Bemerkenswert, dass ein Buch, das Doreen Virtue vor ihrer "Engel-Zeit" geschrieben hat, so wenig Beachtung findet, dass keine/keiner sich bemüssigt fühlt, dazu eine Anmerkung zu schreiben. Um so bemerkenswerter als Ess-Störungen nun wirklich kein Minderheiten -Problem mehr sind. Vielleicht, ja wahrscheinlich ist die normale Wahrnehmung darauf nicht gerichtet. Es ist so normal, übergewichtig zu sein. Die Folgen werden vom Gesundheitssystem getragen, die Ursachen bleiben unbearbeitet.
Adressat des Buches sind eigentlich Frauen. Frau Virtue schreibt dies an verschiedenen Stellen und macht beim Sponsoring im overeaters Programm deutlich, dass Sponsoren gleichgeschlechtlich sein sollten, weil die Problemstellungen bei Männern und Frauen doch ziemlich unterschiedliche seien.
Frau Virtue kann aus grossen Erfahrungen mit einer Unzahl Frauen schöpfen und zählt viele Fallgestaltungen auf. Es wird offensichtlich, dass die Sucht eine physiologische Basis hat, Essen zum beruhigt, wie ein Tranquilizer, nur eben ohne Rezept.
Im einzelnen entfaltet Frau Virtue, wie sehr übermässiges Essen mit misslingendem Leben zu tun hat,als Kompensation für nicht bewältigte Probleme dient. Ein gewisser Focus ist der Mißbrauch, der psychische und der physische. Mittels Essen schafft man sich eine Schutzschicht, gegen Bedrohung von aussen und innen.
Sie selbst kann eine Erfolgsgeschichte vorweisen und ist vom amerikanischen Yes,we can geprägt,bis hin zu positivem Denken. Das kann einerseits ermutigend sein,andererseits deprimierend für alle die, die es nicht schaffen, weil damit Versagensgefühle produziert werden.
Wie Münchhausen kommt man aus diesem Sumpf nicht heraus; es ist keine Frage ausreichenden Willens. Die Unterstützungsstrukturen werden von Virtue zwar angesprochen, aber ihre überragende Bedeutung wird nicht herausgearbeitet.
Bis auf wenige, die es schaffen, hat eine grosse Mehrheit nur eine Chance, wenn sie diese Unterstützungen im vollem Umfang regelmässig in Anspruch nimmt.
In jedem Fall ein informatives Buch, mit zahlreichen Anregungen zur Heilung.