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In Wenn die Dunkelheit fällt soll Alan Banks in einem Fall ermitteln, der anfangs bereits aufgeklärt zu sein scheint: Bei einer Routineangelegenheit waren zwei seiner Kollegen auf ein Haus gestoßen, in dessen Keller sie die Leichen mehrerer entsetzlich misshandelter junger Frauen fanden. Aber ist der Lehrer Terry Payne, der mit seiner Frau Lucy dort wohnt, wirklich der Täter? Und wie ist Lucy, ein offensichtliches Opfer häuslicher Gewalt, selbst in den Fall verwickelt?
Neben der Haupthandlung sind es vor allem die privaten Verwicklungen von Inspector Banks, die diesen Roman ausmachen. Seine von ihm getrennt lebende Frau Sandra erwartet ein Kind und möchte sich endlich scheiden lassen. Sein Verhältnis mit der attraktiven Annie Cabbot scheint ebenfalls unter einem dunklen Stern zu stehen, Cabbot ermittelt gegen eine seiner Kolleginnen, der unangemessene Gewaltanwendung vorgeworfen wird. Dieses stete Ineinandergreifen von Berufs- und Privatleben ist es, was Robinsons Bücher so eminent lesbar macht. Krimis mit einer spannenden Story gibt es viele. Protagonisten, mit denen Leser stets aufs Neue mitfiebern, sind dagegen eher die Ausnahme. --Felix Darwin -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Zwei Fragen stehen in diesem spannenden Kriminalroman im Mittelpunkt: Wer war es? Und warum hat er es getan? Auf die erste Frage wird es am Ende eine durchaus plausible Antwort geben. Die zweite Frage hingegen ist schwieriger und wird letztlich nicht beantwortet. Warum töten Menschen? Neid, Eifersucht, Habgier - die klassischen Mordmotive funktionieren in diesem Fall nicht. Unterdrückte oder krankhafte Sexualität mag sicher eine Rolle spielen, doch dabei kommt Alan Banks und mit ihm seine Leser an ihre Grenzen. Die menschliche Psyche ist immer noch ein großes Rätsel mit mehr Fragen als Antworten.
Für diese bittere Feststellung entspinnt Peter Robinson in einer schlichten, packenden Sprache einen komplexen und durchweg gut konstruierten Fall, in dem es eben um mehr geht, als um das berühmte "Whodonit?". Sein Banks ist ein Suchender, einer, der die Sinnfrage stellt. Dabei scheut der Autor auch nicht vor Reizthemen zurück, die immer wieder Stoff für Krimis bieten: Gewalt gegen Frauen und der Missbrauch von Kindern. Kaum etwas bringt Menschen so sehr auf, wie die Gewalt des Stärkeren gegen den Schwächeren. Schnell ist der verständliche Ruf nach Gerechtigkeit da, schnell ist auch eine klare Trennung von Opfer und Täter vollzogen. Nicht so bei Robinson: Geschickt lässt er die Frage, wieso der Täter getötet hat, im Raum stehen und gibt sie seinem Leser mit auf den Weg.
Eindrucksvoll thematisiert Robinson zudem den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt, von Opfern, die zu Tätern werden und umgekehrt. Am Ende bleibt die schmerzhafte Erkenntnis, dass es eher ein Glücksfall ist, wenn dieser Kreislauf durchbrochen wird. Warum dies so ist bleibt unbeantwortet. Um mit Robinson zu sprechen "Wie immer bekam er keine Antwort vom obersten Zyniker im Himmel." Dass sein Banks dran verzweifelt, ist nicht nur glaubwürdig, es verleiht diesem fesselnden Kriminalroman Tiefe.
Als DCs Janet Taylor und Dennis Morrissey eines Nachts zu einer ehelichen Auseinandersetzung im Hause Payne gerufen werden, ahnen sie noch nicht, was sie erwartet. Nicht nur, dass Lucy Payne bewußtlos und blutend im Hausflur liegt, im Keller tut sich ein wahres Horrorszenario auf. Ein totes gefesseltes Mädchen und ein scheinbar wahnsinniger Terence Payne, der sich mit einer Machete auf die Polizisten stürzt und einen von ihnen tödlich verletzt, bevor er selbst niedergeschlagen wird. Das tote Mädchen ist Kimberley Myers, vermisst seit ein paar Tagen und vermutlich das letzte Opfer eines Serienmörders, der es auf blonde junge Mädchen abgesehen hat.
Inspektor Banks, Leiter der Sondereinheit "Chamäleon", die wegen der verschwundenen Mädchen gegründet wurde, sieht seinen bisher ziemlich verfahrenen Fall durch einen Zufall gelöst, denn sicher ist doch Terence Payne der gesuchte Verbrecher, eine Annahme, die sich bestätigt, als weitere Leichen in dessen Keller und Garten ausgegraben werden. Doch was ist mit Lucy Payne? Ist sie gleichfalls ein Opfer der Gewalt ihres Ehemannes oder etwa dessen Komplizin? Gemeinsam mit Profiler Dr. Jenny Fuller versucht Banks aus der verschlossenen Lucy schlau zu werden, und entdeckt dabei Überraschendes.
Im Gegensatz zu den meisten Krimis beginnt "Wenn die Dunkelheit fällt" praktisch von hinten, mit der Aufklärung des Verbrechens. Die Leichen der verschwundenen Mädchen werden gefunden und der vermutliche Mörder liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Peter Robinson ist weniger interessiert an der Jagd nach dem Killer als an den Hintergründen der Tat und daran, was einen Menschen zum Mörder macht. Schon in den letzten beiden Büchern entfernte der Autor sich mehr und mehr vom Standard-Krimi, dem britischen "Police Procedural" und räumte den Hintergründen der beschriebenen Verbrechen mehr und mehr Platz ein. Mit "Wenn die Dunkelheit fällt" setzt sich dieser Trend fort, was mich als Fan des psychologischen Krimis sehr erfreut hat. Meines Erachtens ist es Peter Robinson mit diesem Buch gelungen, seinen Platz in der ersten Garde der Krimiautoren zu zementieren.
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