Alle, die von diesem Buch erwarten, einige heitere Anekdoten aus psychotherapeutischen Sitzungen zu erfahren, werden, so wie ich, enttäuscht sein. Es ist schon eine hinterlistige Marketing-Masche, mit einem reißerischen Titel aufzuwarten (Wenn Irre Irreärzte werden") und so das typische Stereotyp in unserer Gesellschaft, Psychotherapeuten haben sowieso alle was an der Klatsche", zu bedienen.
In einem kurzen Abschnitt werden die Urväter der Psychotherapie (Freud, Jung, Adler, Kernberg u.a.), die nach Meinung des Autors alle was am Sträußchen hatten, beschrieben und deren Modelle der menschlichen Psyche grob erläutert und genüsslich zerlegt. Auch wenn diese Modelle häufig empirischen Erkenntnissen nicht standhalten können (vor allem in Bezug auf das Unbewusste), das von Buchner proklamierte Bewusstseinsmodell Sartres kann es auch nicht. Philosophen wie Sartre sind bei der Theorienbildung selten empirisch vorgegangen, eine Tatsache, die der Autor aber nur Freud und Co vorwirft. Der Autor lehnt die Existenz des Unbewussten ab und meint, man solle besser, in Anlehnung an Sartre, von nicht-setzendem-unreflektiertem Bewusstsein" sprechen. Unklar bleibt für mich, inwieweit hierbei inhaltlich Neues zum Besten gegeben, oder einfach nur eine neue Bezeichnung für denselben Sachverhalt erfunden wurde.
Im nächsten Abschnitt werden die verschiedenen Psychotherapieformen heruntergerattert, für den Laien sicher eine erste hilfreiche Orientierung, aber auch nicht mehr. Warum er allerdings in zwei getrennten Abschnitten über die verschiedenen Therapieformen (tiefenpsychologische Therapie etc.) schreibt und sich so inhaltlich wiederholt, bleibt ein Geheimnis des Autors. Mich beschleicht da der Verdacht, dass er das Buch unnötig strecken wollte, aber auch so fiel es recht dünn aus (192 Seiten). Ärgerlich ist hierbei die falsche Darstellung der Verhaltenstherapie als Therapieform, die die Einzigartigkeit des Menschen leugnen soll. Das ist nicht der Fall. Die VT bearbeitet idiosynkratische, dysfunktionale Verhaltensweisen und Gedankengänge. Die von Ulrich Buchner so geschätzte Existenzielle Psychoanalyse, über die er auch eine Diplomarbeit geschrieben haben will, wird dem Leser mit keinem Wort nähergebracht.
Schwer verdaulich wird es, wenn er Psychotherapeutenschelte betreibt, die polemisch und stark verallgemeinernd daher kommt. Hier wirft er den Therapeuten vor, aus Machtinteressen Psychotherapeut geworden zu sein und Gewalt über andere Menschen anzuwenden. Da kriegt man als psychisch kranker Mensch richtig Lust, eine Psychotherapie zu machen. Vielleicht sollte man es doch lieber beim Autor, der als Psychotherapeut arbeitet, selbst versuchen. Er versteht die therapeutische Beziehung als bezahlte Freundschaft" (eine in sich paradoxe Bezeichnung) und als normale Beziehung unter erwachsenen Menschen" in der selbstverständlich keine Macht ausgeübt werden darf. Das ist schon deshalb unglaubwürdig, da der Therapeut zu wissen glaubt, wie es dem Patienten - der es nicht weiß, sonst würde er keine Hilfe suchen - wieder besser gehen kann. Der Patient ist also abhängig von der Professionalität des Therapeuten, eine Freundschaft hingegen setzt eine Beziehung auf Augenhöhe voraus, was in einer Therapie nur teilweise, aber nie vollständig, verwirklicht werden kann.
Daran schließt sich eine grobe Darstellung des Therapieprozesses an, deren verschiedene Abschnitte vom Autor äußerst geschmackvoll als Feindliche Übernahme" oder Auslieferungshaft" betitelt wurden.
Um das Buch weiter aufzublähen, gibt der Autor am Ende des Buches noch einige Tipps aus seinem Küchenpsychologie-Fundus, um Betroffenen bei der Bewältigung ihrer psychischen Beschwerden Hilfestellung zu geben.
Wer nach dem Lesen des Buches noch nicht genug von psychotherapeutischer Hilfe abgeschreckt wurde, der soll den Autor doch mal auf seiner Homepage besuchen. Natürlich ist Herr Buchner Vertreter eines integrativen Ansatzes und listet die Therapieformen auf, die er alle wild kombinieren kann, in seinem Buch aber teilweise scharf kritisiert. Approbierter Psychotherapeut ist er nicht, deshalb behandelt er ausschließlich Patienten, die die Therapie aus eigener Tasche bezahlen können. Ist ja auch lukrativer. Wenn er schreibt, bei einer Therapie ist mit einer Dauer von 10 Sitzungen plus 2 Sitzungen Anamnese-Erhebung zu rechnen, ist das allerdings äußerst unseriös.
Gäbe es nicht den mittleren Teil des Buches, indem die verschiedenen Psychotherapierichtungen und der typische Ablauf einer Psychotherapie leicht verständlich beschrieben werden, würde ich hier nur einen Stern vergeben.