Das Buch eignet sich hervorragend, um einen sachlichen, neutralen Überblick über die Thematiken psychische Störungen und Cannabissucht zu erhalten. Es ist auf fundierter Recherche basiert und stigmatisiert weder Cannabis noch psychische Störungen, sondern betrachtet die Sachlage ausgewogen und professionell.
Insbesondere die "doppelte Betroffenheit", wie es die Autoren nennen, d. h. das sich wechselseitige Beeinflussen von psychischen Erkrankungen und Cannabiskonsum wird detailliert beschrieben, was für das Verständnis der Erkrankungen und richtiges Handeln sehr hilfreich ist. Viele Ratschläge, die sich rein auf eine psychische Erkrankung beziehen, gelten nicht uneingeschränkt bei gleichzeitigem Vorliegen einer Cannabisabhängigkeit und umgekehrt.
Die Autoren beschreiben treffend, wie steinig der Weg zur richtigen Diagnose oft ist, da die Welt der Drogenberater die Anzeichen und Besonderheiten von psychischen Erkrankungen oft nicht gut genug kennen. Umgekehrt ist es unbedingt erforderlich, bei einer psychischen Erkrankung über die starken Einflüsse der Cannaboide auf die Erkrankung selbst sowie eingenommene Medikamente zu wissen.
Das Buch kann nur einen Einstieg in die Materie bieten, und viele Zusammenhänge werden erst jetzt beim heutigen häufigen Auftreten der "doppelten Betroffenheit" weiter wissenschaftlich fundiert erforscht, dies wird auch klar und deutlich gesagt. Man erhält aber einen treffenden Überblick sowie erste Wege zu richtigem Handeln bei Betroffenheit in der Familie oder im Bekanntenkreis.
Das Buch richtet sich insbesondere an die Familie von Betroffenen und ist auch Freunden oder Bekannten von Erkrankten zu empfehlen. Mir ist erst nach der Lektüre klar geworden, wie häufig in Informationsangeboten an anderer Stelle viele der offenkundigen und bereits erforschten Zusammenhänge der "doppelten Betroffenheit" nicht ausreichend erwähnt werden und wünsche mir, dass sich auf diesem Gebiet schnell ein breiteres Verständnis durchsetzt.
Noch ein Wort zu den anderen Rezensionen hier: Pro oder contra Cannabis ist nicht Thema des Buches - vielmehr machen die Autoren klar, dass es sich bei Cannabis - wie auch bei Alkohol und anderen Drogen - um ein Suchtmittel mit Nebenwirkungen handelt, welches bedeutende Einflüsse auf die Psyche hat. Das verschiedene Menschen unterschiedlich disponiert sind und dementsprechend unterschiedlich stark von den Nebenwirkungen betroffen sind, ist offenkundig. Deutlich wird aber, das bei zusätzlich vorliegenden psychischen Anfälligkeiten Cannabis eine erwiesene und extrem fördernde Wirkung für die Erkrankungen hat. Wenn man die treffend beschriebenen Fallbeispiele einmal in ähnlicher Weise selbst aus dem Umfeld eines Betroffenen erlebt hat, schüttelt man den Kopf über einseitige pro/contra-Diskussionen. Diese wären im Buch völlig fehl am Platze. Es geht hier darum, das vorhandenes Wissen über vorhandene Zusammenhänge darzustellen, nicht Meinungen zu diskutieren.