da wird aus einer großen Familie erzählt, und es wirft die klamme Frage auf, wie oft es das noch gibt in Deutschland. Ein Mann schreibt sowieso fast nie über Mißbrauch und Demütigungen, Vielleicht macht er ja Mut. Das Ziel von Manfred Ruge ist auch nicht, groß anzuprangern, sondern zu beweisen, daß man sich nicht unterkriegen lassen muß. Und daß man nicht an so schlimmen Digen zerbrechen muß.
Hier wurde wohl ein intensives Lektorat gemacht, denn das Buch ist spannend und wie ein -Roman aufgebaut. Trotzdem ist es authentisch und sehr überzeugend. Auch deshalb, weil der Autor kein Selbstmitleid zeigt. Um so eindrücklicher sind all die dramatischen Ereignisse. Dabei schldert Ruge nicht nur seinen Vater und die oft genau so brutale Mutter, sondern gibt sehr persönlichen Einblick in deren Herkunft. Damit erklären sich auch psychologische Fragen.
Nebenbei ist gerade die sehr zwiespältig dargestellte Mutter. Man spürt, dieser Ziwespalt ist auch noch in Ruge, er hat diese Person längst nicht verarbeitet. So ehrlich er ihre schlimmen Aussetzer schildert, so sehr sehr nimmt er sie auch immer wieder in Schutz.
Das Buch geht unter die Haut, beschäftigte mich lange Zeit. Mich hat es angeregt, über mich selbst nachzudenken. Die Frage nach der Gesellschaft wird zwar sehr oft gestellt, aber Ruge zeigt mehr als deutlich, die Gesellschaft sind wir selbst. Jeder kann was tun, jeder sollte sich auch einmischen, erst dann sind wir nicht allein.