Ben und Sarah Cooper haben ihre Tochter Abbie schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen. Seit dem Zeitpunkt, als ihnen das FBI mitteilte, dass Abbie als Mitglied einer terroristischen Umweltorganisation Brandanschläge verübt hat und unter Mordverdacht stehend gesucht wird. Eines Tages wird dann die Leiche der jungen Frau mitten in der Wildnis Montanas gefunden und keiner weiß, wie sie zu Tode gekommen ist.
Nun, man könnte daraus sicher einen Krimi machen. Aber das ist nicht Nicholas Evans' Genre. Er setzt bei seiner Geschichte nicht das Hauptaugenmerk auf die Ermittlungsarbeiten und den Hergang des Todesfalls. Vielmehr interessieren ihn die Hintergründe, die dazu führten, dass eine Tochter aus gutem Hause auf die schiefe Bahn geraten ist. Und so leuchtet er in seinem Roman das persönliche Umfeld des Mädchens aus.
Präzise beschreibt er den langsamen Zerfall der Ehe von Abbies Eltern, jenes schleichende Auseinanderleben, das nur Sarah und Ben spüren, nicht jedoch ihre Kinder. Umso größer ist dann Abbies Schock und entsprechend stark der Impuls, den die Trennung für ihre Abkehr vom bürgerlichen Leben gibt. Nicholas Evans blickt tief in die Seelen der Familienmitglieder, wühlt starke Gefühle auf, schreibt über Liebe, Selbstvorwürfe und gegenseitige Schuldzuweisungen. Auch Abbies Leben leuchtet er eingehend aus. Von der glücklichen Kindheit und den unbeschwerten Tagen, die sie alljährlich im Urlaub mit ihrer Familie auf einer Ranch in Montana verbracht hat, über die Anfänge ihrer "Karriere" als noch harmlose Umweltaktivistin bis hin zu der Zeit, als sie Rolf kennen lernt, einen radikalen Umweltterroristen. Mit dem Beginn einer Liebesbeziehung zu Rolf verfällt sie ihm binnen kürzester Zeit gänzlich und ein aus dem Ruder gelaufener Brandanschlag, der ein Todesopfer fordert, bringt sie schließlich auf die Fahndungsliste des FBI. Dass Evans Rolf ausgerechnet als Deutschen darstellen und damit ein mehr als eindeutiges amerikanisches Klischee bedienen musste, hätte die Geschichte meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig gehabt.
Insgesamt gesehen ist Nicholas Evans mit "Wenn der Himmel sich teilt" aber ein interessanter, fesselnder Roman gelungen. Ein Buch, das man schwerlich aus der Hand legen kann, bis man die ganze Geschichte kennt. Ein wenig schade finde ich persönlich seine etwas distanzierte Schreibweise. Er hat - unbestritten - eine unheimlich bildhafte, präzise Sprache und seine Geschichten in bewegte Bilder umzusetzen, dürfte keinem Regisseur großartige Schwierigkeiten bereiten. Aber dennoch habe ich bei ihm immer das Gefühl, als betrachte er die Landschaften und Personen in seinem Roman gleichsam aus der Vogelperspektive. Zwar zoomt er den Leser ran ans Geschehen, aber trotzdem bleibt man hinter der Linse, man ist nie in unmittelbarer Nähe dabei oder gar mittendrin. Deshalb auch "nur" vier Sterne für ein ansonsten wirklich großartiges Buch.