"Wenn der Postmann zweimal klingelt"...Wer diesen Titel hört, der könnte ja gleich sonst etwas denken, aber weit gefehlt - denn hinter dem Titel verbirgt sich ein knallharter Thriller, der in den 30er Jahren, zurzeit der Weltwirtschaftskrise spielt. James M. Cain ist wohl zweifelsohne einer der Pioniere in diesem Genre, einer der ersten, der das hungrige Lese-Volk speziell mit brutalen Werken über Verbrechen aus Sex-Gier, Leidenschaft und einfach nur Gewalt zum Spaß versorgte, und erreichte eine unglaublich große Menge an Menschen mit seinem Werk.
Was dem aufmerksamen Leser schon nach einigen Seiten ins Auge sticht ist, die saubere, klare und präzise Sprache, und den leichten Satzaufbau, mit der er einen spielend erreicht. Die Schreibweise, die Art mit der er versucht mit wenigen Worten ganz viel zu sagen, macht es zu einem unglaublich schnell zu lesenden Roman, welches durch den recht geringen Anspruch der Story noch gefördert wird.
"Was mir dabei als erstes in den Sinn kam war, dass man Parallelen zu Richard Laymon ziehen könnte, der in vielen seiner Romane sich der gleichen Art und Weise bemächtigt, Geschichten zu erzählen."
Cain versteht es mit bescheidenen Mitteln zu unterhalten, hat ein Händchen dafür, dem süchtigen Publikum eben genau das zu geben was es braucht - zu lesen, wie andere Menschen Druck und Gewalt ausüben, um genau das zu erreichen was sie wollen, und das zu jedem nur erdenklichen Preis. Wobei der sexuelle Aspekt eine gewichtige Rolle spielt. Im Bezug auf seine Figuren führt Cain einen nicht in die Falle, denn bei solch einer Story weiß man schon recht schnell, dass die Stunden für sie gezählt sind, und nicht länger als eine Eintagsfliege auf der Welt bleiben, jedenfalls nicht lebend. Aufgrund der Blassheit der Figuren entwickelt man kein sonderlich großes Gefühl für sie, und es ist einem mehr oder weniger gleich, was mit ihnen geschieht. Ob sie früher oder später das Zeitliche segnen, ist nicht von elementarer Bedeutung. Ihm ist es, wie oben schon erwähnt, wichtig zu zeigen, wie weit Menschen gehen um das angestrebte Ziel zu erreichen.
Was ich sehr schade fand, dem Autor aber nicht vorwerfen kann ist, dass er mich mit diesem Roman nicht wirklich erreicht hat, denn ich glaube zu wissen, und das muss ich auch ehrlich zugeben - es ist nicht meine Zeit in der der Roman spielt. Die Abläufe in vielen Bereichen waren damals natürlich anders, angefangen schon bei der Polizeiarbeit und vielen weiteren Kleinigkeiten, was schlussendlich dazu beigetragen hat, dass ich mich mit der gesamten Story sehr schwer tat. Aber, und das steht wohl außer Frage, zur damaligen Zeit war es mit Sicherheit das Nonplusultra in der modernen Literatur.
Was ich ihm aber wiederum ankreiden kann und werde, sind die blassen Figuren, die mehr wie Umrisse oder Schatten durch die Story stolzieren. Diese Figuren, mit nur einem Hauch mehr an Identität, hätten mir als Leser das gewisse etwas gegeben, gerade im Bezug auf das Leiden dieser. Es wäre nicht so herzlos an mir vorbei gegangen, wenn sie tot aus der Story ausscheiden. Ein weiteres Manko in meinen Augen sind die stellenweise extrem abgehackten Sätze, die ich wirklich als störend und nervend empfand.
Das alles beeinträchtigt aber nicht meine uneingeschränkte Kaufempfehlung, denn wie schon gesagt, was kann der Autor dafür, wenn ich Probleme mit Zeit habe. Wer Trash mag, die Einfachheit liebt und sich in einem Strudel aus Gier, Gewalt und Sex mitreißen lassen möchte, der wird hier bestens bedient und darf sich diesen Roman nicht entgehen lassen.