"Wenn die Dunkelheit fällt" ist der mittlerweile 12. Krimi in Peter Robinsons Serie um Inspektor Banks. Mein Einstieg in die Serie erfolgte mit dem 10. Band ("In einem heißen Sommer") und dieser, wie auch der 11. Band ("Kalt wie das Grab") ließen mich Großes erhoffen. Schon im Prolog erzeugt Robinson dann auch die im Buch vorherrschende düstere Atmosphäre, die den behandelten Themen entspricht: Sexualverbrechen, Kindesmisshandlung, häusliche Gewalt und deren Auswirkungen auf alle Beteiligten, nicht zuletzt auch auf die ermittelnden Beamten.
Als DCs Janet Taylor und Dennis Morrissey eines Nachts zu einer ehelichen Auseinandersetzung im Hause Payne gerufen werden, ahnen sie noch nicht, was sie erwartet. Nicht nur, dass Lucy Payne bewußtlos und blutend im Hausflur liegt, im Keller tut sich ein wahres Horrorszenario auf. Ein totes gefesseltes Mädchen und ein scheinbar wahnsinniger Terence Payne, der sich mit einer Machete auf die Polizisten stürzt und einen von ihnen tödlich verletzt, bevor er selbst niedergeschlagen wird. Das tote Mädchen ist Kimberley Myers, vermisst seit ein paar Tagen und vermutlich das letzte Opfer eines Serienmörders, der es auf blonde junge Mädchen abgesehen hat.
Inspektor Banks, Leiter der Sondereinheit "Chamäleon", die wegen der verschwundenen Mädchen gegründet wurde, sieht seinen bisher ziemlich verfahrenen Fall durch einen Zufall gelöst, denn sicher ist doch Terence Payne der gesuchte Verbrecher, eine Annahme, die sich bestätigt, als weitere Leichen in dessen Keller und Garten ausgegraben werden. Doch was ist mit Lucy Payne? Ist sie gleichfalls ein Opfer der Gewalt ihres Ehemannes oder etwa dessen Komplizin? Gemeinsam mit Profiler Dr. Jenny Fuller versucht Banks aus der verschlossenen Lucy schlau zu werden, und entdeckt dabei Überraschendes.
Im Gegensatz zu den meisten Krimis beginnt "Wenn die Dunkelheit fällt" praktisch von hinten, mit der Aufklärung des Verbrechens. Die Leichen der verschwundenen Mädchen werden gefunden und der vermutliche Mörder liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Peter Robinson ist weniger interessiert an der Jagd nach dem Killer als an den Hintergründen der Tat und daran, was einen Menschen zum Mörder macht. Schon in den letzten beiden Büchern entfernte der Autor sich mehr und mehr vom Standard-Krimi, dem britischen "Police Procedural" und räumte den Hintergründen der beschriebenen Verbrechen mehr und mehr Platz ein. Mit "Wenn die Dunkelheit fällt" setzt sich dieser Trend fort, was mich als Fan des psychologischen Krimis sehr erfreut hat. Meines Erachtens ist es Peter Robinson mit diesem Buch gelungen, seinen Platz in der ersten Garde der Krimiautoren zu zementieren.