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Gerade die Reise nach Venedig, die den Eltern John und Laura helfen soll, den Tod der Tochter zu vergessen, entwickelt sich zu einer intensiven Ausseinandersetzung mit dem Ende des Lebens: In Venedig trifft das Ehepaar auf zwei alternde Schwestern, die allein nur deshalb dort zu sein scheinen, um die Baxters mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten zu konfrontieren. John (Donald Sutherland als sensibler Mann am Rande des Wahnsinns genauso überzeugend wie als dekadenter Casanova von Fellini) verweigert sich deren Botschaften aus dem Jenseits vehement, obwohl er sich längst nicht mehr sicher ist, ob das Jenseits in der realen Welt nicht doch existiert. Denn ihm erscheint als habe er seine tote Tochter in ihrem knallroten Lackmäntelchen in den dunklen Gassen von Venedig gesehen.
Bis zum Schluss -- und auch dann noch -- lässt der Regisseur und ehemalige Kameramann Nicolas Roeg (Der Mann, der vom Himmel fiel) dem Zuschauer die Freiheit, den Alptraum ganz indivuell zu erleben. Eine Erklärung für die nicht gerade leicht zugängliche Geschichte, liefert er nicht. Zum Glück, denn sonst würde sich der Bann des perfekt inszenierten psychologischen Thrillers, in ein Logikwölkchen auflösen. --Annette Link
Nichts ist hier, wie es scheint. Alle Wahrheiten lösen sich auf in den labyrintischen Eingeweiden des herbstlichen Venedig, wo das englische Ehepaar Baxter nach dem Unfalltod ihrer Tochter eintrifft. John Baxter (Donald Sutherland) restauriert eine mittelalterliche Kirche (eine Fälschung, wie sich herausstellt), während sich seine Frau (Julie Christie) mit zwei mysteriösen älteren Schwestern anfreundet. Die eine, blind, "sieht" die tote Tochter der Baxters. John hat unheimliche Visionen; sein Schicksal scheint sich zunehmend mit einem roten Zwerg zu verknüpfen, der in den düsteren Gassen umgeht.
"Don't look now" lautet der Originaltitel dieser poetischen Alptraum-Erzählung (nach Daphne Du Maurier). Wer genauer hinschaut, entdeckt überall nur Fälschungen, Täuschungen, Halbwahrheiten, Visionen, Träume. Alle Sicherheiten lösen sich auf, der Film schafft eine lyrisch-traumhafte Atmosphäre voller Zweideutigkeiten.
Roeg, in den 60ern der führende Kameramann in England ("Lawrence von Arabien"), kreiert in unvergesslichen Bildern eine beklemmende Welt - stets unterstützt von der großartigen, dynamischen Musik Pino Donnagios. Donald Sutherland und Julie Christie tragen den Film und geben ihm ein emotionales Zentrum. Ihre legendäre Liebesszene (gerüchterweise nicht simuliert) und ihr famoses Zusammenspiel bilden die Basis dieser filmischen Erzählung, die - ohne ihre Hauptdarsteller - vielleicht in einen geschmäcklerischen Ästhetizismus abgeglitten wäre. Erst die "Chemie" zwischen den beiden sorgt dafür, dass uns der Film bis zu seinem tragischen Ende berührt und bewegt.
Wer "Wenn die Gondeln Trauer tragen" kennt, wird Venedig immer auch durch die Augen Nicolas Roegs sehen: ein mythisches Labyrinth, das die Sinne verwirrt, ein Zwischenreich, in dem die alten Gewissheiten und Regeln nicht mehr gelten. Konsequenterweise demontiert der Film daher auch die Institution Kirche, deren Bauwerke und Repräsentanten hier mehr als zweifelhaft wirken und die die Kulisse für das mörderische Finale abgibt.
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