Dieses Buch ist wieder in gewohnter Weise wie die anderen Bücher der Autorin, in einer sehr poetischen Sprache geschrieben. Beispiele von real existierenden Kindern veranschaulichen die theoretischen Ausführungen. Eine Besonderheit der Bücher von Dr. Monika Specht-Tomann sind ihre literarischen Texte wie in diesem Buch von Rilke, Ingeborg Bachmann, Christine Busta, Martin Gutl. Kinderbuchklassiker von Michael Ende, Janosch, Sendak werden als Hilfen für die Angstbewältigung angeführt. Stimmungsvolle Fotos und ausdrucksstarke Kinderzeichnungen ergänzen den Text. Das Layout gibt die wichtigen Inhalte eines Kapitels in Kästchen zusammengefasst wieder. Sehr praktische Tipps werden durch konkrete Beispielsätze unterstrichen. Querverweise auf andere Kapitel sind nützlich.
Die gendergerechte Schreibweise, wobei von Lehrerinnen und Erzieherinnen die Rede ist - da die Mehrheit der im Erziehungswesen Tätigen wirklich Frauen sind - wird fast durchgehend beibehalten.
Bei der Bewältigung von Ängsten werden immer wieder neben den Mütter bzw. Eltern auch andere Bezugspersonen, vertraute Personen, Personen, die das Leben des Kindes begleiten, angesprochen.
Bei allen Tipps, praktischen Ratschlägen und Hinweisen wird die Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Erziehungspersonen hervorgehoben.
Die psychologischen Zusammenhänge werden wieder einfach durchschaubar und gut dargestellt, z. B. der Zusammenhang von Ängsten der Eltern mit den Ängsten der Kinder. Komplizierte seelische Zusammenhänge wie z. B. die Objektkonstanz werden in einfachen verständlichen Worten beschrieben, ohne auf den Fachausdruck zu verzichten.
Oft denke ich mir beim Lesen, wie z. B. über die Schulängste, dass die Unterscheidung zwischen normalen" und berechtigten" Schulängsten angesprochen werden sollte. Unmittelbar darauf wird diese Unterscheidung bereits angeführt.
Sehr gut finde ich wieder den Zusammenhang dargestellt zwischen Welt- Katastrophen und den persönlichen Katastrophen der Kinder, zwischen dem Urvertrauen und dem Vertrauen in die Welt und in Gott, zwischen den Ängsten der Erwachsenen und den Ängsten der Kinder, zwischen der Einstellung der Erwachsenen zu den Katastrophen und der Angstbewältigung der Kinder.
Es werden nicht nur die negativen Aspekte der Angst sondern auch die positiven Aspekte angesprochen: Angst als warnendes Signal, als Motor für Veränderungen und Neuorientierung, ...
Es wird nicht nur von Erwachsenen Hilfe für die Kinder erwartet, sondern es werden auch die Bewältigungsstrategien der Kinder selbst geschätzt. Neben den kompetenten Hilfen der Erziehungspersonen werden professionelle Begleitungshilfen angeboten und professionelle Hilfen angepriesen.
Im Schlusswort werden die Erziehungsberechtigen einerseits zur Verantwortung gezogen, denn die Kinder haben ein Recht auf eine Auseinandersetzung mit ihren Ängsten, andererseits wird aber keine Hoffnungslosigkeit vermittelt, wenn man selber über längere Strecken nicht in der Lage ist, das Kind adäquat zu unterstützten. Es wird auch als Entlastung angeführt, dass man nicht alles können und wissen muss.
Die Literaturliste ist ausgewogen und umfasst neben Klassikern der Literatur über Angstbewältigung auch religiöse Werke (Rainer Oberthür, Martin Gutl), aber richtig neugierig bin ich schon auf die noch unveröffentlichten Federgeschichten der Autorin mit den Zeichnungen von Julia Kläring.
Es ist ein Buch, das man prophylaktisch" lesen sollte, um in durch unterschiedliche Ängste ausgelösten Krisensituationen auf die vorher angelesenen Zusammenhänge, Tipps und Hilfestellungen zurückgreifen zu können.
Johanna Heidi Kläring, Mutter und Religionslehrerin