Ich äußere mich hier bei Amazon nur gelegentlich, aber diesmal muss es sein. Die bisher negativen Bewertungen dürfen nicht ohne Widerspruch bleiben. Für mich ist dies eins der besten Bücher aus der SZ-Bibliothek, wenn nicht das beste.
Ich kannte Calvino vorher nur dem Namen nach, aber inzwischen lese ich alles von ihm, was ich kriegen kann. Warum? Calvino ist - nicht nur für mich - ein Zauberer der Literatur, ein Philosoph, dem das Schwerste gelingt, nämlich scheinbar Sprödes, Bedeutungsschweres mit magischer Leichtigkeit darzustellen. Wenn ich sage, dass es in diesem Buch unter anderem um die Philosophie des Schreibens und Lesens geht, um das Verhältnis von sogenannter Realität und Kunstwerk, dann rufe ich damit wohl ein Aufstöhnen hervor: dazu lesen wir keine Romane. Aber Calvino macht daraus ein wunderbar lockeres Spiel, ohne banal zu werden. Erzählen kann man den Inhalt nicht, man muss sich auf die Wendungen und Sprünge des Buches einlassen. Aber wer Sinn hat für ernste Scherze, wer dazu die ironische Kunstfertigkeit Calvinos genießen kann, der mit großer Selbstverständlichkeit ganz verschiedene Schreibweisen beherrscht, der wird das Buch mit dem Gefühl aus der Hand legen, eine Entdeckung gemacht und einen Schriftsteller kennengelernt zu haben, wie es in Deutschland keinen gibt. Und fast nebenbei viel über sich als Leser erfahren zu haben. (Und wer will, kann noch vieles andere finden, auch Tiefsinniges)
Also: unbedingt probieren. Und wenn man wirklich eine andere Wellenlänge hat - das merkt man dann schon. Aber die Gefahr. etwas zu versäumen, ist größer.