Literatur, ein Philosoph, dem das Schwerste gelingt, nämlich scheinbar Sprödes, Bedeutungsschweres mit magischer Leichtigkeit darzustellen. Wenn ich sage, dass es in diesem Buch unter anderem um die Philosophie des Schreibens und Lesens geht, um das Verhältnis von sogenannter Realität und Kunstwerk, dann rufe ich damit wohl ein Aufstöhnen hervor: dazu lesen wir keine Romane. Aber Calvino macht daraus ein wunderbar lockeres Spiel, ohne banal zu werden. Erzählen kann man den Inhalt nicht, man muss sich auf die Wendungen und Sprünge des Buches einlassen. Aber wer Sinn hat für ernste Scherze, wer dazu die ironische Kunstfertigkeit Calvinos genießen kann, der mit großer Selbstverständlichkeit ganz verschiedene Schreibweisen beherrscht, der wird das Buch mit dem Gefühl aus der Hand legen, eine Entdeckung gemacht und einen Schriftsteller kennengelernt zu haben, wie es in Deutschland keinen gibt. Und fast nebenbei viel über sich als Leser erfahren zu haben. (Und wer will, kann noch vieles andere finden, auch Tiefsinniges) Also: unbedingt probieren. Und wenn man wirklich eine andere Wellenlänge hat - das merkt man dann schon. Aber die Gefahr. etwas zu versäumen, ist größer. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
schrecklich gut,
Von
Rezension bezieht sich auf: Wenn ein Reisender in einer Winternacht: Roman (Taschenbuch)
Ich verstehe jeden, der dieses Buch entnervt zur Seite legt und doch liebe ich es. Ein witziges, selbstironisches Puzzle in dem sich die Geschichten und die Rahmenhandlung (Über einen Leser, der diese Geschichten liest) in einander verknoten, bis man selber verknotet ist.Stellen Sie sich vor sie kaufen ein Buch und stellen nach 30 Seiten fest, dass es falsch gebunden ist und nur immer wieder die ersten 30 Seiten enthaelt, die Sie schon gelesen haben. Als Sie das Buch umtauschen wollen, stellen sie fest, dass es nicht nur falsch gebunden war, sondern gar nicht die Geschichte enthielt, die sie eigentlich lesen wollten. Und so geht es weiter, von einer angefangen Geschichte zur naechsten, nur das sich die Geschichten anfangen aufeinander zu beziehen. Das Buch selber scheint zu leben, Rauch zieht über die Seiten, der Leser wird direkt angesprochen, selbst der Akt des Buchkaufs taucht im Buch auf (Nachdem man sich an den Büchern, die man schon immer lesen wollte, an den Büchern, die man immer schon vorgegeben hat, gelesen zu haben und einigen weiteren Abwehrringen vorbeigemogelt hat). Je weiter man vordringt, desto stärker hat man den Eindruck in einer Art Verschwörung zu versinken. Doch zum Schluss liegen der Leser und die inzwischen aufgetauchte Leserin zusammen im Bett und ... lesen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großer Klassiker !,
Von Comte de Jouvancourt (Starnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Wenn ein Reisender in einer Winternacht: Roman (Taschenbuch)
Ein unglaublich packendes und verwirrendes Buch. Man wird davon als Leser aus der Bahn geworfen! Italo Calvino baute keine durchgehende Geschichte auf, sondern reiht zehn Roman Fragmente aneinander, die durch eine Rahmenhandlung untereinander verbunden sind. In diesem Rahmen geht ein Leser in einen Buchladen und kauft sich ein Buch. Er fängt an zu lesen, doch plötzlich geht es auf Grund eines Druckfehlers nicht weiter. Es beginnt eine abenteuerliche Odyssee auf der Suche nach einer korrekt gebundenen Ausgabe, während der er in verschiedene andere Bücher hineinliest um das richtige zu finden. In dieser Rahmenhandlung merkt man, wie der Autor mit den Erwartungen seiner Leser spielt, er spricht sie sogar direkt an, man ist total eingebunden. Man fühlt sich ertappt, aber auf angenehme Weise, denn der Ton ist stets amüsant und verständnisvoll zugleich.Diese Fragmente sind ziemlich verschieden und leider immer viel zu früh zu Ende: man hat immer wieder Lust auf mehr, bleibt unbefriedigt. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine große Herausforderung, sich den Rest der Geschichte selber auszumalen bzw. sie einfach auf sich wirken zu lassen. Worauf man sich immer verlassen kann, ist, dass das nächste Fragment noch eins draufsetzt, noch wahnwitziger und noch spannender ist - das ist der Strohhalm, an dem man sich festhält! Es ist erstaunlich wie schnell es Calvino gelingt, den Leser mit den vielen neuen Situationen vertraut zu machen und ihn immer wieder in seinen Bann zu ziehen. Darin zeigt sich das großartige Erzähltalent und es macht riesigen Spaß, dieses Buch zu lesen. Es gibt eine gewisse spürbare Interaktivität, der Leser wird gefordert, kein Buch zum abchillen! Absolut empfehlenswerter Klassiker! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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