Einige Monate, bevor ich im Sommer 2000 ein Praktikum an einem Windhoeker Hospital beginnen sollte, brachte mir ein namibischer Mitbewohner (und Bundesbruder...), diesen Band von daheim mit und meinte, dies sei wohl die beste Lektüre zur Vorbereitung u.a. auf die Eindrücke einer Namibia-Reise. Er hat völlig Recht behalten.
Henno Martins unaufdringliche, aber detailversessene, fast wissenschaftliche Schilderung des Namib-Exils, seine Ausführungen über Psyche, Gesundheit und Emotionen beider Flüchtlinge in dieser Zeit ist nicht allein auf dem heimischen Sofa fesselnd, sondern öffnet dem empfindsamen Leser auch den Blick für die Härte dieses Landes und seiner Menschen.
Es macht vor Ort einsichtig für die Nöte der Farmer, aber auch für ihre trotzige Antwort auf die Frage "Was hält euch denn hier fest?" - "Wir lieben Südwest!".
Der Reiz der Kargheit, das Wüstenerlebnis als Begegnung mit den eigenen Grenzen wird hier verständlich gemacht; während der Reise gehen dann manche Passagen wieder "in einem auf", gehen wieder durch den Kopf, nicht selten begleitet von einem stillen "aha!".
So wie eine Tour durch Namibia braucht die Lektüre dieses Buches Zeit und Muße - bei aller Episodenhaftigkeit kein Bändchen für die nette Geschichte zwischendurch. Dazu ist der Stil doch zu sehr wissenschaftlich genau; kaum ein Detail rund um die Strapazen des Exils schein nicht erwähnenwert, aber das macht dieses Buch so ehrlich. Man leidet bei jedem Rückschlag mit und freut sich über jede glückliche Fügung.
Schade zwar, daß die Rolle der schwarzen Bevölkerung kaum oder garnicht beleuchtet wird - das liegt bei diesem Bericht aber auch in der Natur der Sache.
Ich kann "Wenn es Krieg gibt..." jedem empfehlen, der einen Teil der Psyche Namibias verstehen lernen will, darüber hinaus jedem Naturliebhaber und Jäger (die Jagdberichte sind einfach spannend). Für den Liebhaber von Abenteuererzählungen dann aber wohl doch zu trocken.
Mir hat dieser Bericht einen ungeheuren Respekt eingeflößt; vor den Flüchtlingen, aber auch, was für Besucher lebensrettend sein kann, vor der Namib.
PS:Ein Muß: sich auf der Farm "Niedersachsen" den größeren der beiden Unterschlupfe zeigen lassen und den immer noch unveränderten Ausblick von Martins Stammplatz aus auf sich wirken lassen.