Gut, dass ich Alex Cross kannte und mochte, bevor ich dieses Buch las. Es ist für mich das schwächste der Reihe. Allein schon, weil es sich in drei Teile zergliedert, von denen jeder wirkt wie ein ausgearbeiteter Entwurf für einen einzelnen Roman; es fehlt ein fester innerer Zusammenhalt.
Zunächst jagt Alex Gary Soneji, der durch Raffinesse und Brutalität ein Jahrhundertverbrecher werden will. Es scheint, als hätte Patterson zwar gern ein für allemal das Kapitel Soneji und Cross beendet, dass ihm aber eine zündende Idee für ein vollständiges Buch gefehlt hat. Daher klebt es wie ein schlechter Prolog vor der Geschichte um den zweiten Serienverbrecher Mr Smith, der sich in kurzen Episoden immer wieder in die Soneji-Geschichte einschleicht und zwar immer nur mit Einzelheiten der Verbrechen, weshalb ich mich frage, ob die dargestellte Brutalität und Grausamkeit wirklich dem Fortgang des Romans oder dem Voyeurismus dient. Der erste Teil des Buches, der absolut schlechteste, hat mit psychologischer Ermittlung nichts zu tun. Soneji schlägt zu - vorwiegend auf Bahnhöfen - Alex rennt (fährt, fliegt, ...) hinterher, nach 170 Seiten hat der Kampf ein Ende. Was jetzt aber die genauen Hintergründe sind, warum Soneji Alex im Visier hatte, ahnt der Leser höchstens.
Im zweiten Teil - Alex liegt nach einem Überfall, den Soneji ihm prophezeit hat, im Krankenhaus - übernimmt Thomas Pierce, FBI-Ermittler und Mr Smith-Jäger, die Erzählerrolle. Das halte ich, v.a. im Hinblick auf den dritten Teil, für denkbar schlecht. Nur um die Irreführung des Lesers ein wenig hoch zu treiben? Und woher kommt diese merkwürdige Konkurrenz zu Alex, obwohl die beiden noch nie miteinander zu tun hatten?
Und endlich der letzte Teil, der einzige romanhafte und in sich geschlossene. Es war ganz anders als dem Leser vorgegaukelt, geheime Operationen wurden durchgeführt, wovon der Leser nichts erfahren hat. Alles nur des Überraschungseffektes wegen? Es ist mir zuviel Effekthascherei in dem Buch und zuwenig nachvollziehbare Handlung. Oder woher kennt auf einmal jeder Mr Smiths wahre Identität? Und das Muster, wonach Mr Smith mordet? So simpel und peinlich, dass es beinah wehtut, dass einem Profi wie Patterson nichts besseres eingefallen ist.
Nicht genung, dass die Krimierzählung unsäglich ist, sie wird auch noch durchflochten von Alex neuer Liebesgeschichte, inclusive Erotik, und Familienszenen mit Kindern und Nana Mama. Falls Patterson ein Gegengewicht schaffen wollte zu seinen Mordszenen, schlägt das Pendel zu hoch in die andere Richtung: Soviel Harmonie, soviel Verständnis, Liebe und Zuneigung; wie locker man den Angriff eines Killers wegstecken kann, wenn doch die Familie zusammenhält.
Mir scheint, als sei der Roman in kleinen Kapitelchen lieblos heruntergeschrieben ohne Plot und ohne Handlungsgefüge; Patterson wäre nicht der erste Autor, dem das Abgabedatum für einen Roman die Kreativität abwürgt.