"Wenn die Gondeln Trauer tragen" - oder "Don't look now" der wesentlich tiefgründigere Titel des Films in OV - ist ein Cineastisches Glanzstück, welches sich in einer Rezension nur unzureichend beschreiben läßt - dennoch der Versuch, die Einzigartigkeiten des Films herauszustreichen.
Aktuell werden wir von mittelmäßigen bis schlechten "Horror"-Filmen ja geradezu überschwemmt, die nach dem Schema X oder Y funktionieren: Man nehme ein paar Teenager, einen schlitzwütigen Psychopathen mit schwarzem Cape und Fratzen-Maske, füge ein paar billige Schockeffektchen hinzu und fertig ist das Produkt für die breite Masse, die sich an anspruchslosen Serienproduktionen aus Hollywood zu ergötzen vermag.
"Wenn die Gondeln Trauer tragen" ist Welten und Lichtjahre davon entfernt. Dieser Film lebt von seiner subtilen Erzählweise, die das Grauen und den Grusel im Kopf entstehen läßt anstatt auf der Leinwand oder den Surround-Boxen. Regiesseur Nicolas Roeg schuf - in Großbritannien wohlgemerkt, nicht in Hollywood - ein zeitloses Meisterwerk, eine Refenenz für "akademischen Horror", wie etwa auch Roman Polanski mit "Rosemaries Baby".
"Wenn die Gondeln Trauer tragen" spielt mit hintergründigen Codes - etwa der Farbe rot - der Gnom, der Regenmantel des kleinen Tochter; zwei Schwestern von denen eine blind ist, aber dennoch "sehen" kann - solche Filme werden heute einfach nicht mehr produziert - leider.
Die ineinander verwobenen Geschichten verschiedener Zeitebenen (z.B. das Dia, auf dem "etwas" mit roter Kaputze zu sehen ist als Vorwegnahme späterer Ereignisse, das umgeworfene Trinkglas als Metapher für das Ertrinken der Tochter im See). Dazu spielen Donald Sutherland (damals wirklich gut, heute begnügt er sich damit, den ewigen Unsympathler zu spielen) und Julie Christie ("Dr. Schiwago" !) derart glaubwürdig ein Ehepaar wie selten jemand nach ihnen - insgesamt ein höllisch guter Trip ins Unterbewußtsein, ein Film, der auch bei abgehärteten Thriller-Fans für schlaflose Nächte sorgen dürfte (und man wird danach Venedig mit ganz anderen Augen sehen ;-) ).
Weshalb man diese DVD dennoch - und schweren Herzens - abwerten muß, ist die sagenhaft lieblose Aufmachung, die Kinowelt da geliefert hat: Gerade mal durchschnittliche Filmqualität, aber dem Ganzen die Krone setzt die mieserable englische OV-Tonspur auf, die derart schrill und kratig klingt, daß man kaum ein Wort der Dialoge - die nicht zuletzt zentraler Bestandteil des Films sind. Dazu kein "Making of...", lediglich ein Kinotrailer...das hat dieser Film wirklich nicht vedient.
5 Sterne für den Film (oder auch mehr), gerade mal einen für die DVD - und die Hoffnung auf einen würdigeren Re-release...