Sehr neugierig war ich auf einen Krimi dieses Autors. Immerhin hat Camillerie seinen Kriminalkommissar Montalbano nach ihm benannt. Da die Erwartungen bei derartig hochklassigen Referenzen recht hoch waren, war ich doch etwas enttäuscht, als ich erkannte, dass ich mit diesem Buch nur einen leicht überdurchschnittlichen Krimi erworben hatte.
Die Handlung: Der Privatdetektiv Carvalho hat sich selbst eine Fastenkur in der Klinik von Faber & Faber verordnet. Eines Tages wird die Leiche eines der Gäste, einer nervigen Amerikanerin, im Swimmingpool gefunden. Nachdem trotz der Ermittlungen der Polizei relativ zügig weitere Tote folgen, liegt es nahe, dass der Privatdetektiv von der Klinikleitung beauftragt wird, den Mörder zu finden.
Die Kritikpunkte: Montalban schafft es zwar anfangs, den öden Kuralltag sehr gut darzustellen, so dass man sehr gut nachvollziehen kann, dass Carvalho regelrecht dankbar ist ob der Abwechslung. Leider bringt er später die Spannung unter den unter der Ausgangssperre leidenden Kurgäste nicht rüber. Einige nicht unwichtige Charaktere (z.B. der des Polizisten Serrano oder verschiedener Kurgäste) wirken schablonenhaft und schematisch. Bei manchen dieser Charaktere werden deren Marotten so überzogen dargestellt wurden, dass es grotesk und unglaubhaft wirkte. Da der Autor an anderen Stellen einen angenehm feinen Sinn für Ironie beweist, stellt sich für mich die Frage, ob dies an der Übersetzung gelegen haben konnte.
Neben den interessanten Einblicken in die spanische Gesellschaft in den frühen Achtzigern inklusive den Nachwirkungen der Franco-Ära, zeichnet Montalban ein durchaus hintergründiges Bild der besseren Gesellschaft Europas. Dazu setzt er aber meiner Meinung nach zu häufig das gleiche Mittel des Monologs ein, so dass das was ironisch und hintersinnig wirken soll, mich mehr und mehr gelangweilt hat.
Das Positive: Die sorgsam aufgebaute Hauptperson Carvalho, die intelligente Handlung, der schon erwähnte interessante Einblick in die spanische Gesellschaft und die immer wieder auftauchende feine Ironie machen diesen Krimi insgesamt doch wieder recht lesenswert. Auch wenn ich vom Lesevergnügen doch nur als leicht überdurchschnittlich her ansehe, gibt es doch genügend Ansätze, die mich zumindest noch einen zweiten Versuch wagen lassen.
Allerdings halte ich diesen Krimi nicht als den idealen Einstieg in diese Krimiserie. Zwar hat der Verlag diesen Roman wohl als erstes in Deutsche übersetzen lassen (wenn die Serien Nummer als Indiz dafür gewertet werden kann). Aber zumindest „die Einsamkeit des Managers" ist wohl zeitlich vor diesem Roman anzusiedeln. Ein Hinweis des Verlags hätte ich als hilfreich empfunden.