Cluster-Mitglied Hans Joachim Roedelius veröffentlichte 1981 sein siebtes Soloalbum ohne sperriges Vornamendoppel - und praktisch ohne Dissonanzen. Seine versonnenen Klangskizzen, die gleichermaßen Innenleben wie Außeneindrücke hinzutuschen scheinen, bestehen aus stoischen Rhythmen und einem Melodiezierat, der sich darüber legt wie Tau übers Spinnennetz. Sie feiern ganz elektronisch die Natur und die Gefühle, die sie auslöst, sie baden anfangs- und abschlusslos in zeitloser Gegenwart. Und wäre diesen Instrumentals, die Titel tragen wie "Sonnengeflecht", nicht jene Sprödigkeit eigen, die der pseudonaive Klangmaler in den 70ern perfektioniert hatte, man müsste sie unter Esoterikverdacht stellen. Doch Roedelius zelebriert seine Leisetreterei aus Loops und Orgelluftigkeit so selbstgewiss impressionistisch, dass diese Musik geradezu aufklärerische Wirkung hat. Sie verschleiert und verklärt nichts, sie liefert sich den Dingen aus und beschreibt sie zugleich - und wirkt rück auf die Räume, in denen sie erklingt. Ein wundersames Werk aus ferner Zeit, entstanden kurz vorm Nato-Doppelbeschluss, einer der größten Krisen des Kalten Krieges. (mw)