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Wenn du wiederkommst: Roman [Taschenbuch]

Anna Mitgutsch
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

11. Oktober 2011
Das berührende Porträt einer wechselvollen, intensiven Liebe

Sie wollten vernünftig lieben, mit Maß und Respekt. Leidenschaftlich und doch voller Achtung für die Freiheit des anderen. Ein ganzes Leben haben Jerome und die namenlose Erzählerin gebraucht, um ein Liebespaar zu werden, das den eigenen hohen Ansprüchen genügt. Doch dann stirbt Jerome plötzlich, und die Erzählerin versucht mit einer eindringlichen, bewegenden Totenklage, das Versprechen eines Neuanfangs einzulösen, über den Tod hinaus. Gegen die oft unfreiwillig komischen gesellschaftlichen Rituale des Trauerns, gegen die Verwandtschaft, die sie nie als die »Lebensfrau« Jeromes akzeptieren wollte, gelingt ihr das wahrhaftige Porträt einer von Enttäuschungen und Verletzungen nicht verschont gebliebenen, lebenslangen, großen Liebe.


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Produktinformation

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (11. Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442742021
  • ISBN-13: 978-3442742028
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 243.288 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Anna Mitgutsch beweist ihre Meisterschaft, wenn es gilt, sprachgewaltig nach dem Unsagbaren zu greifen: Eine Orpheus-Geschichte, allerdings ohne Wiederkehr, in welcher der Tote nur durch Worte wieder wachgerufen wird.“ (Wiener Zeitung)

„Einfühlsam erzählt Mitgutsch vom existenziellen Drahtseilakt zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Unrast und diffusem Heimweh. Atmosphärisch dichte Beschreibungen des amerikanischen Alltags untermalen ihre meisterhafte Psychodiagnostik der Trauer.“ (Neue Zürcher Zeitung)

"'Wenn du wiederkommst' ist ein beeindruckendes Tagebuch der Trauer, eine Anatomie des Todes, ein souverän verfasster Cantus, bei dem selbst die Dinge des Alltags zu rätselhaften Chiffren des Abschieds werden." (Profil)

Über den Autor

Anna Mitgutsch wurde in Linz geboren. Sie unterrichtete Germanistik und amerikanische Literatur an österreichischen und amerikanischen Universitäten, lebte und arbeitete viele Jahre in den USA. Sie erhielt für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Solothurner Literaturpreis. Seit 1974 verfasste sie zahlreiche Essays zur Gegenwartsliteratur. Sie übersetzte Lyrik, u. a. Philip Larkin, verfasste einen Essayband "Erinnern und Erfinden" und neun Romane, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Zuletzt erschienen bei Luchterhand die Romane "Familienfest", "Zwei Leben und ein Tag" und „Wenn du wiederkommst“.

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29 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Heike G HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Niemand wird mir die Erinnerung nehmen können an alles, was uns, unsichtbar für die anderen, zu einem Paar gemacht hat, vielleicht zu keinem Ehepaar nach dem bürgerlichen Gesetzbuch, zu keinem Liebespaar im Sinn trivialer Mythen, dafür war zuviel Trennendes geschehen, aber auch nicht zu einem bloßen Freundespaar, wir waren Mann und Frau nach unserer eigenen Definition." Mit diesen, teils verbitterten, teils verzweifelten Worten kämpft die Protagonistin in Anna Mitgutschs neuem Roman um die Anerkennung ihrer 35-jährigen Liebe zu ihrem geschiedenen Ehemann Jerome, dem sie sich immer noch tief verbunden fühlt. Nach fünfzehn Jahren der Trennung, in denen sich beide allerdings nie ganz aus den Augen verloren, sind sie wieder zueinander zurückgekehrt, dieses Mal "nicht mehr auf der Flucht und auf der Suche, aneinander vorbei und voneinander weg." Doch der zarte Neuanfang wird abrupt beendet, denn Jerome stirbt plötzlich. Die Ich-Erzählerin steht auf einmal mit einem Wust an ungeklärten Fragen vor einer großen emotionalen Leere.

Trennung und Tod gehören unbestritten zu den schwierigsten seelischen Erfahrungen eines Menschen. Am Anfang stehen Schock und Verleugnung. Leere und Schmerz nehmen von der Seele Besitz, beherrschen das ganze Wahrnehmen und Denken. Später brechen schmerzhafte Gefühle auf, Rat- und Hoffnungslosigkeit, Angst vor der Einsamkeit, vielleicht auch Schuld. Der Körper antwortet mit Unruhe oder Erschöpfung. Man kann sich nicht mehr konzentrieren, isst und schläft zu wenig, zieht sich von der Außenwelt zurück oder stürzt sich in verschiedenste Aufgaben. Erst langsam findet der Betroffene wieder zu sich selbst, orientiert sich neu in seinem Ein-Personenstück mit dem Namen "Anatomie der Trauer".

Genau diese Phasen durchlebt auch Anna Mitgutschs Protagonistin. Wie ans Ufer geschwemmtes Treibgut kommt sie sich vor, "farblos, morsch, ausgelaugt und unfähig, das Leben wieder aufzunehmen." Familie und Freunde ihres jüdischen Mannes sind ihr in ihrem Leid keine Hilfe, im Gegenteil: sie erfährt keine Akzeptanz. Teilweise wird ihr sogar Verachtung entgegengebracht, da sie diejenige war, die vor fünfzehn Jahren das gemeinsame Haus in Boston, ihren Mann und ihre Tochter Ilana verließ. Doch: "Wir hatten nur ein Leben, es war zu kurz für alles, was wir von ihm erwarteten. Also mußten wir auseinanderrücken, damit das, was wir brauchten, darin Platz fand"

Gibt es den letzten Augenblick vor dem und einen Zugang zum Tod? Kann man sich ihm nähern? Wie nimmt man ihn wahr? "Wie folgt man einem geliebten Menschen in den Tod, ohne das Leben zu verlieren? Wie holt man ihn zu sich zurück?" Fragen über Fragen türmen sich auf. Erinnerungen an scheinbare Nebensächlichkeiten werden auf einmal kostbar. Aber auch die Furcht sie zu verlieren, ist allgegenwärtig.
Doch letztendlich findet die Protagonistin der österreichischen Autorin aus ihrem emotionalen Ausnahmezustand heraus und wieder ins Leben zurück.

Anna Mitgutsch hat einen ergreifenden, wortgewaltigen und zutiefst emotionalen Roman geschrieben, dessen Töne "wie Wellen aus Licht und Farbe" den Leser durch die Seiten tragen. Aus vielen Erinnerungssplittern, Bildern und vergangenen Augenblicken versucht sie, ein abrupt zu Ende gegangenes Leben zu rekonstruieren, Fragen zu beantworten und "Verfehlungen" zu analysieren. Mit tiefen menschlichen Innensichten voller suggestiver Sinnlichkeit, atmosphärisch dichten Örtlichkeitsbeschreibungen und dem unvergleichlichen, ruhigen, rhythmischen Fluss ihrer Sprache, der mitunter zu einem melancholischen Parlando auswächst, ist ihr ein wunderbarer Roman gelungen. Auf verschlungenen, immer wieder unterbrochenen Pfaden analysiert Anna Mitgutsch das Leben ihrer Protagonistin an der Seite von Jerome. Letztendlich geht es um die Unvollkommenheit des Menschen: im Leben wie in der Liebe, jedoch ohne zur Abrechnung zwischen Mann und Frau zu geraten.

Fazit:
Auch wenn Anna Mitgutschs neuer Roman den Tod eines geliebten Menschen zum Inhalt hat, so ist er doch ein hochpoetisches und komplexes Plädoyer für das Leben. Trauer, Tod, Erinnerung und Sehnsucht, Liebe und Schuld, Resignation und Aufbruch sowie Wahrung der eigenen Identität sind die Themen, die die Autorin auf der einen Seite voller Leichtigkeit, auf der anderen mit großem Tiefgang verarbeitet. Und wie nebenbei gibt sie einen kleinen Einblick in jüdisches Emigrantenleben in Boston, ergänzt durch einen kleinen Glossar jüdischer Begriffe am Ende des Buches.

"Ich weiß, es war nur unsere kleine, für andere bedeutungslose Welt, die der Tod ausgelöscht hat, aber für uns war sie groß und umfassend wie das Universum." (aus "Wenn du wiederkommst")
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der neue Roman von Anna Mitgutsch ist ein überwältigendes Zeugnis eines großen Verlustes, ein Zeugnis von der Macht des Todes, der Schwere der Trauer und vor allen Dingen immer wieder ein Zeugnis der Hoffnung auf Leben und darauf, dass es trotz allem einen Sinn hat.

Fünfzehn Jahre war die ich-erzählende Protagonistin des Romans, in die sicher viele persönliche Erfahrungen der Autorin zusammengeflossen sind, von ihrem geliebten Mann Jerome getrennt. Seit 35 Jahren liebt sie ihn, doch irgendwann haben sie sich getrennt, doch nie ganz aus den Augen verloren.

Nun sind sie zueinander zurückgekehrt, spüren, wie stark ihre Liebe noch ist und beschließen, nach einem weiteren Aufenthalt der Protagonistin in Europa es noch einmal mit einem Zusammenleben zu wagen. Dieses Mal wollen sie es versuchen "nicht mehr auf der Flucht und auf der Suche, aneinander vorbei und voneinander weg".

Doch kaum haben sie sich wieder angenähert, voller Hoffnung und Zuversicht, da stirbt Jerome. Das, was Anna Mitgutsch nun über 250 Seiten und über den Zeitraum eines ganzen Jahres erzählt, ist so etwas wie eine Anatomie der Trauer. Von der ersten Phase des Schocks und des Nicht-Wahrhabens, über den Schmerz und die Wut, bis zum langsamen Akzeptieren des Todes, das aber immer damit rechnet: "wenn du wiederkommst".

Die Familie und die Freunde ihres jüdischen Mannes, denen sie in großer Zahl vor allem in den Tagen der Schiwa begegnet, sind ihr keine Hilfe, denn sie wird nicht wirklich als Jeromes Frau anerkannt. Sie steht mit einer Unmenge ungeklärter Fragen allein. Anna Mitgutschs Sprache ist leicht und hat trotzdem einen großen Tiefgang. Sie lotet eine ganze Gefühlswelt aus, die einen trauernden Menschen umfängt. Dabei sind ihre Erinnerungen an das gemeinsame Leben mit Jerome, die das ganze Buch ausfüllen, ihr kostbarster Schatz, aus dem sie schöpft. Aber auch die Angst zu verlieren ist groß: "Ich sitze auf der Bank mit meiner von der Zukunft abgeschnittenen Vergangenheit, und das Leben erscheint mir wie ein unergründliches, mit der Fremdheit des Todes versiegeltes Geheimnis, vor dem mir schaudert."

Doch sie geht schreibend durch diesen Schauder hindurch, findet wieder zum Leben und zu der Erkenntnis, dass das Leben unvollkommen ist: "Das Leben, das wir uns am Ende vorstellten, als keine Zeit mehr blieb, war nur ein kurzer Blick auf das Versprechen, wie es von Anfang an hätte sein können."

Man liest diesen Roman atemlos, berührt und erschüttert, und es kann gar nicht ausbleiben, dass das eigene Leben und die vielen genutzten und verpassten Gelegenheiten zur Liebe auftauchen. Leben und lieben wir jetzt, verschieben wir nichts auf später, dann kann es zu spät sein.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
"Wer für den Tod Metaphern findet, war ihm nie wirklich nah genug" heißt es im neunten Roman der österreichischen Schriftstellerin Anna Mitgutsch. Dass sie aus Erfahrung spricht, wenn sie über den Tod und Trauer schreibt, ist offensichtlich.
Die Autorin kann Gefühle in Worte fassen, wie sie treffender nicht sein könnten. Prägnant, dennoch ausführlich, lässt sie die Protagonistin Anna ihre Gefühle formulieren, eindringlich und unverhüllt, selten larmoyant.
Vor dreißig Jahren haben sich Anna und Jerome auf einem Flug kennen gelernt. Eine tiefe Liebe und vertraute Nähe verband sie über diese Zeitspanne hinweg, auch wenn sie sich immer wieder trennten, weil ihre Beziehung den eigenen hohen Ansprüchen nicht zu genügen schien. Ein ehrlicher, respektvoller und leidenschaftlicher Umgang, der dennoch die Freiheit des anderen gewährleistete, war für beide stets höchstes Ziel. Doch erst kurz bevor Jerome unerwartet stirbt, scheint es, als wäre ein Neuanfang der Beziehung möglich, in der sie diese hohen Erwartungen erfüllen könnten.
Durch den Tod Jeromes stürzt Anna in eine Tiefe von Trauer und Sehnsucht. Verzweifelt versucht sie, gegen die Realität des Todes an zu kämpfen als könne sie ihn, den wichtigsten Menschen für sie und ihre gemeinsamen Tochter Ilana, durch größte Hingabe und Anstrengung zurückholen.
Der Leser begleitet Anna von der letzten Begegnung mit Jerome bis nach dem ersten Todestag ein gutes Jahr später. Wer bereits selbst einen Verlust eines geliebten Menschen erlitten hat, kann Annas Trauer nachvollziehen, fühlt sich verstanden und in seinen eigenen Gefühlen bestätigt. Dem Leser, der selbst noch keinen nahestehenden Menschen verloren hat, vermittelt die Autorin eine klare Vorstellung von Trauer und Sehnsucht.
Anna Mitgutsch gelingt es, eindrücklich darzustellen, welche Spuren der erfahrene Tod unter den Lebenden hinterlässt, wie sich Schmerz und Verlust artikulieren, was die Hinterbliebenen bewegt und beschäftigt und wie der erfahrende Tod den Menschen in seinem Denken und Handeln verändert und prägt.
Wer möchte, kann an dieser Stelle den Rat herauslesen, sich über die Endlichkeit und Bedeutung sowohl des eigenen Lebens als auch das Leben anderer klar zu werden, um intensiver zu leben und bewusster mit dem kostbaren Leben und Miteinander um zu gehen.
Hin und wieder verliert der Roman jedoch an Reiz, Annas Gedanken wiederholen sich, ihr Zustand bleibt unverändert, es passiert nichts. An diesen Stellen erfordert der Roman Durchhaltevermögen und Geduld des Lesers. Auch wenn sich dies als Schwachstelle des Romans darstellt, muss man diese langwierigen Textstellen im Zusammenhang als inhaltlich gesehen völlig richtig und angemessen bezeichnen, denn nach dem Verlust eines Menschen scheint das Leben zwischendurch tatsächlich stehen zu bleiben und man selbst wirkt wie gelähmt. Nur ist dieser Zusammenhang und Hintergrund nicht ersichtlich genug, um die teilweise ennuyanten Abschnitte zu rechtfertigen.
Abgesehen von Annas geschilderten Gefühlen erfährt der Leser über die Protagonistin selbst sehr wenig. Dadurch ist Annas Schmerz und Trauer, ihre Verarbeitung des Schicksals weniger an ihre eigene Identität gebunden und gewinnt somit an Universalität, wodurch ihre Situation auf andere Menschen übertragbar ist und der Roman jeden Leser ansprechen kann, der sich mit dem Tod, der Trauer und Sehnsucht auseinandersetzen möchte. Obwohl der Leser wenig über Anna erfährt, kann er sich in ihre jetzige Situation problemlos hineinversetzen, da die Ich-Perspektive den Leser und die Erzählerin vereint.
Die gründliche und gewissenhafte Arbeit des Lektorats des Luchterhand Verlages zeichnet sich in der fehlerfreien Ausgabe des Romans aus. Anzumerken wäre höchstens, dass die verwendete alte Rechtschreibung dem ein oder anderen, der sich mit aller Mühe in den letzten drei Jahren an die neue Rechtschreibung gewöhnt hat, unangenehm auffallen könnte.
Das Ende des Romans vermittelt unaufdringlich die Gewissheit über ein Wiedersehen mit Jerome. Die Erwähnung des Autors Issak Babel, den Jerome - so heißt es - sehr liebte, und seine Funktion im Schluss des Buches unterstreichen dies: Isaak Babels Abschiedsworte an seine Frau (das bleibt dem Leser allerdings vorenthalten) lauteten "Eines Tages werden wir uns wieder sehen".
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