Joachim Gneist wurde 1938 in Bremen geboren und studierte Theologie, Philosophie und anschließend Medizin. Er machte eine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und absolvierte dann eine Weiterbildung in Psychodrama und Psychoanalyse. Seit 1975 führt er eine eigene Praxis als Psychotherapeut und ist seit 1980 auch als Ausbilder und Supervisor tätig.
In seinem Buch schildert er anhand von vielen Fallbeispielen die Erscheinungsform des Borderline-Syndroms. Es ist dies eine Krankheit, die bei den betroffenen Menschen eine tiefe Zerrissenheit hervorruft. Sie sind nicht in der Lage, gegensätzliche und widersprüchliche Gefühle zu integrieren. So sehnen sie sich nach Liebe, Wärme und Nähe, begegnen jedoch jedem, der ihnen nahe kommt, mit Wut und Hass. Für Borderline-Menschen gibt es nur schwarz oder weiß, keine Schattierungen. Sie sind nicht in der Lage, gleichzeitig liebevolle und hasserfüllte Regungen in sich zu tragen, sie zu gewichten und auszugleichen. Borderline heißt übersetzt Grenzlinie. Gemeint war ursprünglich die Grenze zwischen Neurose und Psychose. Aber gerade die nicht vorhandenen oder unklaren Grenzen in seiner Persönlichkeit sind das Thema der Borderline-Person. Joachim Gneist vermittelt sein Anliegen in verschiedenen Darstellungsebenen. Zum einen stellt er in Fallbeispielen Lebens- und Therapieverläufe von Betroffenen dar. Dazu gesellen sich Gedichte, Märchen und Erzählungen, die deren Erleben für den Leser nachfühlbar machen. Daneben gibt es auch eine Fülle von theoretischen Informationen zum Thema.
Das Buch gliedert sich in neun Kapitel. Es beginnt mit einer Einführung ins Thema und stellt danach -zur Veranschaulichung des Problems- sechs Porträts von Borderline-Persönlichkeiten nebeneinander. Daneben wagt sich Gneist an eine Theorie zur Entstehungsgeschichte der Krankheit. Die weiteren Kapitel beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Syndroms auf die verschiedenen Bereiche der Persönlichkeit und mit Therapiemöglichkeiten bzw. Therapieverläufen.
Zum Schluss setzt der Autor die Störung in Beziehung zu unserer Gesellschaftsform. Seiner Meinung nach begünstigt die derzeitige Gesellschaftsstruktur die Ausprägung dieses Symptoms. Dies belegt er an einigen anschaulichen Beispielen. Das Thema des Buches war für mich persönlich interessant, da ich in meiner Tätigkeit schon auf Personen gestoßen bin, die als Borderline-Persönlichkeiten diagnostiziert waren. Ich konnte zu diesem Begriff nur wenig Literatur finden und bin somit dankbar für die Leseliste, die im Anhang zu finden ist. Das Buch ist gut verständlich geschrieben und durch die vielen Fallbeispiele wird das Thema für den Leser sehr konkret. Ich finde das Buch gut geeignet, um in die Thematik einzusteigen und es macht neugierig auf weitere Informationen.
Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis: Der Mensch als Borderline Einstimmung und Überblick Der Körper Totsein und Leben Die Seele Fühlen und Wahrnehmen Der Geist Denken und Vertrauen Beziehung Intimität und Sexualität Therapie Gefahren und Möglichkeiten
Astrid Hetger