Dieses Buch hätte 0 Punkte und einen Gefahrgut-Aufkleber verdient. Ich bin wirklich entsetzt darüber, wie man solche Ratschläge in der heutigen Zeit veröffentlichen kann.
Nein, das Buch ist nicht von vorne bis hinten furchtbar. Gerade das macht es so gefährlich. Gute Punkte sind:
+Auf Müdigkeit des Kindes achten und für Ruhe sorgen
+Regelmäßigkeit und Vorhersehbarkeit im Tagesablauf
Leider ist die Liste der schlechten Punkte sehr viel länger:
-Eltern machen etwas falsch, wenn sie anders als im Buch beschrieben mit ihrem Kind umgehen.
-Eltern laufen ständig Gefahr, bereits erreichtes zu riskieren, wenn sie vom vorgegebenen Pfad abweichen.
-Kinder müssen von Anfang an (Tag 1) lernen, alleine zurecht zu kommen.
-Die (fast) einzige Ursache für Schreien ist Übermüdung.
Es ist der Autorin zwar bekannt, dass Kinder in den ersten Monaten nur das was sie sehen oder fühlen können für existierend halten und alles außerhalb (im anderen Zimmer z. B.) als nicht-existierend wahrnehmen. Dennoch hält die Autorin es für notwendig, Kinder ab dem ersten Lebenstag lange alleine zu lassen, wenn sie weinen. Babys entwicklen erst nach und nach ein Zeitgefühl; sie leben in den ersten Wochen im Hier und Jetzt. Hier einige Zitate aus dem Buch:
S. 138 "Wie lange soll ich mein Kind im Bett weinen lassen, ohne es zu trösten?"
[...]Ein Küchenwecker kann Ihnen als neutrale Instanz dienen. Stellen Sie ihn auf dreißig Minuten, nachdem Sie Ihr Kind ins Bett gelegt haben.[...] Beim ersten Mal kann sich das Kind je nach Alter heftig widersetzen. Das weinen klingt oft beeindruckend und scheint aus den tiefsten Tiefen zu kommen. Wenn Sie aber weiter genau hinhorchen, so werden Sie nach zehn bis fünfzehn Minuten immer öfter eine kleine Atempause hören. Auch eine halbe Minute Ruhe nenne ich eine Atempause. Das sollte Sie beruhigen: Ihr Kind ist doch nicht so außer sich, wie es schien.
Ich rate Ihnen, den Küchenwecker dann noch einmal auf dreißig Minuten zu stellen.[...]
S. 140 "Was soll ich tun, wenn mein Kind länger weint?"
[...]Hat es Sie wirklich eine halbe Stunde lang nicht gesehen? Oder haben Sie sich doch gezeigt und es zum Beispiel getröstet? Wenn ja, dann haben Sie bei ihm die Erwartung geweckt, aus dem Bett genommen zu werden, wie es das vielleicht gewohnt war. Dann wird es lauter weinen, um seinen Willen durchzusetzen. Hat Ihr Kind wirklich ununterbrochen geweint oder haben sie die Atempausen überhört?[...]
Was lernt das Kind? Wenn es ihm schlecht geht und es das laut und deutlich durch Weinen zeigt, bleibt es alleine und muss da selbst durch. Dadurch wird das Kind in seinem Vertrauen verunsichert, denn niemand reagiert auf seine Signale. Ich hoffe es gibt genug Eltern mit gesundem Menschenverstand, die diese schreckliche Methode nicht durchhalten! Außerdem ist es völliger Unsinn, dass Babys unter 6 Monaten mit ihrem Weinen versuchen "ihren Willen durchzusetzen". Sie signalisieren mit dem Weinen, dass es ihnen schlecht geht. Babys brauchen dabei Halt und Sicherheit - aber nicht allein durch Puck-Tücher wie von der Autorin empfohlen, sondern durch Menschen und Zuwendung.
Abgerundet werden diese grausamen Ratschläge durch teilweise lebensgefährliche Empfehlungen zum Stillen. Die Autorin schreibt, dass Kinder, die zu wenig Muttermilch zu sich nehmen, unruhig würden und mehr schreien. Das stimmt so nicht. Kinder, die zu wenig Energie bekommen, werden zunehmend ruhiger, weil sie die wenige Energie die sie haben nicht auch noch fürs Schreien verschwenden, sondern für die überlebenswichtigen Körperfunktionen Atmung, Gehirn und Kreislauf verwenden. In Kombination mit den Handlungsempfehlungen kann eine zu geringe Nahrungsaufnahme so begünstigt werden und die Eltern denken "Toll, wie ruhig das Kind ist!" Und dabei ist das Kind "nur" unterernährt.
Deshalb: 0 Punkte.