Vor einigen Monaten habe ich mir drei Bücher gekauft, die sich mit dem Thema Unterrichtsstörungen und Ordnungsmaßnahmen in der Schule beschäftigen, da ich mich auf mein zweites Staatsexamen vorbereitet habe und auch ein paar wissenschaftliche Hintergründe anlesen wollte.
1.)
Störungen in der Schulklasse: Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung2.)
Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen sinnvoll einsetzen - Das Praxisbuch, m. CD-ROM3.) Das vorliegende Buch WENN SANKTIONEN NÖTIG WERDEN: SCHULSTRAFEN von Wolfgang Kindler
Von diesen drei Werken hat mir das vorliegende Buch am meisten geholfen. Wolfgang Kindler unterrichtet laut Internetseite des Verlags Deutsch, Sozialwissenschaften und Pädagogik an einem Gymnasium und ist in der Lehrerausbildung tätig. Und ganz ehrlich: Beim Lesen dieses Buches merkt man, dass hier jemand schreibt, der selber auch noch als Lehrer tätig ist. Im Buch findet man sehr viele Praxisbeispiele und dadurch ist jedes Kapitel sehr realitätsnah.
Im ersten Kapitel macht Kindler die Notwendigkeit von Schulstrafen deutlich und spricht über Vorurteile die viele gegenüber Schulsanktionen haben. Im nächsten Kapitel schreibt er über die Effizienz von Schulstrafen und spricht auch an, dass Schülerinnen und Schüler sich im Grunde Sanktionen und einen geregelten Ablauf wünschen. In Kapitel 4 geht Kindler auf Präventionen ein, damit es gar nicht erst zu Fehlverhalten kommt. Auch hier finde ich seine Ausführungen wesentlich praxisnaher als in den oben genannten Büchern. So gibt er als einen Ratschlag zum Beispiel, dass es beim Aufstellen von Klassenregeln wichtig ist, dass wenige, aber dafür grundlegende Regeln sind, die von allen verstanden und eingehalten werden.
In Kapitel 5 erfährt man mehr über rechtliche Grundlagen (erzieherische Maßnahmen versus Ordnungsmaßnahmen).
Kapitel 7 befasst sich mit "falschen" Strafen. So geht Kindler hier auf den
Bußgeldkatalog ein, der sich bei vielen Lehrern ja leider immer noch einer großen Beliebtheit zu erfreuen scheint (siehe entsprechende Rezensionen). In Kapitel 8 und 9 geht er darauf ein, wie sinnvoll zu sanktionieren ist, während in Kapitel 11 Beispiele für sinnvolle Strafen folgen. Lediglich in diesem Kapitel bin ich nicht immer gleicher Meinung mit dem Autor. So plädiert er meines Erachtens manchmal für ein inkonsequentes Verhalten, wie zum Beispiel auf Seite 116, auf der er schreibt, dass man nicht immer Schüler sanktionieren sollte, wenn sie gegen eine Regel verstoßen haben, weil man dann als Lehrer "als pingelig angesehen" wird. In meiner eigenen Unterrichtspraxis habe ich festgestellt, dass gerade konsequentes Verhalten am schnellsten zum Erfolg führt. Außerdem mag ich es nicht, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird - meines Erachtens nach gelten dieselben Regeln entweder für alle oder für keinen, denn ansonsten gibt es auch schnell den Vorwurf "Schüler XY mögen Sie aber viel lieber" oder "Aber ich musste dies oder jenes tun, wieso muss Schüler XY das nicht?".
Gerade im letzten Kapitel sehe ich einige Aussagen Kindlers kritisch und ich habe in meinem Unterricht andere Erfahrungen gemacht. Daher ziehe ich hier einen Stern ab. Insgesamt habe ich dieses Buch aber als sehr hilfreich empfunden und würde es auch sofort anderern LehrerInnen empfehlen.
Selbstverständlich findet man hier nicht DAS Patentrezept und auch keinen Regelkatalog, wo man nachschlagen kann, wie man in einem entsprechenden Fall zu reagieren hat.
Dennoch eine ganz klare Empfehlung meinerseits.