Das Buch geht auf ein zunehmend wichtiges Themenfeld ein. Die Autorin ist offensichtlich mit dem Thema gut vertraut und gibt verständlich geschriebene Erläuterungen, Hilfestellungen und Tips. Dabei geht sie intensiv auf die Gefühle sowohl der Eltern als auch der Kinder ein.
"Nur" drei Sterne gebe ich dem Buch weil es sehr viel Zeit darauf verwendet Probleme zu erklären und dazugehörige Lösungsansätze anzubieten, die in diesem Ausmaß hoffentlich nicht auf die Mehrzahl der Leser zutreffen.
Konkret: Überwiegend wird von einer streng patriarchalen Familienstruktur ausgegangen: Der alte Vater als "Hausherr", die alte Mutter ohne Führerschein, die Tochter als aufopfernde Pflegekraft, und die Herren Söhne, die sich fein heraushalten, weil Pflege ja eine Frauenaufgabe sei. Die Tochter gleichzeitig in der Vielfachbelastung als pflegende Tochter ihrer Eltern, erziehende Mutter der eigenen Kinder, putzende/kochende Ehefrau sowie als Teilzeiterwerbstätige. Viele Seiten widmen sich zusätzlich den Problemen seelischer, körperlicher und sexueller Gewalt durch die nun pflegebedürftigen Eltern an der nun pflegenden Tochter in der Vergangenheit.
Für Leser, die sich mit solchen Situationen auseinandersetzen müssen, ist das vorliegende Buch eine fundierte, einfühlsame Hilfe und besitzt demnach für diese Leser den Wert von fünf Sternen. Die anderen Leser können mit diesem Buch Einblicke in andere Lebensrealitäten gewinnen, verbringen aber sehr viel Zeit auf der Suche nach den für sie wichtigen Informationen.