Wenn man einfach nur schmökern möchte und keine Lust auf zuviel Tiefgang hat, ist Charlotte Links Roman sicher zu empfehlen: Wie fast alle Link-Bücher liest sich auch dieses leicht und entwickelt durchaus Suchtpotenzial. Allerdings hat es auch deutliche Schwächen hinsichtlich Handlung und Sprache, die mich ernsthaft gestört haben.
Zunächst zur Handlung: Margaretha von Rangnitz, eine bildhübsche Klosterschülerin aus Bayern, die sich eigentlich auf die Hochzeit mit einem von ihren Eltern ausgewählten Ehemann vorbereiten soll, brennt mit dem böhmischen Lebemann Richard in dessen Heimat durch, um diesen dort zu heiraten. Natürlich scheitert der Plan an Richards protestantischen Eltern, die Margaretha, die Katholikin, nicht als zukünftige Schwiegertochter akzeptieren. Allein in der Fremde muss Margaretha sehen, wie sie ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Obwohl sie den angesehenen Graf von Lavany heiratet, kehrt sie immer wieder zu ihrer Jugendliebe Richard zurück...
Und so reiht sich ein warmer Sommer an den nächsten, und ein prächtiger Ball folgt dem anderen, und wer dabei im Handlungsgefüge stört, wird von der Pest dahingerafft, und wer an Figuren für den Fortgang der Handlung benötigt wird, der klopft spontan und wider Erwarten an die Tür eines wahlweise böhmischen oder bayrischen Landsitzes.
Noch kurz zur Sprache: Ab und an treten Fehler in Wortwahl und Grammatik auf, die wirklich stören, auch wenn es nicht immer Thomas Mann sein soll: "Trotzdem" wird benutzt, wo "obwohl" hingehört, und an einer Stelle heißt es "Wegen die Hitze" (?).
Fazit: Ich habe den Roman in Windeseile durchgelesen; jetzt wird er in der Charlotte Link-Ecke schmoren, bis zu einer Zeit, wenn der Anspruch wieder einmal nicht zu hoch sein soll.