In einer Momentaufnahme, die drei Tage dauert, erzählt Andrea de Carlo
einfühlsam und witzig, wie schwierig es geworden ist, dem eigenen Leben
Sinn abzugewinnen.
Vier respektabel_erfolgreiche Mailänder - geschlechtlich ausgeglichen -
sind mit ihrem ImmobilienMakler unterwegs ein Objekt zu besichtigen.
Das Intro, welches bis ca. Seite 70 diese Schausteller präsentiert,
seziert die moderne Gesellschaft besser, als öde TalkSendungen
oder anmassende Dokumentationen.
Danach folgt der Zusammenprall mit einer Wohngemeinschaft von
Aussteigern, die genau mit dieser Welt nichts mehr zu tun haben wollen.
Bei vielen Büchern beginnt nun das Verhängnis, dass sich das Schicksal
auf eine Seite schlägt und tendenziös wird. Hier nicht!
Die praktische Verlagung in elementaren Dingen, welche eine Überlegen-
heit der Aussteiger aufzeigt, verliert sich zunehmend in einer Verunsicherung
über das eigene Leben. Gleiches geschieht den Mailändern bereits sofort.
Die Gehässigkeiten, welche sich gegen Ende des Buches versammeln,
sind individuelle Zeichen der Ohnmacht. Keiner bleibt unberührt'
Nachdem seine letzten Romane keine ausserordentlichen Emotionen
ausgelöst haben, bin ich mit diesem Werk in die FanEcke zurückgepilgert.
Resignation und Ratlosigkeit unserer zunehmenden SelbstEntfernung
auf wunderbaren 427 Seiten zusammengefasst. Sehr gut!